Werksschließung

Autozulieferer BMTS: In Blaichach stehen 135 Mitarbeiter vor dem Aus

Nach Voith Sonthofen soll das nächste Werk im südlichen Oberallgäu schließen: BMTS Technology mit 135 Mitarbeitern. Die vor gut zwei Jahren nach Hongkong verkaufte Firma für Abgasturbolader findet sich auf dem Bosch-Gelände in Blaichach. Bosch war bis März 2018 Miteigentümer.

Nach Voith Sonthofen soll das nächste Werk im südlichen Oberallgäu schließen: BMTS Technology mit 135 Mitarbeitern. Die vor gut zwei Jahren nach Hongkong verkaufte Firma für Abgasturbolader findet sich auf dem Bosch-Gelände in Blaichach. Bosch war bis März 2018 Miteigentümer.

Bild: Ulrich Weigel

Nach Voith Sonthofen soll das nächste Werk im südlichen Oberallgäu schließen: BMTS Technology mit 135 Mitarbeitern. Die vor gut zwei Jahren nach Hongkong verkaufte Firma für Abgasturbolader findet sich auf dem Bosch-Gelände in Blaichach. Bosch war bis März 2018 Miteigentümer.

Bild: Ulrich Weigel

Der Autozulieferer BMTS will sein Werk bis Ende 2021 schließen. IG Metall und Betriebsrat wollen mit der Geschäftsleitung über einen Sozialplan verhandeln.
02.06.2020 | Stand: 07:57 Uhr

Der monatelange Kampf um das Voith-Werk in Sonthofen ist verloren. Jetzt steht in Blaichach Ärger an: Die Firma BMTS Technology will diese Niederlassung bis Ende 2021 schließen. 135 Menschen sind dort beschäftigt, darunter sieben Leiharbeiter. Das Komponentenwerk fertigt Teile für Abgas-Turbolader, ist also Zulieferer für die Autoindustrie. Seit Bekanntwerden der Pläne gibt es offiziell wenig Neues. Mitarbeiter vor Ort beklagen einen schlechtem Informationsfluss. Hinter den Kulissen ist die IG Metall bereits tätig. Im Schulterschluss mit dem Betriebsrat suche man das Gespräch mit der Geschäftsleitung, sagt Carlos Gil.

Droht ein Streik wie bei Voith in Sonthofen?

Die Stoßrichtung der nächsten Zeit ist für Gil klar: Es gehe jetzt um einen Interessenausgleich für die Beschäftigten, einen Sozialplan. Man stehe aber noch ganz am Anfang. Ob die Situation wie bei Voith zu einem harten Arbeitskampf eskalieren wird? Das wäre die letzte Stufe der Auseinandersetzung, betont Gil. Man wolle ins Gespräch kommen und Lösungen finden. „Aber wenn man uns nicht hört, werden wir laut.“ Wie viele BMTS-Mitarbeiter in der Gewerkschaft sind, sagt er nicht. Nur das: Man sei ähnlich gut organisiert wie bei Voith.

>> Lesen Sie dazu: Streik beendet: IG Metall und Voith einigen sich auf Sozialtarifvertrag für Sonthofen <<

Auch BMTS will verhandeln. Ziel sei eine sozialverträgliche Gestaltung der Schließung. „Wir sind uns unserer Verantwortung und der mit der Werksschließung einhergehenden Belastung für unsere Mitarbeiter bewusst“, sagt Personalleiter Jörg Spath-Dreyer. Man wolle die notwendigen Maßnahmen in enger Abstimmung und nach eingehender Planung mit dem Betriebsrat durchführen.

BMTS-Werk Blaichach soll nach Serbien verlagert werden

Warum das Werk in Blaichach dichtmacht? BMTS will vorhandene Produktionskapazitäten sukzessive auf anderen Werke weltweit verlagern und sich stärker global ausrichten. Das Werk Blaichach solle nach Serbien verlagert werden, weil es da billiger sei, sagen Mitarbeiter. Dort, in Novi Sad, hatte BMTS 2019 ein neues Werk eröffnet – und zudem weitere Werke in Jinan (China) und Ramos Arizpe (Mexiko).

Man reagiere auf den gestiegenen Wettbewerbsdruck und die Veränderung der Absatzmärkte in der Automobilindustrie, heißt es bei dem Unternehmen. „Die Verlagerung ist ein Schritt für eine nachhaltige Unternehmensstruktur und Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit.“ BMTS Technology entwickelt und fertigt Abgas-Turbolader für Autos und leichte Nutzfahrzeuge. Sie sollen die Effizienz der Motoren erhöhen und die Emissionen verringern. Ein Produkt, das in reinen Elektroautos überflüssig ist. BMTS sieht sich seit zwei Jahren in einer „grundlegenden Transformation“ hin zu einem international etablierten Hersteller von Abgas-Turboladern.

Wer steht hinter dieser Firma, wo liegen ihre Wurzeln? Gegründet hatten sie die Autozulieferer Bosch und Mahle (beide Stuttgart) als „Bosch Mahle Turbo Systems GmbH & Co. KG“ anno 2008. Zehn Jahre später, im März 2018, verkauften sie das Gemeinschaftsunternehmen an den Finanzinvestor „FountainVest Partners“ mit Sitz in Hongkong. Dabei handelt es sich um einen „Private Equity Investor“, also um privates Beteiligungskapital. Damals hieß es in einer Presseerklärung der Bosch-Gruppe optimistisch: „Die Übernahme aller Einrichtungen, sowie die Beibehaltung des etablierten Markennamens BMTS und der deutschen DNA sorgen für Kontinuität und Wiedererkennung auch unter den neuen Eigentümerverhältnissen.“ Der Käufer wolle an die bisherigen Erfolge anknüpfen und BMTS Technology weiter ausbauen.

In Branchenkreisen wurde der Verkaufspreis seinerzeit auf 200 Millionen Euro geschätzt. Das soll angeblich deutlich weniger gewesen sein, als Bosch und Mahle zuvor selbst investiert hatten. Das Blaichacher Werk gehört zu BMTS in Stuttgart. Weitere Standorte gibt es laut Firmenwebsite in Österreich und Amerika.

Falsche Nummer

Für Außenstehende ist die Kontaktaufnahme zu BMTS derzeit alles andere als einfach. Auf der Internetseite steht für Blaichach eine Telefonnummer, die ins Bosch-Werk führt. Man könne nicht weitervermitteln, heißt es dort, und dass die Mitarbeiter der Nachbarfirma wohl nur Diensthandys hätten. Auch die Nummer des Standorts Stuttgart hilft nicht weiter: Bei Anruf-Versuchen ist sie in Zeiten von Kurzarbeit entweder gleich belegt oder führt nach ein paar Freizeichen direkt wieder in der Belegtschleife.