Förster geht in den Ruhestand

„Bei der Forstwirtschaft geht es um Bäume und Menschen“

Nach 41 Dienstjahren als Förster geht Peter Titzler in den Ruhestand.

Nach 41 Dienstjahren als Förster geht Peter Titzler in den Ruhestand.

Bild: Michael Mang

Nach 41 Dienstjahren als Förster geht Peter Titzler in den Ruhestand.

Bild: Michael Mang

Peter Titzler hat in 41 Berufsjahren gelernt, dass man nicht nur in der Waldarbeit Geduld braucht. Der Oberstdorfer ist einer der Väter der Bergwaldoffensive.
13.03.2022 | Stand: 11:30 Uhr

Vom Jägersberg aus blickt Peter Titzler auf seinen Heimatort Oberstdorf und zeigt auf die bewaldeten Berghänge, die Deutschlands südlichste Gemeinde umrahmen. „Die Schutzwälder sichern die Talräume, damit wir da ein Leben leben können“, sagt Titzler. Was man nicht sehen könne, seien die zahllosen Flurstücke unterschiedlicher Eigentümer, die man für jedes Projekt an einen Tisch holen müsse. „Denn damit die Wälder ihre Funktion erfüllen, müssen alle an einem Strang ziehen. Förster sind dazu da, um zu helfen, wenn es brennt.“ Deswegen habe er sich in seiner Zeit als Förster mindestens so viel mit Eigentümern wie mit dem Wald beschäftigt, räumt er ein. „Bei der Forstwirtschaft geht es um Bäume und Menschen.“

"Ich hatte jeden Tag Bock, zur Arbeit zu gehen"

Der Schutzwald war ein Schwerpunkt der Arbeit des Forstdirektors Peter Titzler, der jetzt – nach 41 Dienstjahren in den Ruhestand geht. „Ich hatte jeden Tag Bock, zur Arbeit zu gehen“, sagt der 65-Jährige. Aber er habe auch „dunkle Zeiten“ in seinem Berufsleben erlebt. Dazu zählt er Stürme, Borkenkäfer-Schäden und die Folgen des Klimawandels auf den Wald.

Titzler war einer der Väter der Bergwaldoffensive, weil er sich mit anderen Förstern wie Dr. Ulrich Sauter und Klaus Dinser dafür einsetzte, dass Jagd, Alp-, Wasser- und Forstwirtschaft zusammenarbeiten und nicht nur Einzelmaßnahmen im Wald gefördert wurden, sondern Projekte. „Das war die Geburtsstunde der Bergwaldoffensive“, erinnert sich Titzler. „Wir waren zur rechten Zeit am rechten Platz.“

In jungen Jahren die Faszination für den Wald entdeckt

Schon in jungen Jahren entdeckte Titzler die Faszination für den Wald. Nach dem Abitur 1977 studierte der Oberstdorfer an der Ludwig-Maximilians-Universität München Forstwissenschaft. „Es war eine fantastische Zeit“, blickt Titzler zurück. Er habe das Leben genossen, sei mit den Mitstudenten um die Häuser gezogen, habe aber nie eine Vorlesung verpasst. Dafür war die Begeisterung für das Fach zu groß, das er ursprünglich gar nicht studieren wollte. „Wie mein Vater wollte ich eigentlich Tierarzt werden – bei ihm hat es der Krieg verhindert, bei mir die Noten.“

Mit einem Diplom in der Tasche und viel theoretischem Wissen gerüstet, musste Titzler in seiner Referendariatszeit am Forstamt in Ebrach im Steigerwald lernen, dass die Praxis noch einmal etwas ganz anderes ist. „Das war ein harter Crash-Kurs“, blickt Titzler zurück. Nach dem zweiten Staatsexamen war Titzler bei der Aufforstung der Wasserwirtschaftsämter das erste Mal mit der Aufgabe betraut, die ihn sein ganzes Berufsleben begleiten sollte: die Schutzwaldsanierung. „In den Anfängen hat man einfach Bäume gepflanzt und nach dem Winter gesehen, was der Schnee übrig gelassen hat“, sagt Titzler. „Aber wir haben in dieser Zeit viele Erkenntnisse gewonnen.“

Neun Jahr Förster in Landsberg

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Später wechselte er auf die Stelle des stellvertretenden Forstamtsleiters in Landsberg, wo er neun Jahre blieb. Wegen der Familie kehrte der Oberstdorfer wieder in die Heimat zurück und wechselte ans Forstamt Immenstadt. Dort arbeitete er 25 Jahre und kümmerte sich um die Wälder vom Allgäuer Tor bis zur Breitachbrücke. Aus dem Wald seiner Heimatgemeinde habe er sich lieber herausgehalten, erzählt Titzler, der im Oberstdorfer Gemeinderat sitzt.

Jäger verlassen Hegeschau

„Natürlich konnte man nicht jedem alles recht machen“, blickt Titzler auf seine Laufbahn zurück, in der Titzler durchaus als streitbarer Förster galt. 2013 verließen bei der Hegeschau in Heimenkirch die Jäger geschlossen den Saal, als Titzler über die Verbisssituation in den Wäldern sprechen wollte. „Heute bin ich mit niemanden mehr über Kreuz“, sagt der Förster. „Ich bin mit mir im Reinen.“ Seinen Mitarbeitern habe er immer mit auf den Weg gegeben: „Wir können etwas ablehnen, aber die Menschen müssen verstehen, warum wir es tun.“

Jetzt legt der Oberstdorfer das Generationenprojekt Wald in jüngere Hände und freut sich, dass auch einer seiner Söhne den Weg des Försters eingeschlagen hat. Denn obwohl Peter Titzler im Allgäuer Wald seine Spuren hinterlassen hat, weiß der 65-Jährige, dass ein Leben für den Waldumbau nicht ausreicht. Bäume werden älter als Menschen.

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