Events fallen aus

Asbest-Gefahr in der Stadthalle: Hofgarten in Immenstadt muss schließen

Hofgarten Immenstadt

Am 20. Oktober sollte eigentlich das Theaterstück „Passagier 23“ im Hofgarten gezeigt werden. Daraus wird nach der Schließung der Stadthalle nichts, der Psychothriller muss verlegt werden. Derweil in dem Gebäude ein anderer Psychothriller ab: Welchen Umfang wird die Sanierung nach der Asbestbelastung haben?

Bild: Franz Summerer

Am 20. Oktober sollte eigentlich das Theaterstück „Passagier 23“ im Hofgarten gezeigt werden. Daraus wird nach der Schließung der Stadthalle nichts, der Psychothriller muss verlegt werden. Derweil in dem Gebäude ein anderer Psychothriller ab: Welchen Umfang wird die Sanierung nach der Asbestbelastung haben?

Bild: Franz Summerer

Weil sich in der Raumluft Asbest befindet, wird die Stadthalle sofort geschlossen. „Ich hätte heulen können“, sagt der Bürgermeister. Und was passiert jetzt?
08.10.2021 | Stand: 19:40 Uhr

Die Hiobsbotschaft kam am Freitagvormittag: Das Ergebnis einer Untersuchung des Lüftungssystems im Hofgarten von Immenstadt erbrachte Asbest an den Rohren und in der Raumluft.

Hofgarten zu: "Ich hätte heulen können"

„Ich hätte heulen können“, sagte Bürgermeister Nico Sentner am Freitag. Als Konsequenz musste er die sofortige Schließung der Stadthalle anordnen. Betroffen davon sind Kulturveranstalter, Schulen und die Stadt selbst. Alle geplanten Veranstaltungen müssen jetzt verlegt werden. Die Frage lautet: Lässt sich die Asbestbelastung durch einen kleineren Eingriff beheben oder betrifft der Schaden das ganze Lüftungssystem? Denn dann würde eine Sanierung in die Millionen gehen.

In der Hofgarten-Stadthalle hätten – außerhalb von Pandemiezeiten – bis zu 860 Besucher Platz. Die Kulturgemeinschaft Oberallgäu (KGO) organisiert dort Theateraufführungen und Ausstellungen, lässt der „Immenstädter Sommer“ Musikgruppen oder Kabarettisten auftreten, halten Schulen ihre Prüfungen ab und feiern Abschlussfeste, nutzen andere Anbieter und die Stadt den großen Raum als Veranstaltungsraum aller Art oder für Bürgerversammlungen. In der Corona-Hochphase war darin ein Impf- und Testzentrum untergebracht und diente der Hofgarten dem Stadtrat als zweites Rathaus.

"Mir tut es wirklich leid für die Kulturanbieter"

„Mir tut es wirklich leid für die Kulturanbieter. Erst durften sie wegen Corona keine Veranstaltungen abhalten und jetzt müssen wir den Hofgarten wegen Asbest zumachen“, sagt Sentner. Aber bis klar sei, wie groß der Schaden ist und welche Maßnahmen notwendig sind, habe es keine andere Möglichkeit gegeben: „Die Gesundheit der Menschen geht auf jeden Fall vor.“

Ans Licht kam die Asbest-Belastung bei der jährlichen Untersuchung des Gebäudes. „Die müssen wir jedes Jahr durchführen. Außerdem ging es diesmal noch um die Messung der Luftstrommenge“, erläutert der Bürgermeister. Die Lüftung saugt von außen Luft an, leitet sie durch ein Rohrsystem und bläst sie dann im oberen Teil der Halle in den Raum. Dadurch kommt es zum Luftaustausch. Die Menge des Luftstroms wollte die Verwaltung messen, weil das – entsprechend der Corona-Regelungen – Auswirkungen auf die Anzahl der möglichen Besucher der Stadthalle hat.

Luftprobe bringt Gewissheit

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Wie Sentner erläutert, sollte für die Messung die Dicke der Lüftungsrohre, die sich in der Hallenwand befinden, festgestellt werden. Dazu war es nötig, eine der Rigipsplatten zu öffnen. Als die städtischen Mitarbeiter unter Leitung der Sachverständigen Andrea Kneißl aus Kempten die Lüftungsrohre überprüften, entdeckten sie eine Verbindungsmasse, die ihnen seltsam vorkam. Die Untersuchung samt der Luftprobe habe dann die Gewissheit auf den krebsfördernden Baustoff Asbest gebracht. Er wurde vor 50 Jahren, als der Hofgarten errichtet wurde, häufig als Baumaterial verwendet.

Krisenstab wird eingesetzt

Nächste Woche will Sentner einen Krisenstab einsetzen und dazu weitere Experten hinzuziehen. Sie sollen den Hofgarten weiter untersuchen. Dabei geht es zunächst darum, ob sich das Asbestmaterial nur auf einzelne Teile begrenzt und durch einen Austausch dieser Teile beheben lässt. Oder ob die komplette Lüftungsanlage ersetzt werden muss.

„Sollte das der Fall sein, verlieren wir womöglich den Bestandsschutz auf das Gebäude“, befürchtet der Bürgermeister. Denn das hätte zur Folge, dass die neuen Brandschutzrichtlinien greifen. „Dann müssten wir eine ganze Menge neuer Einbauten und eine Löschanlage installieren – und das kostet uns mehrere Millionen Euro.“ In diesem Fall müsse überlegt werden, ob sich eine solche Investition überhaupt noch lohnt.

Da sich die Untersuchungen hinziehen werden, geht Sentner zunächst davon aus, dass der Hofgarten ein halbes bis ein ganzes Jahr geschlossen bleiben muss. Alle Veranstaltungen, die in dieser Zeit vorgesehen waren, müssten auf Turnhallen oder Hallen anderer Kommunen verlegt werden.

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