Kunst

Ausstellung in Sonthofen: In der bunten Welt des „Plastik-Gotts“

Art Sommerlicht

„Get the Balance Right“: Heißkleber-Gemälde von Karl G. o. P. Der Künstler aus München zeigt in der Sonthofer Galerie am Grünten eine Auswahl seiner Werke.

Bild: Günter Jansen

„Get the Balance Right“: Heißkleber-Gemälde von Karl G. o. P. Der Künstler aus München zeigt in der Sonthofer Galerie am Grünten eine Auswahl seiner Werke.

Bild: Günter Jansen

Karl G. o. P. gestaltet Bilder und Skulpturen mit Heißkleber. In der Galerie am Grünten in Sonthofen zeigt er seine verblüffenden Werke. Die Arbeiten sind nicht nur frech, sie sagen auch viel über die Gegenwart aus.
21.07.2020 | Stand: 06:30 Uhr

Die Tentakel schillern und schimmern in vielen Farben. So wie im tiefblauen Wasser. Doch diese Quallen sind Fiktion, sind ein Bild, eingefügt in einen kleinen kastenförmigen Rahmen, in dem stetig wechselnde Lichteffekte die Medusen lebendig wirken lassen wie in ihrer natürlichen Umgebung. In ihren Nesselfäden haben sich keine Beutetiere verfangen, sondern kleine Plastik-Teilchen.

Es sei eine Spielerei, erklärt der Künstler, der dieses Werk geschaffen hat und lächelt. Aber es ist eine Spielerei mit Hintersinn. Denn mehr und mehr vermüllt Plastik die Meere, schädigt die Tiere und das gesamte Ökosystem Ozean. Für Karl G. o. P. hat Plastik noch eine andere Bedeutung. Es ist das bevorzugte Material für seine Werke, wie eine Ausstellung in der Sonthofer Galerie am Grünten, Zainschmiedeweg 19, verdeutlicht.

Der Künstler aus München hat den Werkstoff denn auch zum Bestandteil seines Künstlernamens gemacht: G. o. P. steht für Godfather of Plastic. So augenzwinkernd provozierend wie dieser Beiname wirken auch einige der Werke, die Karl G. o. P. zeigt: etwa „Die blauen Reiter“. Wie eine Kopfgeburt wachsen sie als Plastikblume in die Höhe und bilden an ihrem Stängel eine kleine Plattform aus, auf der blaue wilde Spielzeug-Pferde wie Figuren in einem Karussell aufgereiht sind.

Die Vorstellungen von Kunst haben sich offenbar etwas verändert, seitdem die Gruppe „Der blaue Reiter“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts wirkte. Karl G. o. P. stellt in die Mitte des Ausstellungsraumes seine Figur „Ta Da“. Sie spannt zwischen ihren ausgebreiteten Armen einen Regenbogen auf, auf dem wie ein Banner „Proud to be different“ steht. Und diese bunte Verschiedenheit, die es auf der Welt gibt, spiegeln die Arbeiten von Karl G. o. P. wider. Sie schöpfen aus den Bereichen Werbung, Design, Dekor, Pop und kombinieren Ideen daraus mit allen möglichen Stilen: drastisch, frech, laut – und geistreich.

Der Satz „You are safe – Du bist sicher“ läuft gleichsam als endloses Spruchband über ein Reliefbild, das in der Mitte das Symbol von „Facebook“ aufscheinen lässt, einer Internetplattform, die mit den Daten ihrer Nutzer schwungvollen Handel betreibt. „Fake News“ heißt ein anderes Reliefbild, auf dem behauptet wird: „Die Wahrheit ist, dass die meisten der weiblichen Blumen lesbisch sind.“ Und wie zum Beweis, zeigt dieses Bild Narzissen mit kleinen weiblichen Gesichtern im Blütenkelch, die lächelnd auf ihre Bestäuberinnen, die Bienen, warten.

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In vielen Bildern trägt Karl G. o. P. Farbe als Heißkleber aus Pistolen auf. Das führt etwa in „Get the Balance Right“, einem Athleten an den Ringen, auf dessen horizontal ausgestreckten Füßen sich ein Vogel niedergelassen hat, dazu, dass die dick aufgetragene Farbe von der Figur heruntertropft, wie der Schweiß bei einem Turner. In „Party at Bob’s“ dagegen geben die nebeneinander aufgetragenen Farbfelder mit ihren klaren Grenzen dem Motiv seine Struktur: einer Gesellschaft, die sich auf einer Couch munter vergnügt.

Die Oberfläche der Farben glänzt dabei mitunter wie Emaille, etwa bei den blauen Augen der erstaunten Frau in „Astonished“. Ihr Gesicht setzt sich aus lauter kleinen Zeichen ähnlich archaischen Runen zusammen, von denen manche auch humorvoll Symbole für das Erstaunen bieten, etwa eine Waffel Eis oder einen Schmetterling.

Doch bei aller prallen Lebenslust, die diese Arbeiten feiern, bleibt der Tod ständig präsent: In unzähligen kleinen Nischen als wackelndes Skelett illuminiert, mahnt er in „Tiger-Bunny“, einem überlebensgroßen Häschenkopf mit Tigergesicht, an das unausweichliche Ende, das allen droht, ganz egal wie exzessiv sie auch das Leben genießen.

So setzt diese erste Ausstellung unter der Leitung von Christian Kürbis mit einem Mitglied aus seinem Künstlernetzwerk „Who You“ einen neuen Akzent in der Galerie am Grünten und der Oberallgäuer Kunstszene.

Öffnungszeiten: bis 27. September, montags bis mittwochs jeweils von 17 bis 20 Uhr.

Informationen im Internet