Ausstellung in Oberstdorf

Auf Tuchfühlung mit Gesichtern

Im Gebet, Irak

Ein Iraker beim Gebet: ein Exponat von Heike Hüttenkofer

Bild: Irmgard Rampp

Ein Iraker beim Gebet: ein Exponat von Heike Hüttenkofer

Bild: Irmgard Rampp

Heike Hüttenkofer zeigt im Trettachhäusle faszinierende Portraits und abstrakte Exponate. Die Ärztin widmet sich seit 2014 ausschließlich der Malerei.
04.09.2021 | Stand: 18:30 Uhr

Ein Bild muss den Betrachter von Anfang an fesseln. Da setzt sich ein magischer Dialog in Gang, um sämtliche Details zu ergründen. Da ist dieser kleine Junge aus Tansania, der mit flehendem Blick auf sein Essen wartet. Hier schaut einen das Mädchen aus Mauretanien irgendwie frech und zugleich verschämt an. Und was mag wohl dieser alte Iraker erflehen, der inständig in sein Gebet vertieft ist und dessen zerschundene Hand das Gesicht verbirgt?

Titel der Ausstellung: "Im Wandel"

„Im Wandel“ nennt Dr. Heike Hüttenkofer ihre Ausstellung in der Galerie Oberstdorf im Trettachhäusle. Zu sehen sind furiose Portraits in Grisaille-Malerei aus ihrem Projekt „Menschen Einer Welt“. Dabei beherrscht die Malerin die Kunst, aus der völlig minimalistischen Farbpalette allein mit der Darstellung von Licht- und Schattenwirkung, die Ausdrucksstärke der Gesichter zu erfassen. Und lässt dabei dem Betrachter viel Raum für ruhige Begegnungen, um auf Tuchfühlung zu gehen und ihre Geschichten zu ergründen.

„Wir sind alle miteinander verbunden, die Grenzen sind von uns selbst gemacht“: Hüttenkofers Idee dabei ist es seit 2016, von jedem Land der Welt einen Menschen zu malen.

Geboren in Memmingen im Jahr 1969

Ihre Arbeit als Ärztin hat die gebürtige Memmingerin, Jahrgang 1969, in entlegene Gebiete der Erde geführt. In ihrer Doktorarbeit befasste sie sich mit Kindesmissbrauch in Alaska. Der Kontakt mit der eingeborenen Bevölkerung und ihrer Kultur in Neuseeland, Australien und Tibet hat sie tief geprägt. Viele dieser unvergesslichen Eindrücke aus dieser Zeit sind die Inspirationen für ihre Malerei, der sie sich seit 2014 ausschließlich widmet.

In ihrer Schau im Trettachhäusle spannt Hüttenkofer den Bogen von den brillant realistischen Portraits zur abstrakten Malerei. Da geht sie mit ihrer eigenen Technik ans Werk und nimmt dabei den Betrachter mit auf die geheimnisvolle Gratwanderung zwischen maroder Vergänglichkeit und quicklebendigen Strukturen. Und wie aus dem Nichts erscheint die Silhouette des Nebelhorns oder der Schatten einer behörnten Kuh. Hüttenkofer beschreibt, was sie antreibt: „Kunst bedeutet für mich Klarheit, Echtheit und Tiefe. Das auszudrücken und sichtbar zu machen, was bedeutsam, wahr und essentiell ist“.

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