Kulturgemeinschaft Oberallgäu

Barockspezialisten brillieren mit humorvoller Musik in Bad Hindelang

Spielen im Stehen: Die Violinengruppe des Barockorchesters der Stuttgarter Philharmoniker beim Konzert im Bad Hindelanger Kurhaus.

Spielen im Stehen: Die Violinengruppe des Barockorchesters der Stuttgarter Philharmoniker beim Konzert im Bad Hindelanger Kurhaus.

Bild: Benjamin Liss

Spielen im Stehen: Die Violinengruppe des Barockorchesters der Stuttgarter Philharmoniker beim Konzert im Bad Hindelanger Kurhaus.

Bild: Benjamin Liss

Das Barockorchester der Stuttgarter Philharmoniker entfesselt in Bad Hindelang die illustrative Kraft fantasievoller Werke von Telemann und Vivaldi.
18.05.2022 | Stand: 17:00 Uhr

Frösche können es wahrscheinlich bestätigen. Auch Quaken will gelernt sein. Der deutsche Barockkomponist Georg Philipp Telemann hat sich jedenfalls alle nur erdenkliche Mühe gegeben, um aus dem ersten Satz seines Violinkonzertes in A-Dur, TWV 51:A4, ein veritables „Froschkonzert im nahen Teich“ zu machen. Und das kommt bei den Besuchern dieses 48. Konzertes der Kulturgemeinschaft Oberallgäu bestens an.

Ausweichort Bad Hindelang

Da der traditionelle Veranstaltungsort, die Immenstädter Hofgarten-Stadthalle, wegen Asbestgefahr geschlossen ist, findet es im Bad Hindelanger Kurhaus statt. Und dort hat auf der Bühne auch kein großes Sinfonieorchester Platz genommen, wie sonst bei diesen Konzerten üblich, sondern das Barockorchester der Stuttgarter Philharmoniker.

Eine kleine Anzahl von Spezialisten

Es besteht aus einer kleinen Anzahl von Spezialisten, die auf eine historisch informierte Aufführungspraxis setzen und – wenn nicht Originale, so zumindest – Nachbauten von Barockinstrumenten verwenden. Und diese Experten wissen natürlich ganz genau, wie sie die bildgewaltige und fantasievolle Musik eines Georg Philipp Telemann zum Klingen bringen müssen.

Gekonnter Vorquaker

Das gilt nicht nur für das Konzert „Die Relinge“, in dem Geigensolist Wolfgang Herrmann zunächst gekonnt vorquaken darf, bevor ihm die anderen Geigerinnen munter folgen, sondern das gilt auch für die anderen beiden Kompositionen, die dieses Programm beschließen: das Konzert für vier Violinen solo in G-Dur, TWV 40:201, und die Burleske über Don Quijote, die als kleine Suite dem Ritter von der traurigen Gestalt ein pointiertes musikalisches Denkmal setzt. Es lässt ihn in grotesker Klangmalerei in seine verstiegenen Abenteuer ziehen, im Kampf gegen vermeintliche Riesen, die sich als Windmühlen erweisen, kläglich scheitern, und entlässt ihn dennoch in der Illusion, zumindest in seinem Träumen weiter als Held gebraucht zu werden.

Hilfreiche Moderation

Der Humor dieses zweiten Konzertteils teilt sich nicht nur durch die plastisch dargebotenen Stücke mit, sondern auch durch die hilfreichen Zwischentexte. Eine Moderation führt zwar auch durch den ersten Programmteil, doch der gestaltet sich wesentlich traditioneller.

Tiefgründiges fürs Cello

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Das liegt zum einen an den Kompositionen von Antonio Vivaldi, die zwar durchaus fantasievoll traditionelle Formen ausgestalten, aber doch letztendlich in ihnen verhaftet bleiben. Zudem sind die Inhalte dort weitaus ernsteren Charakters. Und die Musiker widmen sich mit sieben umfangreicheren Kompositionen diesem venezianischen Meister auch noch besonders intensiv. Mehrsätzige Ouvertüren zu seinen Opern wechseln sich mit mehrsätzigen Solokonzerten ab, von denen das tiefgründigste das Cellokonzert in a-Moll, RV 419, ist.

In dessen Zentrum, einem Andante, entwickelt Solistin Krassimira Krasteva einen ebenso elegischen wie eleganten Gesang, der lediglich von einer Bassgruppe begleitet wird.

Viele Solisten

Sie erntet reichen Applaus, ebenso wie die anderen Solisten des Abends: Flötistin Caroline Hens, die – zusammen mit dem Orchester – im Flötenkonzert in F-Dur, RV 433, den „Meeressturm“ in vielen fein gezeichneten und vielen temperamentvollen Facetten beschwört, und Fagottist Christoph Baumbusch, der dem Concerto in d-Moll, RV 481, zarte Farben abgewinnt. In Telemanns Geigen-Quartett sorgen Sung-Hsin Helbig, Maria Halder-Kohn, Izumi Rebke und Anne Roser für eine mitreißende Wirkung.

Was die Kulturgemeinschaft Oberallgäu alles bietet.

Das Barockorchester der Stuttgarter Philharmoniker.

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