Umweltschutz

Beim Wäschewaschen Nüsse oder Ball benutzen

Wasch-Nüsse, Waschbälle oder doch herkömmliches Waschpulver? Fachlehrerin Gerti Epple zeigt im Hauswirtschaftsraum am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kempten, was alles möglich ist, um saubere Wäsche zu bekommen- und dabei die Umwelt möglichst wenig zu belasten.

Wasch-Nüsse, Waschbälle oder doch herkömmliches Waschpulver? Fachlehrerin Gerti Epple zeigt im Hauswirtschaftsraum am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kempten, was alles möglich ist, um saubere Wäsche zu bekommen- und dabei die Umwelt möglichst wenig zu belasten.

Bild: Silvia Reich-Recla

Wasch-Nüsse, Waschbälle oder doch herkömmliches Waschpulver? Fachlehrerin Gerti Epple zeigt im Hauswirtschaftsraum am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kempten, was alles möglich ist, um saubere Wäsche zu bekommen- und dabei die Umwelt möglichst wenig zu belasten.

Bild: Silvia Reich-Recla

Nicht nur Tenside wie im üblichen Waschmittel reinigen, sondern auch Kugeln mit Keramikbällchen darin oder Wasch-Nüsse. Mancher haut vor dem Waschen gar Kastanien klein
07.11.2020 | Stand: 15:00 Uhr

Diese Menge ist kaum fassbar: Etwa 630 000 Tonnen Waschmittel werden jährlich in Deutschland verbraucht. Dazu kommen laut Bundes-Umweltamt auch noch 220 000 Tonnen Waschhilfsmittel, Weichspüler und ähnliches. Das Gebräu aus Tensiden, Bleichmitteln, Duftstoffen, optischen Aufhellern, Wasserenthärtern und mehr landet übers Abwasser wieder in der Natur. Diese Belastung kann man sich mit Waschbällen sparen. Sie sind mit Kügelchen aus Keramik gefüllt und wasserdurchlässig. Sie würden einen guten Beitrag leisten, die Waschmittelflut einzudämmen – bestätigt Hauswirtschafts-Fachlehrerin Gerti Epple vom Kemptener Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Aber in manchen Dingen seien die Waschkugeln herkömmlichem Pulver unterlegen.

  • Waschkugeln Sie schonen die Umwelt und sind günstiger als Waschpulver oder Flüssig-Waschmittel, das laut Bundesamt übrigens als am schädlichsten für die Umwelt eingestuft wird. Zwischen 14 und 50 Euro kostet eine Kugel. Sie reicht laut den Herstellern für bis zu 1000 Waschladungen. Da fällt dann auch lästiges Waschmittel-Schleppen weg. In der Regel sind in der löchrigen Waschkugel kleine Keramikbällchen, die bei Berührung mit Wasser negative Ionen freisetzen. So wird letztendlich Schmutz aus dem Wasser gelöst. Allerdings sind keine Duftstoffe enthalten. Das wiederum komme aber Allergikern gelegen, sagt Epple. Es gebe zudem Waschbälle nur mit Noppen (wie kleine Massagebälle). Sie lösen den Schmutz laut Epple durch „Walken der Wäsche“, also durch einen „sanften Reibungseffekt“. Das sei aber nicht für die Seidenbluse oder Wollpulli wirklich empfehlenswert. Mit Waschbällen sollten die Maschinen nur zu zwei Drittel gefüllt sein. Eine dritte Waschkugelvariante ist die mit gepresstem Waschpulver zusätzlich zu den Mineralkügelchen. „Da löst sich beim Waschen dann immer ein klein wenig Pulver mit“, sagt Epple. Allerdings sind Waschbälle aus Kunststoff. Der jedoch ist oft recycelt.
  • Waschmittel Die Tenside lösen den Schmutz, sagt die Hauswirtschaftsfachfrau. Das gilt übrigens auch für viele Duschgels und Haarwaschmittel oder Haushaltsreiniger. Tenside seien gut abbaubar – im Gegensatz zu den Phosphaten, die früher im Waschmittel waren und zu einer Überdüngung der Gewässer führten – schon lange aber nicht mehr verwendet werden. Im herkömmlichen Waschmittel von heute sind aber meist auch optische Aufheller und Bleichmittel. Das sei für weiße Wäsche wichtig. Ohne solche Mittel würde Weißes vergrauen.
  • Baukastenprinzip Epple erinnert an das Waschen im „Baukastenpronzip“. Das leiste immer noch gute Dienste. Aber damit müsse man sich intensiv befassen. Nur so viel: Im Basis-Waschmittel sind nur Tenside, bei heller Wäsche gibt man selbst ein wenig Bleichmittel dazu. Oder bei der Wäsche über 40 Grad auch einen Wasserenthärter. Kalk löse sich bei Temperaturen ab 45 Grad – und kann sich dann auch in der Waschmaschine oder dem Ablauf ablagern. Feine Wäsche wie Seidenblusen, Seidenstrumpfhosen oder Wollpullis wäscht Epple übrigens am liebsten mit der Hand und mit Shampoo.
  • Waschmittelalternativen Seit vielen Jahren gibt es Wasch-Nüsse. Die werden importiert, zum Beispiel aus Indien. Verwendet werden die Schalen der Nuss. Kommen diese mit Wasser in Berührung, entsteht eine seifige, leicht schäumende milde Lauge. „Wasch-Nüsse enthalten Saponine“, erläutert Epple. Das sei ein natürlicher und umweltschonender Inhaltsstoff. Saponine lösen sich auch aus Efeublättern. „Zum Waschen sechs bis acht Efeublätter in ein Waschsäckchen geben“, rät Epple. Umweltfreundlich waschen lasse sich auch mit Kastanien, „einfach mit dem Hammer drauf hauen, die braune Schale lösen und den hellen Samen trocknen“. Das sei eine Wahnsinnsarbeit, führt Epple fort. Aber zum Bio-Waschen geeignet. Zwei Esslöffel sollte man dann in heißem Wasser lösen. Seifenkraut hätten Frauen früher zudem für Handwäsche benutzt.
  • Tipps Um den Waschmittelverbrauch zu reduzieren und die Wäsche gut zu pflegen, rät Epple dazu: Viermal mit der Waschkugel oder Nüssen die Wäsche waschen und beim fünften Mal mit einem Waschmittel. Zudem sollte man die Wäsche nicht nach jedem Tragen in die Maschine stecken, sondern einfach mal einige Zeit auslüften (gilt für Naturmaterialien wie Baumwolle, Wolle oder Seide). Kleidung mit Elasthan (auch Stretch-Jeans) nicht über 40 Grad waschen und im Feinwaschgang. Flecken sofort mit Wasser behandeln, eventuell einweichenvor dem Waschen.