Streitobjekt im Allgäu

Anton Hofreiter informiert sich über Grünten-Projekt: Diskussion ohne Lösung

Anton Hofreiter Grünten-Projekt

Rettenbergs Bürgermeister Nikolaus Weißinger (von rechts) stellt dem Bundestagsabgeordneten Anton Hofreiter, dem Landtagsabgeordneten Thomas Gehring (beide Grüne) und Thomas Frey vom Bund Naturschutz die Pläne zum umstrittenen Grünten-Projekt vor.

Bild: Luke Maguire

Rettenbergs Bürgermeister Nikolaus Weißinger (von rechts) stellt dem Bundestagsabgeordneten Anton Hofreiter, dem Landtagsabgeordneten Thomas Gehring (beide Grüne) und Thomas Frey vom Bund Naturschutz die Pläne zum umstrittenen Grünten-Projekt vor.

Bild: Luke Maguire

Grünen-Bundestags-Fraktionschef Anton Hofreiter macht sich im Allgäu ein Bild vom Grünten-Projekt. Rettenbergs Bürgermeister Nikolaus Weißinger stellt es vor.
23.09.2021 | Stand: 16:53 Uhr

Vor der Talstation am Grünten wurde fleißig diskutiert. Rettenbergs Bürgermeister Nikolaus Weißinger stellte dort die Pläne für das Grünten-Projekt dem Grünen Bundestags-Fraktionschef Anton Hofreiter und weiteren Grünen-Politikern sowie Vertretern des Bund Naturschutzes und der Bürgerinitiative gegen das Projekt vor.

„Seit zehn Jahren stecken wir im Sanierungsstau. Deshalb begrüße ich es, dass eine einheimische Familie nun in ein großes Projekt investieren will“, sagte Weißinger. Vorgesehen sei eine neue Talstation mit Parkhaus 500 Meter weiter Richtung Südwesten sowie ein Speicherteich und eine Zehner-Kabinenbahn (wir berichteten mehrfach).

Grünten-Streit: Den alten Sessellift erneuern?

„Warum hätte der alte Sessellift nicht einfach erneuert werden können?“, wollte Hofreiter wissen. Der Bürgermeister verwies auf Grundstückbesitzer am Grünten, die sich gegen das neue Projekt sträubten und ihre Grundstücke nicht zur Verfügung stellen wollten. Außerdem entferne man sich mit der aktuellen Planung weiter vom Kranzegger Ortskern. Damit hätten die Einheimischen „das neue Parkhaus nicht direkt vor der Haustür“.

Kritisiert wurde von den Vertretern der Grünen, des Naturschutzbunds und der Bürgerinitiative vor allem der Bau eines neuen Speicherteichs und der Beschneiungsanlagen. Das sei aufgrund des Klimawandels nicht nachhaltig, gute Winter mit viel Schnee werde es am Grünten kaum noch geben, sind sich die Gegner einig. Weißinger ist sich des Klimawandels bewusst, sagt aber: „Seit über 100 Jahren fährt man hier Ski, seit über 60 Jahren haben wir schon unsere Lifte.“

Rettenbergs Bürgermeister sieht in Neubauten am Grünten keinen Widerspruch

Die Neubauten seien für Weißinger kein Widerspruch zu einer naturnahen Gestaltung. Auch der Rettenberger Grünen-Gemeinderat Gerhard Honold – der sich trotz Kritik aus der eigenen Partei für das Projekt ausspricht – erklärte, dass ein Winterbetrieb wichtig sei. Gemeindebürger hätten immer wieder darauf verwiesen, dass Skifahren am Grünten unabdingbar sei.

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Sonnenuntergang am Grünten

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Thomas Frey vom Bund Naturschutz geht davon aus, dass durch das Projekt ein neuer Magnet geschaffen werde und so noch mehr Tagestouristen zum „Wächter des Allgäus“ strömen. „Tagestouristen sind nicht unsere primäre Zielgruppe, aber wir brauchen sie trotzdem“, hielt Weißinger dem entgegen. Denn eine höhere Auslastung sei notwendig, deshalb würden die Lifte auch ganzjährig betrieben. „Der Grünten war schon immer ein Magnet. Durch den neuen Lift versprechen wir uns eine Besucherlenkung.“ Die sei nötig, um touristische Hotspots wie Oberstdorf zu entlasten und am Grünten selbst dafür zu sorgen, dass Touristen nicht querfeldein laufen, sondern sich an Wanderwege halten.

Weiterer Dorn im Auge der Kritiker

Ein weiterer Dorn im Auge der Kritiker sind fehlende ÖPNV-Angebote. Pius Bandte, Bundestagsdirektkandidat der Grünen, geht von mehr Besucherverkehr aus und glaubt nicht, dass die Gemeinden da Herr der Lage werden. Der Bürgermeister hält dagegen: „Der Verkehr wird zwar zunehmen, aber wir haben mit dem Bürgerticket und dem Ringbus ein Testprojekt geschaffen, das gut angenommen wird.“ Außerdem hofft er, „dass bald eine Umgehungsstraße kommt“. Deshalb seien mehr Geldmittel vom Bund für die Gemeinden nötig. „Da sind wir gleicher Meinung“, sagte Hofreiter. „Gemeinden können das nicht alleine stemmen, deshalb muss ins Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz mehr Geld rein.“

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