Fasnatziestag in Oberstaufen

Auch in Corona-Zeiten die Fahne hochgehalten und den Gedenktag gefeiert

Fasnatziestag Fähnrich

Fasnatziestag in Corona-Zeiten: Kilian Kink schwenkt vor der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul in Oberstaufen die Fahne. Genau nach Protokoll: Dreimal rechts und dreimal links, während Vize-Fähnrich Johannes Rotter und die Föhla die Aktion beobachten. Diesmal fand der Gedenktag ohne das sonst vorgesehene Programm statt.

Bild: Werner Kempf

Fasnatziestag in Corona-Zeiten: Kilian Kink schwenkt vor der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul in Oberstaufen die Fahne. Genau nach Protokoll: Dreimal rechts und dreimal links, während Vize-Fähnrich Johannes Rotter und die Föhla die Aktion beobachten. Diesmal fand der Gedenktag ohne das sonst vorgesehene Programm statt.

Bild: Werner Kempf

Die Staufner gedenken seit 1635 der Pesttoten, heuer jedoch in abgespeckter Form. Fähnrich und Butz wollen noch einmal antreten und den Brauchtumstag ohne Corona-Beschränkungen 2022 erleben
16.02.2021 | Stand: 21:02 Uhr

Dicke Nebelschwaden hängen gegen 7.45 Uhr über Oberstaufen. Ein Unimog des Bauhofs streut Salz auf die eisglatten Pflastersteine vor der katholischen Pfarrkirche. Wo sonst hunderte Menschen stehen, sind diesmal 20 Schaulustige versammelt, um die Zeremonie beim 386. Fasnatziestag zu verfolgen. Punkt acht Uhr spricht Fähnrich Kilian Kink den Prolog und schwenkt die Fahne, dreimal rechts und dreimal links. Anschließend springt der Butz mit seinem Reisigbesen über den Kirchplatz. Nach zehn Minuten ist alles vorbei. Pfarrer Karl-Bert Matthias lässt die Kirchenglocken läuten.

Normalerweise formiert sich gegen zehn Uhr beim Staufner Gedenktag der Festzug und marschiert zum Fähnrichshaus. Dort beginnt der historische Umzug durch den Ort mit Butz, Tambourmajor, Trommlern, Blasmusik, Altfähnrichen, Fähnrich, Fahnenbrüdern, Föhla und den ledigen Burschen.

Der Butz führt den Festzug an. Besenschwingend eilt er den Festteilnehmern entgegen, „kehrt“ sie, um sie symbolisch von der Pest zu reinigen. Beim Gebetsläuten um 18 Uhr fällt er wie tot um und erinnert so an das große Sterben von 1635.

Damals wütete im Markt Staufen die Pest und löschte das Leben von etwa 700 Männern, Frauen und Kindern aus. Der regierende Graf Hugo von Königsegg soll die Burschen des Marktes beauftragt haben, mit einer Fahne und von Trommlern begleitet durch die Straßen zu ziehen, um der Not und Trostlosigkeit der Bevölkerung ein Ende zu setzen und den Menschen wieder neuen Lebensmut zu geben.

Auch in den Weltkriegen nicht ausgefallen

Dieser Brauch wird bis heute fortgesetzt und ist nicht einmal in den beiden Weltkriegen ausgefallen. Denn der Gedenktag muss über die Bühne gehen. Das ist in den alten Schriften aus den Anfängen des Fasnatziestags so festgeschrieben. Fällt der Gedenktag aus, darf er nicht mehr fortgesetzt werden, lautet ein Passus in dem alten Schriftstück.

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„Deshalb war klar, dass der Fasnatziestag auch heuer wieder stattfindet, jedoch in abgespeckter Form“, sagt Fähnrich Kilian Kink. Der 23-jährige „ist tief enttäuscht, dass wir heuer nicht wie sonst üblich feiern konnten“. Deshalb möchte er sich im Herbst erneut zur Wahl stellen, um als Fähnrich im nächsten Jahr „die ganze Zeremonie mit all den Teilnehmern erleben und genießen zu können“. Aber sein Einsatz in diesem Jahr sei ein gutes Training für 2022 gewesen, um dann „mit weniger Anspannung meine Aufgabe zu erfüllen“, sagt der Fähnrich.

Guter Test fürs nächste Jahr

Auch für Butz Jannik Gorbach ist der Auftritt am gestrigen Dienstag ein guter Test für die Veranstaltung in zwölf Monaten gewesen. Der 20-Jährige will beim 387. Gedenken erneut den Reisigbesen schwingen und vor Hunderten von Zuschauern durch die Reihen tanzen. Denn schließlich sei es eine Ehre, „beim Fasnatziestag in das Kostüm des Butz schlüpfen zu dürfen“.

Es sei sehr schade, „dass unser Fasnatziestag heuer nicht wie gewohnt stattfinden konnte. Es ist ein Gedenktag, den nur wir Staufner haben, und der uns jedes Jahr aufs Neue begeistert und zusammen-bringt“, sagt Bürgermeister Martin Beckel.

Der Fasnatziestag sei in einer Zeit entstanden, in der die Pest wütete. Vielleicht könnte mit dem Gedenktag in diesem Jahr in Zeiten von Corona ein wenig Freude, Spaß und Lebensmut in den Ort zurückkehren. „Wir hoffen, dass wir unser höchstes Staufner Brauchtum im nächsten Jahr wieder wie gewohnt feiern können“, lässt der Bürgermeister wissen.