Klassik-CD mit Allgäuer Musiker

Bad Hindelanger Geiger leistet Pionierarbeit für den Märchenopern-Meister

Thomas Probst 2

Neuen Facetten eines Spätromantikers auf der Spur: Geiger Thomas Probst, der in Bad Hindelang zu Hause ist, bei der Einspielung der CD mit Musik von Engelbert Humperdinck.

Bild: Udo Tanske

Neuen Facetten eines Spätromantikers auf der Spur: Geiger Thomas Probst, der in Bad Hindelang zu Hause ist, bei der Einspielung der CD mit Musik von Engelbert Humperdinck.

Bild: Udo Tanske

Der Geiger Thomas Probst aus Bad Hindelang hat Kammermusik und Lieder des Komponisten Engelbert Humperdinck eingerichtet und mit Kollegen auf CD eingespielt.
25.09.2021 | Stand: 19:00 Uhr

Manchmal ist Erfolg nicht nur Segen, sondern auch Fluch. Das belegt die Musikgeschichte. Manche Komponisten werden nur mit einem besonders erfolgreichen Werk verknüpft. Alles andere bleibt im Dunkel. So kennen viele Engelbert Humperdinck als Schöpfer der Märchenoper „Hänsel und Gretel“. Doch was der vor 100 Jahren verstorbene Spätromantiker sonst schuf, fristet eher ein Schattendasein im Konzertrepertoire. Einige Schätze aus dem Nachlass rückt jetzt ein Mann ins Rampenlicht, der in Bad Hindelang zu Hause ist: der Geiger Thomas Probst.

Zum 100. Todestag

Er hat mit Kollegen eine CD eingespielt, die Kammermusik und Lieder von Engelbert Humperdinck (1854 - 1921) enthält. Und er gestaltet auch mit einer Pianistin ein Gedenkkonzert, das anlässlich des 100. Todestages im mecklenburgischen Neustrelitz, dem Sterbeort des Komponisten, stattfindet. Denn Thomas Probst ist stellvertretender Stimmführer der Zweiten Violinen in der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin. Dabei erklingt die zweisätzige Violinsonate, um 1874 entstanden. Thomas Probst hat dieses kammermusikalische Kleinod für die CD erstaufgeführt, wie er erzählt. Auch sonst hat er für den Tonträger immer wieder Pionierarbeit geleistet.

Im Nachlass gestöbert

Er hat im Nachlass von Engelbert Humperdinck, der in der Universitätsbibliothek in Frankfurt am Main verwahrt wird, gestöbert und ist auf interessante Lieder gestoßen, zum Teil in Kammermusik-Besetzung, zum Teil in einer Notierung, die eine solche Besetzung nahelegt. So schuf Thomas Probst nach der Handschrift eigene Bearbeitungen, die – wie er betont – vermutlich ganz der Absicht des rheinländischen Komponisten entsprechen. Der international tätige Bariton Nikolay Borchev hat sie eingesungen – wie etwa „Die Wasserrose“. Die Vertonung eines Gedichtes von Josef Giehrl erzählt nach einem Schicksalsschlag von einem neuen Mut zum Leben und zum Lieben. Thomas Probst hat die Klavierbegleitung dabei stellenweise zum Streichquartettsatz geweitet.

Eine Gabe für schöne Melodien

Für Thomas Probst belegen diese auf CD eingespielten Werke Engelbert Humperdincks Gabe, schöne, eingängige Melodien zu finden, die freilich immer kunstvoll verarbeitet werden. Das zeichnet schon die Oper „Hänsel und Gretel“ aus. Thomas Probst lernte sie bereits als Kind kennen. Sein Vater war Geiger im Münchner Staatsorchester, dem Klangkörper der Bayerischen Staatsoper in München. Und alljährlich zur Weihnachtszeit durften die Kinder der Orchestermusiker die Oper aus dem Graben mitverfolgen. Das prägte den Jungen. Mit drei habe er angefangen, Geige zu spielen, erinnert sich Thomas Probst. Nur so habe man ihn als Kind ruhig stellen können. Er habe sich auch später nichts anderes vorstellen können, als Musiker zu werden. Sein Traum ging in Erfüllung. Als an der Münchner Staatsoper Engelbert Humperdincks gewichtige Oper „Königskinder“ 2005 auf den Spielplan gesetzt wurde, saß Thomas Probst nun selbst als Geiger im Orchestergraben.

In Bad Hindelang zu Hause

Schon als sein Vater an der Münchner Staatsoper spielte, habe die Familie sich immer in Bad Hindelang, dem Herkunftsort der Mutter, zu Hause gefühlt, erzählt Thomas Probst. Man habe dort die Wochenenden und die Ferien verbracht. Daran habe sich für ihn nichts geändert. Noch immer vermittle ihm Bad Hindelang das Gefühl, dort zu Hause zu sein. So oft er könne, fahre er dorthin, auch wenn er mittlerweile fast 1000 Kilometer davon entfernt arbeite. Sein Auto trage ein OA-Kennzeichnen. 2017 begründete er zudem die Sommernachtskonzerte im Ostrachtal, die zunächst auf dem Gailenberg und heuer erstmals – wegen der Corona-Pandemie – vor dem Kurhaus in Bad Hindelang stattfanden.

Reizvolle Kammermusik und Lieder

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Die CD „Mehr als ein Mythos - Kammermusik und Lieder von Engelbert Humperdinck“ enthält neben der Violinsonate unter anderem auch einen Quartettsatz in e-Moll, ein Notturno für Violine und Streichquartett sowie eine Bearbeitung des Vorspiels von Richard Wagners Oper „Tristan und Isolde“ für eine Kammermusikbesetzung. Alle sind von besonderem Reiz, auch wenn Humperdinck, später Assistent von Richard Wagner bei der Uraufführung des „Parsifal“, dem Tristan-Vorspiel in seiner Version einen wenig einfühlsamen Konzertschluss anfügt. Das Original endet offen. Die Lieder zeigen Humperdincks Entwicklung zum einfühlsamen Melodiker in beispielhafter Weise.

Die CD "Mehr als ein Mythos - Kammermusik und Lieder von Engelbert Humperdinck" ist bei Hänssler Classics erschienen.

Kostproben von der CD sind auf dem Youtube-Kanal "probstviolin" zu finden:

Engelbert Humperdinck: "Altdeutsches Minnelied".

Engelbert Humperdinck: "Die Wasserrose".

Engelbert Humperdinck: "Albumblatt für Violine und Klavier".

Die Biografie des Geigers Thomas Probst.

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