TV Immenstadt Schwimmen

Aus einer Schnapsidee: Schwimmer Marcus Joas umrundet zweimal den Alpsee

Die Umrundungs-Pioniere beim ersten Versuch am Alpsee: Trainerin Birgit Joas folgt und überwacht auf dem Stand-up-Paddle, Antreiber Marcus Joas (pinke Kappe) hat das Feld von hinten im Blick.

Die Umrundungs-Pioniere beim ersten Versuch am Alpsee: Trainerin Birgit Joas folgt und überwacht auf dem Stand-up-Paddle, Antreiber Marcus Joas (pinke Kappe) hat das Feld von hinten im Blick.

Bild: Joas

Die Umrundungs-Pioniere beim ersten Versuch am Alpsee: Trainerin Birgit Joas folgt und überwacht auf dem Stand-up-Paddle, Antreiber Marcus Joas (pinke Kappe) hat das Feld von hinten im Blick.

Bild: Joas

Der 21-jährige Marcus Joas vom TV Immenstadt umrundet zweimal den Alpsee und kommt auf 16,6 Kilometer. Warum er einmal die Jugend und einmal die "alten Hasen" mitnimmt.

25.08.2020 | Stand: 17:12 Uhr

Was einer Schnapsidee beim Bergsteigen entsprang, wurde zu einer sportlichen Herausforderung mit Wettkampfpotenzial, zu einer „echt harten Hausnummer“, wie es Marcus Joas beschreibt. Zweimal innerhalb von neun Tagen umrundete der 21-jährige Ausnahmeschwimmer vom TV 1860 Immenstadt seit dem 9. August den heimischen Alpsee. „Es war nicht mehr als eine verrückte Idee, eigentlich aus der Not heraus geboren, weil Wettkämpfe ausgefallen sind. Also absolut ins Blaue hinein, aber sehr cool“, sagt Joas. Das Kuriose: Der amtierende schwäbische Meister über 1500 Meter Freistil und 400 Meter Lagen trommelte für seine Umrundungen bei der Premiere die Nachwuchs-Schwimmer des TVI und beim zweiten Mal die alten Haudegen zusammen.

Zwölfjährige Käser-Brüder haben die Idee

„Wir haben so etwas noch nie zuvor gemacht. Die Idee ist spontan aufgekommen, als wir mit unseren Nachwuchsschwimmern Anton und Xaver Käser Ende Juli auf einer Bergtour waren. Die beiden wollten das mal probieren und ich habe nicht lange gezögert“, erzählt Joas. Das Außergewöhnliche: Die Ideengeber, die Käser-Brüder, sind gerade mal zwölf Jahre alt und brauchten nicht viel Zeit, um Joas zu motivieren. „Ich hatte die Idee schon einmal, bin aber davor zurückgeschreckt, weil ich mich im vergangenen Sommer schwer an der Schulter verletzt habe“, sagt Joas. Der 21-Jährige laborierte nach einer missglückten Wende bis tief in den Herbst an einer muskulären Verletzung, die die Vorbereitung auf die 2020er Saison erheblich erschwert hatte. „Inzwischen ist alles wieder gut, und so habe ich die Sache gerne angegriffen“, ergänzt Joas.

„Team Jung“ bei der Premiere um (hinten, von links) Jonas Schneider, Vanessa und Selina Hoffmann, Marcus Joas, Xaver und Anton Käser, Andrea Borsutzki und Birgit Joas (vorne).
„Team Jung“ bei der Premiere um (hinten, von links) Jonas Schneider, Vanessa und Selina Hoffmann, Marcus Joas, Xaver und Anton Käser, Andrea Borsutzki und Birgit Joas (vorne).
Bild: Joas
Joas lud in der vereinsinternen Whatsapp-Gruppe ein – und neben den beiden Käsers fanden sich noch die Hoffmann-Schwestern Selina (16) und Vanessa (14) sowie Joas’ Kollegin Andrea Borsutzki. Mit der 30-Jährigen war der 21-Jährige nur wenige Tage vor der Umrundung beim Vollmondschwimmen im Chiemsee im Einsatz und erst eine Absage des folgenden Wettkampfs in Wien öffnete das Fenster für die Schnapsidee in seinem Heimrevier.

Entsprechend improvisiert lief auch die Vorbereitung ab. „Ich habe mir bei Google Maps eine Strecke vermessen und bin auf sieben Kilometer gekommen“, sagt Joas. „Dass es letztlich 8,3 Kilometer geworden sind, liegt daran, dass wir jeden Schlenker mitgenommen haben. Und deshalb haben mich die Kollegen danach auch mächtig aufs Korn genommen.“ Die Gruppe schwamm in zehn Metern Entfernung zum Ufer, Trainerin Birgit Joas und Jugendschwimmer Jonas Schneider begleiteten das Team auf dem Stand-up-Paddle. „Nach Trieblings raus haben wir einige Buchten mitgenommen, und das war wirklich hart – aber auch die Kleinen haben das sehr gut gemacht“, lobt Joas.

Joas und Co. schwimmen drei Stunden – ohne Neopren

Nach acht Stärkungspausen und genau drei Stunden Schwimmzeit erreichte die gesamte Delegation unbeschadet wieder Start und Ziel am Erlebnissteg in Bühl – wohlgemerkt ohne Neoprenanzug. Doch während die jüngeren Kollegen, „sagen wir es so, nach einem Mal keinen Bock mehr hatten“ (Joas), hatte der 21-Jährige noch nicht genug.

Der fünffache deutsche Meister der Masters in der Altersklasse (AK 20) hatte Blut geleckt. Doch auch die zweite Umrundung war gewissermaßen Schicksal: Der Urlaubsflug der Familie Joas wurde verschoben – also lockte Joas neun Tage später auch die ältere Riege des TVI. Mit dabei war diesmal auch sein zwei Jahre jüngerer Bruder Simon, sowie Tante Sigrid Leistner, die bei der Premiere beide im Urlaub gewesen waren.

Das zweite Umrundungsteam komplettierten Franziska Joas und Monika Weber. Nach „nur“ 2:45 Stunden und vier Verpflegungen erreichten die Routiniers das Ziel auch etwas zügiger. „Die Alten wussten, worauf sie sich eingelassen haben – und haben sich das Ganze besser eingeteilt“, erzählt Marcus Joas.

Joas: "Ab Kilometer sechs hat es reingehauen"

„Aber ab Kilometer sechs war es für alle Schwimmer knüppelschwer. Entweder war es hintenraus sehr wellig, oder der Wind ist rausgekommen und das hat natürlich reingehauen.“ Deshalb hatten sich die TVIler während der Corona-Zeit, als die meisten alleine in den Seen trainierten, auch Sicherheitsbojen besorgt, dank derer die Athleten zu jedem Zeitpunkt im Wasser gut erkennbar sind.

Für Marcus Joas ging es nach den Umrundungen mit der Familie in den Urlaub nach Griechenland, ehe zwei echte Glanzlichter im Wettkampfkalender anstehen. Der Sieger des Vollmondschwimmens im Chiemsee und von Wien startet Anfang September an der Seite seines Bruders Simon beim Abschluss der Langstreckenrennserie im Chiemsee über 4,5 Kilometer, ehe es nach Innsbruck an einen Freibad-Wettkampf gegen 200 Kontrahenten geht. Die Umrundung im Alpsee war mit Blick auf diese Wettbewerbe allemal ein Härtetest – und eine gelungene Abwechslung.