Eishockey: Traditionsclub mit neuem Gesicht

Architekt und Bauherr: So formen Kames und Waibel den "neuen" ERC Sonthofen

Die Väter des Erfolgs: Vladimir Kames (links) und Peter Waibel haben den Umbruch im Team gewagt und damit den sportlichen Neuanfang mit dem ERC Sonthofen geschafft. Für die Landesliga stehen nun aber Veränderungen an.

Die Väter des Erfolgs: Vladimir Kames (links) und Peter Waibel haben den Umbruch im Team gewagt und damit den sportlichen Neuanfang mit dem ERC Sonthofen geschafft. Für die Landesliga stehen nun aber Veränderungen an.

Bild: Bettina Brunner

Die Väter des Erfolgs: Vladimir Kames (links) und Peter Waibel haben den Umbruch im Team gewagt und damit den sportlichen Neuanfang mit dem ERC Sonthofen geschafft. Für die Landesliga stehen nun aber Veränderungen an.

Bild: Bettina Brunner

Vladimir Kames und Peter Waibel haben den ERC Sonthofen durch den Umbruch manövriert. Nun startet das Projekt Landesliga. Doch ein Trainer nimmt seinen Hut.
01.04.2022 | Stand: 17:51 Uhr

Sie sind mit einer Mission angetreten – und sie haben sie erfüllt. „Der Landesliga-Aufstieg war immer unser festes Ziel. Daraufhin war der Kader auch zusammengestellt“, sagt Vladimir Kames. „Also kann man sagen, dass wir das Optimale herausgeholt haben.“

Denn der 38-jährige Spielertrainer und Trainerurgestein Peter Waibel haben dem ERC Sonthofen nach der Insolvenz der Spielbetriebs GmbH und dem Aus in der Oberliga 2020 neues Leben eingehaucht. Sie haben dem Kader mit Gesichtern aus der Region wieder eine DNA verliehen und der Jugend für eine mittelfristig erfolgreiche sportliche Zukunft eine Perspektive gegeben. Und sie haben zusätzlich zum Aufstieg die bayerische Bezirksliga-Meisterschaft gewonnen. Im Interview mit unserer Redaktion haben Waibel und Kames noch einmal in den Rückspiegel geblickt, „Umbruchsbilanz“ gezogen und schon jetzt voraus auf das Projekt Landesliga geblickt.

(Lesen Sie auch: "Gänsehaut-Geste des ERC Sonthofen zum Krieg in der Ukraine")

Kames und Waibel beim ERC: Umbruch 2.0

Schon 2020 war der ERC zum Neustart gezwungen. Pandemiebedingt waren in der Bezirksliga aber nicht mehr als drei Spiele drin. Also gab es 2021 den Umbruch 2.0. „Der ist uns absolut gelungen“, sagt Waibel. „Wir haben uns getraut, jungen Spielern eine Chance zu geben, und sind auf einem guten Weg.“ 21 von 26 Spielern des Bezirksliga-Meisters entstammen dem eigenen Nachwuchs. Dabei spricht nicht allein die Kadergröße eine deutliche Sprache: Der ERC Sonthofen konnte über die gesamte Saison hinweg – trotz Unwägbarkeiten durch die Pandemie - mit vier Reihen durchspielen. Dabei ist vor allem Routinier Vladimir Kames der Blick über den Tellerrand wichtig. „Der Umbruch in der ersten Mannschaft ist uns gelungen. Aber wir haben auch im Verein einen Neuanfang gehabt“, sagt der 38-Jährige. „Die Verbindungen des Vorstands zum Team waren gut. Wir sind als Haufen zusammengewachsen. Alle im Verein waren nah dran an der Mannschaft.“

Die Väter des Erfolgs: Vladimir Kames (links) und Peter Waibel haben den Umbruch im Team gewagt und damit den sportlichen Neuanfang mit dem ERC Sonthofen geschafft. Für die Landesliga stehen nun aber Veränderungen an.
Die Väter des Erfolgs: Vladimir Kames (links) und Peter Waibel haben den Umbruch im Team gewagt und damit den sportlichen Neuanfang mit dem ERC Sonthofen geschafft. Für die Landesliga stehen nun aber Veränderungen an.
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Top-Offensive, bärenstarke Abwehr

Und sie alle konnten verfolgen, wie der ERC die Bezirksliga nach Belieben dominierte. Und zwar nicht nur die Gruppe IV. Von den möglichen 60 Punkten aus den 20 Spielen in der Hauptrunde und den Play-offs holten die Schwarz-Gelben 58, stellten mit 186 Toren (9,3 pro Spiel) und 27 Gegentoren die beste Offensive und Defensive aller Gruppen. Beeindruckende 500 Zuschauer im Schnitt – 800 in der Spitze – waren an der Hindelanger Straße dabei. „Es hat sich eine Regel bewahrheitet: Die Defensive gewinnt Titel – und wir waren hinten überragend. Offensiv war es sensationell“, sagt Peter Waibel. Sein Trainerkollege ergänzt: „Mir ist die Defensive wichtiger, weil wir wichtigen Spiele hinten gewinnen“, sagt Kames. „Offensiv, das wusste ich, sind wir immer stark genug, um ein Tor zu erzielen.“

Schlüsselphase der Saison: Gut durch die Pandemie

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Es habe nicht den einen Schlüsselmoment gegeben, sagen Waibel und Kames. Aus organisatorischer Sicht, „das wussten wir von Anfang an“, sagt Waibel, „sind wir relativ gut durch die Corona-Zeit bekommen. Wir sind eigentlich verschont geblieben. Das war auf jeden Fall ein wichtiger Aspekt.“

Dabei habe sich der ERC in der gesamten Struktur vorbildlich verhalten, um coronabedingte Ausfälle zu verhindern, loben die Coaches. Waibel und Kames hatten tägliche Tests, vor jedem Spiel und sogar vor jedem Training angeordnet. „Wir waren gesund und wir waren fit. Das war unser Pluspunkt“, sagt der 38-jährige Kames.

Junge Wilde auf dem Vormarsch

Gesichter aus der Region, im besten Fall Spieler, die ihre Wurzeln beim ERC Sonthofen haben, sollten das neue Team bilden. Das ist allem Anschein nach geglückt. Stransky, Mische, Gotzler und Tenzer haben sich gut integriert – obwohl einige von ihnen parallel noch die gesamte Saison mit der U20 absolviert haben. „Ich hoffe, die Jungs haben in dieser Saison gemerkt, dass jeder eine Rolle einnimmt. Und diese akzeptiert“, sagt Kames. „Wir konnten deshalb als Einheit auftreten, weil alle bereit waren, für das Team zu kämpfen.“ Der ERC Sonthofen scheint nachhaltig für eine erfolgreiche Zukunft auf dem Eis vorgearbeitet zu haben.

Zeit für Veränderungen: Waibel tritt zurück

Und doch wird das Erfolgsteam auseinandergerissen werden, das steht fest. Denn Peter Waibel wird künftig nicht mehr an der Bande stehen. Das hatte der 65-Jährige den Verantwortlichen schon vor einem Jahr mitgeteilt. „Nach 34 Jahren im Geschäft will ich auch mal anderen Hobbys nachgehen“, sagt der Meistertrainer. Das Training mit dem „AH-Team“, Mannschaftsausflüge und Radtouren seien über viele Jahre zu kurz gekommen.

Nun, nach dem angekurbelten Neuanfang, will sich der Sport-Rentner Zeit dafür nehmen – und hinterlässt damit ein großes Loch. „Es war sehr wichtig, dass Peter bei uns war. Er hat das Team mit Thomas Blaha von Anfang an zusammengestellt. Er war und ist für den Verein wichtig“, lobt Kames. „Ich konnte mich immer auf ihn verlassen. Was wir geschafft haben, geht nur als Team. Und wir waren immer gleichberechtigt auf Augenhöhe.“ Wichtig für Mannschaft und Fans: „Nur“ der Bauherr geht, der Architekt bleibt. Kames wird weitermachen und begibt sich zur „Mission Landesliga“ vor allem auf die schwere Suche nach einem Nachfolger für Peter Waibel.

Kames und die Planungen für die Landesliga

Dieses Projekt, ist Kames sicher, wird das heikelste auf dem Weg ins „Abenteuer Landesliga“. „Wir brauchen jemanden mit Trainerschein aus der Region, das wird nicht einfach“, sagt der Routinier, der Vorbereitung, Kaderplanung und Trainersuche einmal mehr in Personalunion abwickelt. „Wir haben aber genug Zeit und werden vor allem mit allen Spielern reden müssen.“ Von drei Akteuren wird sich der ERC verabschieden müssen – die Namen möchte Kames noch nicht preisgeben.

Doch der Großteil hat sein Engagement auch für die Landesliga zugesagt und wird, so Kames’ Plan, Anfang Mai dreimal pro Woche mit dem Sommertraining einsteigen. Bis September stehen drei große Trainingsblöcke an. Dazwischen, im Juni und im August, wohldosierte Zwischenpausen. „Die Landesliga wird eine andere Kategorie. Wir müssen schauen, dass wir hart arbeiten. Unser Ziel primär muss sein, auf dem Boden zu bleiben“, gibt Vladimir Kames vor. „Ich starte lieber mit niedrigeren Erwartungen und werde überrascht. Das heißt nicht, dass wir keine großen Ziele haben. Aber mit Respekt.“