Gerichtsprozess in Sonthofen

Beamte wollen Führerschein abnehmen - Mann greift nach Dienstwaffe

Nachdem ein Mann betrunken Polizisten angegriffen hatte, musste er sich nun vor dem Amtsgericht Sonthofen verantworten.

Nachdem ein Mann betrunken Polizisten angegriffen hatte, musste er sich nun vor dem Amtsgericht Sonthofen verantworten.

Bild: Symbolfoto/Martina Diemand

Nachdem ein Mann betrunken Polizisten angegriffen hatte, musste er sich nun vor dem Amtsgericht Sonthofen verantworten.

Bild: Symbolfoto/Martina Diemand

Ein 38-Jähriger fährt mit über drei Promille Auto und leistet Widerstand gegen Polizeibeamte. Er wird zu fünf Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt.
18.12.2020 | Stand: 05:30 Uhr

Die Szene hätte auch in einem Fernsehkrimi spielen können. Nachdem zwei Polizisten einem betrunkenen 38-Jährigen in dessen Wohnung in Sonthofen den Führerschein abnehmen wollten, umfasste der Mann mit seiner Hand die Dienstpistole eines der beiden Beamten und ließ sie nicht mehr los. Daraufhin schlug der Polizist die Hand des Angeklagten weg, um diese von der Waffe zu lösen.

Das ahndete Richterin Brigitte Gramatte-Dresse vor dem Amtsgericht Sonthofen als tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte. Da der Angeklagte vor dem Eintreffen der Polizisten mit 3,14 Promille Alkohol im Blut mit seinem Pkw unterwegs gewesen war, wurde er auch noch für fahrlässige Trunkenheit im Straßenverkehr verurteilt. Die Strafe für beide Vergehen lautete fünf Monate Gefängnis auf Bewährung. Ferner muss er 2000 Euro an den Kinderschutzbund in Immenstadt zahlen.

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Kunde verständigt Polizei und meldet Autokennzeichen

Laut Staatsanwältin fuhr der Angeklagte im Mai dieses Jahres gegen 20.45 Uhr von seiner Wohnung zu einer Tankstelle im Sonthofer Stadtgebiet und kaufte dort einen Kasten Bier. Ein Kunde, der sich zur gleichen Zeit an der Tankstelle aufhielt, bemerkte, dass der Bierkäufer bereits betrunken war und trotzdem mit seinem Auto davonfuhr. Daraufhin verständigte der Kunde die Polizei und gab das Kennzeichen des alkoholisierten Tankstellenbesuchers durch.

Als die Beamten dessen Wohnung ausfindig gemacht hatten und der Angeklagte öffnete, fanden sie ihn zusammen mit einem ebenfalls betrunkenen Freund vor. Die Polizisten veranlassten eine Blutprobe, die später eine Blutalkoholkonzentration von 3,14 Promille ergab, und verlangten den Führerschein des Angeklagten.

Angeklagter: "Was ich getan habe, tut mir leid"

Dieser gab das Dokument in einem unbeobachteten Moment an seinen Freund, der es in der Küche der Wohnung verstecken wollte. Doch einer der beiden Polizisten beobachtete den Wechsel des Dokuments und ging in die Küche, um dieses zu suchen. Der Angeklagte folgte dem Polizeibeamten und fasste an dessen Waffe. Erst nach einem Schlag des Polizisten auf das Handgelenk des Angeklagten ließ dieser die Waffe los. Anschließend wurde der 38-Jährige gefesselt zur Dienstelle gebracht. Dort behauptete er, dass er die Waffe gar nicht brauche, da er selber eine besitze. Daraufhin fuhren die Beamten zusammen mit weiteren Kollegen zurück zur Wohnung des Angeklagten, fanden jedoch keine Waffe. „Was ich getan habe, tut mir leid“, meinte der Angeklagte.

Richterin Gramatte-Dresse verurteilte den 38-Jährigen zu fünf Monaten Gefängnis mit einer dreijährigen Bewährung. Ferner wird der Führerschein des Angeklagten für weitere fünf Monate und damit für insgesamt ein Jahr einbehalten.

Keiner hat gewusst, was hätte passieren können

Die Freiheitsstrafe auf Bewährung begründete die Richterin unter anderem damit, dass der Angeklagte Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte geleistet hatte. Keiner habe gewusst, „was nach dem Griff an die Dienstpistole eines der beiden Polizisten hätte passieren können. Es wäre ja möglich gewesen, dass sie die Waffe benutzt hätten“, sagte Gramatte-Dresse. Ferner sei der 38-Jährige im Vollrausch Auto gefahren, hätte sich und andere verletzen können.

Der Angeklagte ließ wissen, dass er nach der Tat eine Alkoholentgiftung im Sonthofer Krankenhaus gemacht habe. „Holen Sie sich Rat beim Fachdienst für Suchtkrankheiten der Caritas. Es wäre super, wenn Sie dort vorbeischauen würden. Wenn sie keine Alkoholabstinenz nachweisen können, werden Sie nie mehr einen Führerschein erhalten“, riet die Richterin dem 38-Jährigen.

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