Trainer-Rücktritt in der 3. Volleyball-Liga

Aus für Coach Majova - So geht es bei den Sonthofer Volleys weiter

Allgaeu Strom Volleys vs. Dresdner SSV (3:1) in der Allgaeu Sporthalle in Sonthofen.    Hier Mueller Vanessa

Wohin geht die Reise? Die Allgäu-Strom Volleys Sonthofen stehen sportlich und personell vor großen Herausforderungen. Das junge Drittliga-Team um die erfahrene Vanessa Müller steht – ebenso wie die Landesliga-Mannschaft – nach dem Aus von Veronika Majova derzeit ohne Trainer da.

Bild: Dominik Berchtold

Wohin geht die Reise? Die Allgäu-Strom Volleys Sonthofen stehen sportlich und personell vor großen Herausforderungen. Das junge Drittliga-Team um die erfahrene Vanessa Müller steht – ebenso wie die Landesliga-Mannschaft – nach dem Aus von Veronika Majova derzeit ohne Trainer da.

Bild: Dominik Berchtold

Nach dem Rücktritt von Veronika Majova stehen beide Sonthofer Teams ohne Trainer da. Managerin Dillinger über düstere Aussichten und reizvolle Alternativen.
16.04.2021 | Stand: 19:09 Uhr

Unvermittelt kam der Schritt nicht – und doch zur Unzeit. Das Aus von Trainerin Veronika Majova trifft die Sonthofer Volleyballerinnen hart. Die 43-jährige Tschechin hatte zu Beginn der Woche verkündet, dass sie nach fast sechs Jahren künftig nicht mehr als Coach zur Verfügung stehen werde. Inmitten der Pandemie stehen die Allgäu-Strom Volleys Sonthofen damit neben der sportlich nach wie vor unsicheren Lage nun auch vor einer immensen personellen Herausforderung. „Das ist ein schwerer Schlag für uns und eine schwierige Situation für den Verein, weil Maja sehr engagiert war“, sagt Teammanagerin Franziska Dillinger. „Wir haben nach dem Neuanfang versucht, eine Einheit zu formen. Wir wollen all das auffangen, aber aktuell stehen wir mit leeren Händen da.“

Erfolgscoach Majova: Beeindruckende sechs Jahre in Sonthofen

Majova, die im August 2015 aus Vilsbiburg ins südliche Oberallgäu gewechselt war, leitete zuletzt die Geschicke der ersten Mannschaft in der 3. Liga, der „Reserve“, die in der Landesliga aufschlägt, und der A-Jugend. Die ehemalige Mittelblockerin war 2017 Mitglied des erfolgreichen Trainerteams unter Andreas Wilhelm, das die Volleys zur zweiten Zweiliga-Meisterschaft nach 2007 geführt hatte. Im Folgejahr dirigierte Majova das zweite Team des TSV Sonthofen als Aufsteiger furios zum Regionalliga-Meistertitel und übernahm im Anschluss, 2019, die erste Mannschaft als Cheftrainerin.

Doch spürbar zunehmende Verschleißerscheinungen und die Erfahrung im Lockdown, „dass es neben Volleyball andere Dinge im Leben gibt“, führten laut der Sportlichen Leiterin Veronika Kettenbach zur Entscheidung – die vorerst keine endgültige sein soll. „Dieser Schritt ist gereift in ihr, die tagein tagaus nur für Volleyball gelebt hat. Maja zu verlieren, tut richtig weh. Mit ihr geht unheimlich viel Kompetenz verloren“, ergänzt Kettenbach. „Ich hoffe, dass sie eines Tages das Feuer wiederfindet.“

Corona-Pandemie bremst Neustart in 3. Liga aus

Das schien der überaus ambitionierten und akribisch arbeitenden ehemaligen Profi-Spielerin nach inzwischen fast sechs Jahren als Alleinunterhalterin in der Kreisstadt abhandengekommen zu sein. „Wir hatten den Eindruck, dass die Luft bei ihr raus ist. Maja hatte es schon 2020 angekündigt, dass sie nach der kommenden Saison aufhören möchte“, sagt Dillinger. „Wir hatten zwar die Hoffnung, dass eine erfolgreiche Saison mit einem jungen Team nach dem Neuanfang auch ihr Schwung gibt.“

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Doch wie die Pandemie den gesamten Breitensport seit nunmehr über einem Jahr ausbremst, so wurde auch das „Projekt Neustart“ bei den Sonthofer Volleys jäh gestoppt. Nur zwei Spiele absolvierte die zum Großteil aus „eigenen Gesichtern“ neuzusammengewürfelte Mannschaft unter Veronika Majova in der Saison 2020/2021 – dann war Schluss. „Das war sicher auch für sie schwierig. Sie wollte eine Einheit formen, die Spielerinnen weiterbringen und musste das Ganze ohne Erfolgserlebnis beenden“, sagt Dillinger.

Veronika Majova wechselte im August 2015 aus Vilsbiburg nach Sonthofen - nun macht die 43-jährige Tschechin Schluss.
Veronika Majova wechselte im August 2015 aus Vilsbiburg nach Sonthofen - nun macht die 43-jährige Tschechin Schluss.
Bild: Dominik Berchtold

Und so stehen nun beide Mannschaften des hochrangigsten Allgäuer Volleyball-Clubs zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt ohne Trainer da. „Wir alle hätten uns diese Konstellation anders vorgestellt – es ist immer eine gute Ausgangslage, wenn man die Schlüsselposition des Trainers besetzt hat“, gesteht Dillinger. „Bisher haben wir noch keinen Plan, wie wir weitermachen.“

Auf dieser Reise ins Ungewisse soll bei der Trainersuche allem voran das Netzwerk von Kettenbach und Dillinger, das auf Erstliga- und Zweitliga-Erfahrung basiert, helfen. Die Club-Verantwortlichen haben bereits einen Aufruf auf der Verbandsseite des BVV gestartet und in den sozialen Medien die Fühler ausgestreckt – bisher ohne Erfolg. „Wir kennen zwar ein paar Leute aus der regionalen Szene. Aber wir können derzeit nicht mehr machen, als viel zu telefonieren“, sagt Dillinger. Dabei erschwert das lokale Problem die Suche nach einem neuen Coach – wie das schon zu Zweitliga-Zeiten bei Spielern der Fall war – enorm. „Weil die Mannschaft nicht mehr dreimal wöchentlich in München trainiert, ist es unwahrscheinlich, jemanden aus dem Raum zu finden, der es auf sich nimmt, so oft in der Woche nach Sonthofen zu fahren“, erklärt Dillinger.

Dillinger: "Wunschvorstellung - Kettenbach übernimmt"

Das gilt freilich nicht nur für das Team der 3. Liga – der gesamte Verein dürfte den Verlust der hochkompetenten Majova zu spüren bekommen. „Natürlich wünscht man sich, dass die Komponente Trainer immer schon steht – das erleichtert viel in der Planung und gibt Sicherheit für die kommende Saison – zumal unsere Situation für alle gewinnbringend war. Das haben wir nun nicht mehr“, sagt Kettenbach. Dabei könnte ausgerechnet die 29-jährige hochdekorierte Spielerin gerade angesichts der erwähnten Schwierigkeiten selbst eine Lösung sein. „Aktuell gehe ich davon aus, dass wir eine interne Alternative finden“, sagt Dillinger. „Eine Spielertrainerin, oder meine Wunschvorstellung: Vroni Kettenbach übernimmt das Team.“

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Sportgala in Sonthofen 2019

Die Zuspielerin, die im Herbst 2018 Sonthofen zwar für einen Ghana-Aufenthalt verlassen, „aber nie offiziell die Karriere beendet“ hatte, bitzelt es aber, in erster Linie wieder selbst zu spielen. „Spielertrainerin ist für mich tabu. Am liebsten möchte ich wieder Teil des Teams sein“, sagt Kettenbach. Was neben der Erfahrung und der Motivationsfähigkeit für sie spricht: Sie verfügt über einen B-Trainerschein, ist Co-Kadertrainierin für die Bayernauswahl. Allerdings entscheidet es sich erst im Frühsommer, wohin die berufliche Entwicklung Kettenbach verschlägt.

Etliche Unsicherheiten erschweren letzten Endes eine Planung, die vor allem die Mannschaft brauchen würde. Denn diese traf sich beim einzigen Heimspiel am 18. Oktober – vor unglaublichen 181 Tagen – letztmals gesammelt. „Wir hoffen, dass wir vielleicht Ende Mai endlich wieder auf den Sand können“, sagt Franziska Dillinger. „Die Mädels brauchen das. Einen Ball, die Mannschaft, das Miteinander.“ Und sie werden einen Trainer brauchen.