Verabschiedung

Barbara Holzmann, Instanz in Sachen Sozialpsychiatrie, geht

Barbara Holzmann

Barbara Holzmann (rechts) wurde nach drei Jahrzehnten im Sozialpsychiatrischen Dienst der Diakonie Allgäu von ihrem Team im Sozialpsychiatrischen Zentrum in Immenstadt verabschiedet. Links im Bild ihr Nachfolger Martin Rüster.

Bild: moriprint

Barbara Holzmann (rechts) wurde nach drei Jahrzehnten im Sozialpsychiatrischen Dienst der Diakonie Allgäu von ihrem Team im Sozialpsychiatrischen Zentrum in Immenstadt verabschiedet. Links im Bild ihr Nachfolger Martin Rüster.

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Mit „freundlicher Penetranz“ hat sich die Immenstädterin im Beruf drei Jahrzehnte lang für Menschen mit Psychiatrieerfahrungen eingesetzt.
21.06.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Sie ist bekannt für ihre „freundliche Penetranz“, wie sie selbst sagt. Die sie aber nicht für persönliche Vorteile sondern zugunsten von Menschen mit Psychiatrieerfahrungen einsetzte. Barbara Holzmann wurde jetzt nach drei Jahrzehnten erfolgreichen Wirkens im Sozialpsychiatrischen Dienst der Diakonie Allgäu von ihrem Team im Sozialpsychiatrischen Zentrum in Immenstadt verabschiedet.

Ihr Engagement als Bezirksrätin der Grünen und stellvertretende Bezirkstagspräsidentin im Schwäbischen Bezirkstag und ihre Arbeit als Stadträtin in Immenstadt setzt die 62-Jährige fort. Dort wird sie ihr sozialpsychiatrisches Fachwissen verbunden mit viel Herzblut sicher weiter einsetzen. Aber sie will künftig mehr Zeit für ihre Familie haben. Das sei ein Grund, weshalb sie ihre berufliche Tätigkeit beendete.

„Das war meine Stelle“

Dabei blickt Holzmann äußerst zufrieden auf ihren Beruf zurück: „Die Arbeit im sozialpsychiatrischen Dienst, das war von Anfang an im Allgäu meine Stelle.“ Zunächst in Ingolstadt in der psychiatrischen Klinik am Klinikum beschäftigt, kam Holzmann 1990 ins Allgäu und war hier bei der Diakonie in der Beratung von Menschen mit einer psychischen Erkrankung tätig. Zuerst in Kempten und ab 1993 begann sie mit sieben Außensprechstunden den Sozialpsychiatrischen Dienst (SpDi) aufzubauen – damals noch in Sonthofen.

In Trägerschaft der Diakonie Kempten wuchs der Dienst im Laufe der Jahre zum Sozialpsychiatrischen Zentrum Oberallgäu heran. Dort erfahren Menschen mit psychischer Erkrankung durch verschiedene Angebote vielfältige Unterstützung. Das Zentrum ist inzwischen in Immenstadt, in der Sonthofener Straße 17, beheimatet.

Als Leiterin entwickelte Holzmann den SpDi über die Jahre weiter. „Dein Anliegen war stets, dass Menschen, insbesondere auch bei schwerer psychischer Erkrankung, in ihrem angestammten Lebensumfeld bleiben und ihre Eigenständigkeit bewahren können“, sagte ihr Nachfolger Martin Rüster in seiner Laudatio. Dafür habe Holzmann viele Netzwerke vor Ort und überregional gebildet. „Wir werden deine Tatkraft, deine Fachlichkeit und dich als Person vermissen.“ Dabei geht sie mit einem großen persönlichen Erfolg, für den Holzmann mehr als 20 Jahren kämpfte: In diesem Jahre wurde der mobile Krisendienst als Ergänzung der bestehenden psychiatrischen Einrichtungen in ganz Bayern gestartet.

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Für ihr Engagement um die Sozialpsychiatrie erhielt Holzmann vom Bezirk 2013 die Kommunale Verdienstmedaille in Bronze und von der Bundesrepublik Deutschland 2016 das Bundesverdienstkreuz.

Ins Hausaufgabenheft

Bei der Verabschiedung im Team stellte die 62-Jährige die Teamarbeit in der Einrichtung in den Mittelpunkt. Der „Zusammenhalt, das Miteinander und Füreinander-Dasein“ sei schon außergewöhnlich. Aber Barbara Holzmann wäre nicht Barbara Holzmann, wenn sie ihren Kollegen und der Diakonie nicht auch noch einige Aufgaben ins Hausaufgabenheft geschrieben hätte: „Die ambulante medizinische psychiatrische Versorgung im südlichen Landkreis ist unzureichend. Da waren wir schon mal weiter.“ Auch die Gerontopsychiatrie brauche Aufmerksamkeit – es sei dabei wichtig, die Autonomie von Menschen mit psychischer Erkrankung im Alter zu bewahren. Dafür benötige es fachliche Beratung und tagesstrukturierende Kontaktangebote.

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