Naturschutz im Oberallgäu

Bekommen Insekten im Frühling genug Nektar?

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Weidenkätzchen, auch Palmkätzchen genannt, sind die Blütenstände der Weide. Der Strauch steht unter Naturschutz, die Zweige dürfen am Wegesrand nicht abgeschnitten werden.

Bild: Monika Theuring

Weidenkätzchen, auch Palmkätzchen genannt, sind die Blütenstände der Weide. Der Strauch steht unter Naturschutz, die Zweige dürfen am Wegesrand nicht abgeschnitten werden.

Bild: Monika Theuring

Palmkätzchen sind geschützt. Warum Imkerin Monika Theuring Brennesseln mag und den „Kahlschlag an Straßenrändern“ verurteilt. Die Autobahn GmbH hält dagegen.
24.03.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Um die Nahrungsquellen für Insekten und Bienen sorgt sich Monika Theuring. Dabei ärgert sie sich über manche Straßenmeisterei und die Autobahn GmbH und deren „Kahlschlag an Straßenrändern“. Manchmal würden die Sträucher bei Abholz-Aktionen Anfang des Jahres regelrecht zerfetzt, kritisiert die Vorsitzende des Kreisverbands der Imker Oberallgäu. Dabei sei es so wichtig, dass Insekten und Wildbienen im Frühjahr genügend Nektar finden. Außerdem appelliert sie an Spaziergänger: „Bitte keine Weidenkätzchen abschneiden und in die Vase stellen.“

Weiden sind eine der ersten und wichtigen Nahrungsquellen für zahllose Insekten wie Schmetterlinge, Bienen und Hummeln. „Sie bieten eiweißreiche Pollen und Nektar, wichtige Energielieferanten und Kraftfutter zur Aufzucht der Brut“, sagt Theuring. „Aus diesem Grund stehen Weidenkätzchen auch unter Schutz und dürfen in der freien Natur nicht geschnitten werden.“ Aber das scheinen viele nicht zu wissen. Immer wieder sind Spaziergängerinnen zu sehen mit einem Boschen Palmkätzchen unterm Arm als Schmuck für die Vase zu Ostern.

Den Garten für die Insekten blühen lassen

Wenn bald der Rasen im eigenen Garten wieder wächst, dann schnellen auch sogenannte „Unkräuter“ wie die Brennnesseln in die Höhe. Aber die seien ebenfalls wichtig: „Sie sind Futterpflanzen für 30 Tag- und Nachtfalterarten“. In manchem Privatgarten landen zudem Löwenzahnsamen – und im Frühjahr wird die Wiese gelb vor leuchtender Blüten. „Bitte blühen lassen“, sagt Theuring. „Löwenzähne sind ein goßartiger Pollen- und Nektarspender, nicht nur für Bienen.“

Monika Theuring aus Rettenberg vertritt als Kreisvorsitzende der Oberallgäuer Imker 15 Ortsvereine im Oberallgäu und Kempten, in denen 780 Imker 5000 Bienenvölker betreuen. Deren Hauptanliegen sei die Förderung der Bienenzucht „und damit verbunden, die Sicherung der Befruchtung der Obstbäume und der insektenblütigen Kultur- und Wildpflanzen“, sagt Theuring. (Lesen Sie auch: Honig selber machen: Ein Imker aus der Region gibt Tipps)

Kritik an radikalen Stutzungen entlang der Straßen

Deshalb ärgert sie sich darüber, wenn an Rändern von Autobahnen wie bei Waltenhofen Böschungen auf mehrere hundert Meter radikal gestutzt werden, wie es im Winter immer wieder geschieht. Teilweise sei das nicht fachgerecht. „Mancher Unternehmer macht Tabula Rasa“, kritisiert auch Julia Wehnert vom Bund Naturschutz. Eine Entnahme in Teilbereichen sei in Ordnung auf 20 oder 30 Metern, aber nicht auf mehreren hundert.

Gut ausgelichtet oder Kahlschlag: eine Böschung an der A 980 zwischen Waltenhofen und Durach, auf der gerodet wurde.
Gut ausgelichtet oder Kahlschlag: eine Böschung an der A 980 zwischen Waltenhofen und Durach, auf der gerodet wurde.
Bild: Silvia Reich-Recla

Autobahn GmbH verweist auf Verkehrssicherheit

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Dagegen sagt Tobias Ehrmann von der zuständigen Autobahn GmbH, Außenstelle Kempten, zu dieser Kritik: „In der Regel machen das die von uns beauftragten Firmen richtig.“ Er spricht von regelmäßigen „Gehölzpflegemaßnahmen“. Diese muteten zwar „an einigen Stellen wie Rodungen oder Kahlschläge an, dienen aber der Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit und auch zum Erhalt der ökologischen Funktionen des Hecken- und Gehölzbestandes“.

Grundsätzlich sei die Autobahn GmbH verantwortlich für die Standfestigkeit der Bäume, die auf ihren Grundstücken stehen. Und Ehrmann ist überzeugt, dass vor allem Insekten dort schon bald „ein neues, umfangreiches Nahrungsangebot bekommen, da durch Samenanflug auf den gelichteten Flächen Blumen und Kräuter neu wachsen können“. Die Sträucher würden zudem wieder austreiben und die Strukturvielfalt der Gehölze bleibe erhalten.

Vor allem im Frühjahr ist der Nektar für die Tiere wichtig

Dass aber Bienen und andere Insekten insbesondere im Frühjahr Nahrung brauchen, darauf weist Imkerin Theuring hin. Außerdem seien Büsche ebenfalls Lebensräume „für Insekten sowie für Kleinsäuger und Vögel – und sollten nicht großflächig abgeholzt werden“.

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