Kunstausstellung im Oberallgäu

Bei "Hinschauen" in Fischen Bilder von Anmut und Kraft

Julia von Franz Meierneu

"Julia" heißt dieses Portrait, gemalt von Franz Meier.

Bild: Schwesinger (Repro)

"Julia" heißt dieses Portrait, gemalt von Franz Meier.

Bild: Schwesinger (Repro)

Präsentation zeigt in der Fiskina Bildnisse aus den gemeinsamen Lebens- und Schaffensjahren von Franz Meier und Ulrike Kocher
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Von Rosemarie Schwesinger
02.09.2021 | Stand: 16:45 Uhr

Sie ist zauberhaft – ernst, nachdenklich, in sich ruhend– diese Julia, deren Portrait gleich beim Treppenaufgang der Fischinger Fiskina die Besucher gefangen nimmt. Eine junge Frau mit leicht geneigtem Kopf, halb geschlossenen Augen, die dunklen Haare ungeordnet, nackte Schultern – es ist ein intimes zärtliches Bild, dem in weichen warmen Farben und Pinselstrichen „Seele“ eingehaucht wurde.

Nur eine der Arbeiten, die das Künstlerpaar Ulrike Kocher und Franz Meier in ihren langen gemeinsamen Lebens- und Schaffensjahren gestaltet haben, deren kleiner repräsentativer Querschnitt jetzt in der Fischinger Fiskina unter der Losung „Hinschauen“ zu bewundern ist.

Das Gleichartige und Gegensätzliche sichtbar machen

Wie Laudator Gunther le Maire bei der lebhaft frequentierten Vernissage betonte, habe sich der letztjährig im Alter von 88 Jahren verstorbene Meier schon immer eine gemeinsame Ausstellung gewünscht, „wo das Gleichartige und Gegensätzliche von ihm und seiner Frau sichtbar wird“.

So hat Ulrike Kocher sein Lebenswerk im Verlauf seiner Stilwandlungen – mit oft abrupten Veränderungen von Malweise und Motiv – gegliedert und einige plakative Beispiele dieser Ausstellung beigefügt.

"Fannys Traum" von Ulrike Kocher
"Fannys Traum" von Ulrike Kocher
Bild: Schwesinger (Repro)

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Der renommierte Maler, engagierte Kunsterzieher und eloquente Kunsthistoriker Meier ließ sich weder weltanschaulich noch stilistisch in irgendeine Schublade zwängen, eckte gerne an und sorgte immer wieder für Überraschungen. Wie auch jetzt mit dem eingangs beschriebenen Portrait, das die meisten der anwesenden Gäste niemals ihm, sondern sofort seiner Frau zugeordnet hätten. Sind doch die einfühlsamen, beredten Frauen-Portraits und Aktzeichnungen die absolute Domäne von Ulrike Kocher. Es sind Bildnisse ernster, nachdenklicher, selbstbewusster Frauen (Männer kommen nicht vor), die Ulrike Kocher mit wenigen markanten Strichen konturiert und in meist zarten Ölpastell-Farben zum Leben erweckt.

Mit welchen radikalen Stilwechseln Franz Meier im Verlauf seiner Karriere aufwartete, hatte Laudator Gunther le Maire in dessen Vita kurz aufgeblättert: Nach dem Studium an der Münchner Kunstakademie bei Franz Nagel, war Meier von 1959 bis 1993 Kunsterzieher an Gymnasien in München, Oberstdorf und Sonthofen. Erst nach seiner Pensionierung „stürzte er sich mit der ihm eigenen ungestümen Energie in die eigene Malerei“.

Nach anfänglicher Irritation der regionalen Szene durch verstörend aggressive Bild-Motive entwickelte sich das reiche Spektrum eines unangepassten, begnadeten Malers. Von wildfarbenen Männer- und zarten Frauen-Akten, über monochrome tiefblaue Himmel mit schrillweißen Kondensstreifen zu romantischen Wolkenbildern und zeitkritischen Menschenmengen beispielsweise. Wofür Franz Meier mit zahlreichen Kunstpreisen geehrt wurde. In der aktuellen Ausstellung fesselt sein großformatiges, beinahe fotorealistisches Bild seiner Frau beim Mähen im üppig wuchernden Garten, sowie unter anderem die übers Grün fliegenden Fußballer oder wuchtige über Raum und Zeit ragende Hände und Füße.

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