Oberallgäu und Kempten

Behörden proben in der Corona-Pandemie das Zusammenspiel

„Es ist in der Krise wichtig, Köpfe zu kennen. Da kommt es auf ein gutes
Miteinander und schnelles Reagieren an“, sagte Dr. Ludwig Walters, Leiter des Gesundheitsamts Kempten und Oberallgäu. Beim Empfang "Helfende Hände" waren Vertreter von Behörden und Organisationen eingeladen. Kemptens OB Thomas Kiechle und die OberallgäuerLandrätin Indra Baier-Müller hoben die gute Zusammenarbeit hervor.

„Es ist in der Krise wichtig, Köpfe zu kennen. Da kommt es auf ein gutes Miteinander und schnelles Reagieren an“, sagte Dr. Ludwig Walters, Leiter des Gesundheitsamts Kempten und Oberallgäu. Beim Empfang "Helfende Hände" waren Vertreter von Behörden und Organisationen eingeladen. Kemptens OB Thomas Kiechle und die OberallgäuerLandrätin Indra Baier-Müller hoben die gute Zusammenarbeit hervor.

Bild: Silvia Reich-recla

„Es ist in der Krise wichtig, Köpfe zu kennen. Da kommt es auf ein gutes Miteinander und schnelles Reagieren an“, sagte Dr. Ludwig Walters, Leiter des Gesundheitsamts Kempten und Oberallgäu. Beim Empfang "Helfende Hände" waren Vertreter von Behörden und Organisationen eingeladen. Kemptens OB Thomas Kiechle und die OberallgäuerLandrätin Indra Baier-Müller hoben die gute Zusammenarbeit hervor.

Bild: Silvia Reich-recla

Landrätin spricht von „funktionierenden Netzwerken“ in der Krise. Vom größten Einsatz der Bundeswehr ist auch die Rede und es geht ums „Skypen“ im Gefängnis.
17.07.2021 | Stand: 11:30 Uhr

Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei. „Das ist das Einzige, was wir sicher wissen“, sagte Landrätin Indra Baier-Müller bei einer Feierstunde im Landratsamt Sonthofen. Dort waren unter dem Motto „Helfende Hände“ Vertreter von Behörden und Organisationen eingeladen, die dem Landratsamt und der Stadt Kempten – vor allem dem gemeinsamen Gesundheitsamt – während der vergangenen 16 Pandemie-Monate unter die Arme gegriffen hatten. OB Thomas Kiechle sprach von der wohl „größten Krise nach dem Zweiten Weltkrieg“.

  • Rückblick: Behördenleiter und die politische Spitze hätten gut zusammengewirkt. „Wir mussten nicht nur eigene Teams koordinieren und Netzwerke nutzen, sondern auch gegen Widerstände ankämpfen. Es ging ums Große, darum Leben zu retten und uns nicht von Minderheiten in die Ecke drängen zu lassen“, erinnerte Kiechle auch an Demonstrationen der Querdenker-Szene in Kempten. Deren Anhänger leugnen die Corona-Pandemie. Kiechle und die Landrätin appellierten, sich impfen zu lassen. Es gebe in der Medizin keine wirksamere Prävention.
  • 2020: Die Verbreitung des Corona-Virus „traf uns mit Wucht und, so muss man im Nachhinein offen bekennen, völlig unvorbereitet“, blickte Baier-Müller zurück. Plötzlich waren die Gesundheitsämter im Fokus. „Ein Bereich, der bereits vor der Pandemie mit Personalproblemen zu kämpfen hatte“. Mitte März „wurde erstmals in der Geschichte des Freistaats Bayern wegen der Pandemie der Katastrophenfall festgestellt – zunächst für 92 Tage.“ Behörden und Organisationen aus der Region, unter anderem Technisches Hilfswerk, Rotes Kreuz, Johanniter Unfallhilfe, aber auch Bundeswehr, Polizei und die Hochschule sowie viele Behörden sprangen ein, um „unkompliziert und pragmatisch“ zu unterstützen. Von „funktionierenden Netzwerken“ sprach Baier-Müller. Es ging unter anderem um Materialbeschaffung, Lagerung und Logistik, um die Einrichtung und den Betrieb von Testzentren und auch um die Durchführung von Corona-Tests in Alten- und Pflegeheimen. Der größte Teil aber sei die Kontaktverfolgung bei bekanntgewordenen Infektionen gewesen.
  • Bundeswehr: Und da halfen viele Kräfte der Bundeswehr. „Es war unser größter Einsatz, den wir je hatten“, sagte Oberst Martin Langer, Kommandeur des technischen Ausbildungszentrums – Abteilung Süd – in Kaufbeuren. In Hochzeiten seien bis zu 25 000 Einsatzkräfte bundesweit bereit gewesen, um in der Corona-Pandemie zu unterstützen. Wie viele es im Allgäu waren, konnte er aber nicht beziffern.
  • Gesundheitsamt: Intensiv betroffen war laut Dr. Ludwig Walters seine Abteilung: das Gesundheitsamt. Die Mitarbeiterzahl sei in der Pandemie von zunächst 25 auf „beinahe 100“ angestiegen. Es sei wichtig, „in der Krise Köpfe zu kennen“. Walters meinte damit, dass Behörden und Organisationen gut vernetzt sind und so schnell reagieren konnten. Wichtigste Aufgabe sei die am Telefon gewesen. Walters nannte „Contact Tracing“, also die Nachverfolgung von Kontakten Infizierter.
  • Justiz: Anja Ellinger, Leiterin der JVA in Kempten, sprach von einem „achtsamen Team“ beim Gesundheitsamt. Etliche Inhaftierte seien infiziert gekommen, aber wieder gesund geworden. „Keiner hatte glücklicherweise einen schweren Verlauf.“ In Absprache mit dem Gesundheitsamt kamen sie zunächst in eine „Zugangsabteilung“. Dort waren sie 14 Tage, dann folgte ein Test auf Covid 19. Respekt zollte Ellinger den Inhaftierten: Die hätten sich an die vorgegebene Maskenpflicht gehalten. Und weil – wie in den Pflegeheimen – zunächst ein Besuchsverbot galt, durften die Inhaftierten stattdessen mit ihren Verwandten per Internet „skypen“. Das soll vorerst so bleiben.

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