Nach der ausgefallenen Ski-Saison

Bürger kämpfen für Erhalt des Skilifts Thaler Höhe in Missen-Wilhams

Skilift Thaler Höhe Missen

Die Genossenschaft Thaler Höhe setzt sich weiter für den Erhalt des Schlepplifts in Missen-Wilhams ein. Aron Holterman ten Hove (links) hat den Posten des Vorstands an Michael Elfert (rechts) übergeben.

Bild: Benjamin Liss

Die Genossenschaft Thaler Höhe setzt sich weiter für den Erhalt des Schlepplifts in Missen-Wilhams ein. Aron Holterman ten Hove (links) hat den Posten des Vorstands an Michael Elfert (rechts) übergeben.

Bild: Benjamin Liss

Der Ausfall der Pistensaison hat die Betreiber des Skilifts Thaler Höhe in Missen-Wilhams auf eine harte Probe gestellt. Was der neue Vorstand jetzt plant.
16.04.2021 | Stand: 10:38 Uhr

Michael Elfert hat eine klare Motivation: „Ich will und kann mir diesen wunderschönen Ort Missen-Wilhams nicht ohne Skilift vorstellen.“ Deswegen hat er seinen Hut in den Ring geworfen, als die Genossenschaft „Thaler Höhe“ einen neuen Vorstand suchte. Seit Ende März steht das Mitglied des Aufsichtsrats als Nachfolger von Aron Holterman ten Hove fest. Obwohl es dem Skilift nach der ausgefallenen Saison „nicht besonders gut“ geht, stellt sich der 54-jährige Familienvater aus Wilhams der Herausforderung.

Im Jahr zuvor sei der Winter wegen Schneemangels eher schwierig gewesen. „Mit diesem Winter hatten wir uns eine satte Saison erhofft“, sagt Elfert. In den Monaten von Oktober bis Dezember seien die Vorbereitungen angelaufen, erzählt Vorgänger Holterman ten Hove. Schneezäune wurden aufgebaut, Pisten vorbereitet, Mitarbeiter geschult. Doch die Corona-Bestimmungen machten alle Hoffnungen zunichte. „Wir hatten weder am Skilift noch in der Gastronomie Umsätze“, erzählt Elfert.

Diese Kosten hat der Skilift in Missen-Wilhams trotz Ausfall der Saison tragen müssen

Allein die Vorbereitung der vier Liftanlagen kostete circa 5000 bis 6000 Euro. Die Ski- und Snowboardfahrer blieben dann aber aus. Zur Erstattung des ausgefallenen Umsatzes habe die Genossenschaft die Dezember-Hilfe beantragt, sagt Elfert. Für November bestünde kein Anspruch auf staatliche Hilfe, da in diesem Monat regulär kein Umsatz gemacht werde. Obwohl die Saison ausfiel, hat die Genossenschaft laut Elfert trotzdem geringe Fixkosten gehabt. Dazu zählen Pacht, Strom, Wasser und Telefon.

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Den Skifahrern hat der Schlepplift gefehlt. „Ich habe gesehen, wie die Kinder gelitten haben, weil gar nichts lief“, sagt Elfert. Vergangenes Wochenende sei der Lift abgebaut und sommerfest gemacht worden. Die Saison ist damit endgültig beendet. Die Genossenschaft sei im Moment zwar leicht im Minus, aber es sei keine kritische Situation, sagt Elfert. Das liegt vor allem an den neu verkauften Anteilen (siehe unten). 20 seien es an der Zahl, je zu 1000 Euro.

Das sind die Pläne des neuen Vorstands für den Skilift

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Wie soll es jetzt weitergehen? „Bis Jahresende möchte ich 35 weitere Anteile gewinnen“, sagt der 54-Jährige, der hauptberuflich als Bilanzbuchhalter arbeitet. Dass die Genossenschaft dies auch schaffe, da sei er ganz optimistisch. „Die Bereitschaft aus der Bevölkerung ist da“, sagt auch Holterman ten Hove. Der ausgeschiedene Vorstand will mit seinen Anteilen weiter Mitglied der Genossenschaft bleiben, sich aber nun vorrangig um sein Projekt der „Allgäuer Baumchalets“ kümmern. Sein Nachfolger Elfert plant über die Genossen und die Skischulen zu werben und nach dem Ende des Corona-Lockdowns eine PR-Aktion starten. Die Anteile dienten vor allem dazu, die nötigen Investitionen des Skilifts zu finanzieren.

Das nächste große Projekt der Genossenschaft „Thaler Höhe“ sei das Anlegen eines Beschneiungsteiches. „Das laufende Geschäft soll sich aber vom Umsatz decken“, sagt Elfert. Außerdem ist eine weitere Änderung an dem traditionsreichen Lift geplant: Das Stüble soll künftig auch im Sommer und Spätherbst für Wanderer geöffnet werden.

(Lesen Sie auch das Interview mit Rudi Holzberger, dem Skiliftbetreiber, der gegen das Verbot klagte)

Weitere Informationen zum Skilift Thaler Höhe in Missen-Wilhams:

Der Skilift Thaler Höhe in Missen wird von der Genossenschaft „Thaler Höhe“ betrieben.

  • Gründung: Den Lift gibt es seit 1967. Im Jahr 2018 stand der Lift kurz vor dem Aus, als der damalige Betreiber keinen Nachfolger fand. Daraufhin gründeten 33 Bürger die Genossenschaft, um den Lift zu erhalten.
  • Finanzierung: Jedes Mitglied kauft mindestens einen Anteil für 1000 Euro und erhält im Gegenzug eine Gewinndividende von zehn Prozent und jährlich fünf Tageskarten im Wert von 20 Euro.
  • Anteile: Die Genossenschaft bietet insgesamt 444 Anteile an. Davon sind 342 bereits an über 200 Genossen verkauft. Weitere 102 Anteile sind noch verfügbar.