Oberallgäuer Kultursalon

„Bühne ist wie Klassenzimmer“: Kabarett mit Herrn Schröder zweimal im Oberallgäu

„Was nützt dir Bruchrechnen, wenn du mit deinen Mitschülern nicht auf einen Nenner kommst?“: Herr Schröder erzählt vom Schulleben.

„Was nützt dir Bruchrechnen, wenn du mit deinen Mitschülern nicht auf einen Nenner kommst?“: Herr Schröder erzählt vom Schulleben.

Bild: Matthias Becker

„Was nützt dir Bruchrechnen, wenn du mit deinen Mitschülern nicht auf einen Nenner kommst?“: Herr Schröder erzählt vom Schulleben.

Bild: Matthias Becker

„Herr Schröder“ kommt mit seiner „Instagrammatik“ zum Kultursalon nach Oberstaufen und Bad Hindelang. Dabei nimmt er nicht nur den Schulalltag auf die Schippe.
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Von Riccarda Gschwend
19.10.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Herr Schröder, der staatlich geprüfte Deutschlehrer, kommt mit seinem Comedy-Solo „Instagrammatik – Das streamende Klassenzimmer“ zum Kultursalon: am Mittwoch nach Oberstaufen und am Donnerstag nach Bad Hindelang. Mit dem mit etlichen Preisen ausgezeichneten Kabarettisten Johannes Schröder, der als Herr Schröder über den Schulalltag lästert, dem er mittlerweile den Rücken gekehrt hat, sprach Riccarda Gschwend.

Nach der coronabedingten Zwangspause sind Sie mit einem neuen Programm zurück auf der Bühne. Waren Sie in Lockdown-Zeiten irgendwie auch froh, den Lehrerberuf an den Nagel gehängt zu haben?

Herr Schröder: Nein, ich habe die Schüler vermisst, denn sie bringen einen jeden Tag zum Lachen. Die Ehrlichkeit der Jugendlichen war immer das Beste. Einmal lag eine Karte auf meinem Pult. „Gute Besserung“ stand drauf und jeder aus der Klasse hat bunt unterschrieben. Ich war gerührt, aber auch etwas verwundert, denn ich war gar nicht krank … dann meinte ein Schüler: Wir wissen, dass Sie nicht krank waren, aber wir wünschen uns einfach, dass Ihr Unterricht besser wird!

Im neuen Programm „Instagrammatik“ geht es um die Digitalisierung des Unterrichts, die ja auch durch Corona vorangetrieben wurde. Sind Sie ein Fan von digitalen Unterrichtsformen? Oder schätzen Sie auch die gute alte Tafel?

Herr Schröder: Wir Lehrer stellen zur Zeit schmerzlich fest: Die Schüler haben das Wissen in der Hosentasche. Allein für etwas so Trockenes wie die adverbialen Bestimmungen gibt es auf YouTube hunderte Erklär-Videos. Für jedes noch so kleine Problem in Mathematik findest du Hilfe in knackiger Sprache: Der Dreisatz in zwei Sätzen. Aber: Nichts ersetzt die tatsächliche, reale, analoge Begegnung im Klassenzimmer. Was nützt dir der Satz des Pythagoras, wenn niemand mit dir spricht? Was nützt dir Bruchrechnung, wenn du mit deinen Mitschülern nicht auf einen Nenner kommst? Digitale Kompetenzen sind wichtig, aber wir können unsere Kinder nicht mit einem Link erziehen. Es gibt keinen QR-Code für Wertschätzung.

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Würden Sie sagen, es gibt Parallelen zwischen dem Lehrerberuf und dem des Comedians? Humor braucht man in beiden Fällen, oder?

Herr Schröder: Bühne ist wie Klassenzimmer und umgekehrt. Theater hier, Theater da. Publikum und Schulklasse verhalten sich auch sehr ähnlich. Du hast die hochbegabte, mitteilungsbedürftige erste Reihe, die Candy-Crush-Rekordhalter in der Mitte und in der letzten Reihe findest du die coolen Leute, kippelnd, mit Shisha und Bluetooth-Box. Wenn es mal sehr langweilig war, haben die Schüler in der letzten Reihe gegrillt. Und klar: Humor hilft in jeder Situation.

Worauf muss/darf sich das Publikum beim Kultursalon einstellen? Den Rohrstock lassen Sie hoffentlich zu Hause? Gibt es vielleicht sogar Fleißbildchen fürs Klatschen? Oder ist das alte Belohnungs- und Bestrafungssystem out?

Herr Schröder: Hahaha, ja es gibt Fleißkärtchen für gute Mitarbeit. Was mich immer riesig freut, ist, dass ich von Schülern bis zu pensionierten Lehrerinnen und Lehrern wirklich alle Generationen in meinem Publikum habe. Und wir alle reden miteinander. Den Älteren wird erklärt, was ein Tik-Tok-Reel ist und den Jüngeren, wie man auch ohne Navi ans Ziel kommt. Wir stehen ja an einer digitalen Zeitenwende. „Instagrammatik“ ist quasi die Verschmelzung von alter und neuer Welt. Und wenn alle gut mitmachen, dann mache ich auch mal fünf Minuten früher Schluss.

Kultursalon: Herr Schröder tritt mit seinem Programm „Instagrammatik“ zweimal beim Kultursalon auf: am Mittwoch, 20. Oktober, um 20 Uhr in der Nagelfluhlounge im Kurhaus Oberstaufen und am Donnerstag, 21. Oktober, um 20 Uhr im Bad Hindelanger Hotel Prinz-Luitpold-Bad.

Kartenreservierung: Brainstorm Music Marketing AG, Bad Hindelang, Telefon 08324/5139991.

Was der Kultursalon in Bad Hindelang und Oberstaufen bietet.

Der Kabarettist Johannes Schröder alias Herr Schröder.

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