Benefiz-Aktion in den Allgäuer Bergen

Wahnsinn am Hochgrat: Stuttgarter stürmt zehn Mal auf den Gipfel

Janosch Kowalczyk

13:30 Stunden, 8800 Höhenmeter, zehn Gipfelstürme. Janosch Kowalczyk hat das „Everesting“ am Hochgrat gemeistert. Auf dem Weg dahin begleiteten den 30-Jährigen unter anderem Johannes Rydzek und Andreas Sander, auf dem Gipfel empfing ihn Landrätin Indra Baier-Müller.

Bild: Raphael Weber

13:30 Stunden, 8800 Höhenmeter, zehn Gipfelstürme. Janosch Kowalczyk hat das „Everesting“ am Hochgrat gemeistert. Auf dem Weg dahin begleiteten den 30-Jährigen unter anderem Johannes Rydzek und Andreas Sander, auf dem Gipfel empfing ihn Landrätin Indra Baier-Müller.

Bild: Raphael Weber

Janosch Kowalczyk stürmt in 13:30 Stunden zehn Mal für einen guten Zweck auf den Oberstaufener Hausberg. Warum ihm ein Olympiasieger half.
15.06.2021 | Stand: 11:14 Uhr

Es ist der Wahnsinn für einen guten Zweck. Der Stuttgarter Trailrunner Janosch Kowalczyk hat das „Everesting“-Projekt gemeistert und den Hochgrat zehn Mal an einem Tag gestürmt. Dabei erreichte der 30-Jährige in 13:30 Stunden mit den bewältigten 8800 Höhenmetern zwar nicht ganz die erforderliche Gesamtzahl des Mount Everest (8848 Meter). Allerdings stand die sportliche Rekordjagd beim Dauerlauf auf den 1834 Meter hohen Oberstaufener Hausberg für Kowalczyk nicht im Vordergrund. Denn unter dem Motto „Für Kinder auf den Hochgrat“ lief der Ausdauersportler auf Anregung des ehemaligen Immenstädter Ironmans Hannes Blaschke für einen guten Zweck. Insgesamt 5000 Euro spendete Kowalczyks Sponsor „Adidas Terrex“ für die Initiative „Immenstadt bewegt sich“.

Hannes Blaschke: "Wir wollen Kids eine Chance geben"

Blaschke und das Team von „808Project“, die Macher des Allgäu-Triathlons, fungierten als Organisatoren für die ungewöhnliche Benefiz-Aktion. „Ich habe in der Corona-Zeit gesehen, welche Einschränkungen vor allem die Kinder auf sich nehmen müssen“, sagt der 60-Jährige, der Kiosk-Betreiber im Immenstädter Freibad ist. „Deshalb wollen wir den Kindern für den Auftakt der Freibad-Saison spezielle Bewegungsangebote zur Verfügung stellen.“

So soll die gespendete Summe vollumfänglich in einen Bewegungsparcours, eine Tischtennisplatte und in Neoprenanzüge für einen geplanten Schwimm-Anfängerkurs investiert werden. „Die Kids hatten durch die Schließung des Hallenbades keine Möglichkeit, das Schwimmen zu lernen. Nun wollen wir ihnen diese Chance geben“, sagt Blaschke und ergänzt: „Janosch Kowalczyk wollte einen Spendenlauf für Kids machen. Er fand die Initiative gut und hat sich den Hochgrat ausgesucht.“ Der Plan stand.

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Janosch Kowalczyk stürmt zehn Mal den Hochgrat

Immerhin ist Kowalczyk mit seinen 30 Jahren schon eine feste Größe in der Laufszene. Der gebürtige Leonberger ist Gesamtsieger des Innsbruck Alpine Trailrun-Festivals 2020 über 108 Kilometer, des 100-Kilometer-Ultratrail Cape Town in Südafrika, des SwissPeaks über 90 Kilometer und triumphierte beim Allgäu Panorama-Marathon in Sonthofen 2021 über die Ultra-Distanz. Für die „Everest-Challenge“ am Hochgrat in Oberstaufen holte sich der Bergläufer für jeden einzelnen Sturm auf den Gipfel prominente Unterstützung.

Kowalczyk: "Und Rydzek so: Lass mich vorlaufen"

Jeder Gast „erkaufte“ sich symbolisch den Aufstieg für 500 Euro, sodass sich letztlich die Gesamt-Spendensumme ergab. Dabei waren unter anderem Ski-Alpin-Vizeweltmeister Andreas Sander, der ehemalige Slalom-Weltmeister Frank Wörndl und die Weltcup-Langläuferin Katharina Hennig. Den Auftakt machte allerdings ein Olympiasieger. (Lesen Sie auch: Dauerläufer joggt für den guten Zweck täglich auf den Vilser Kegel)

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Was den Hochgrat mit Sardinien verbindet

Johannes Rydzek, sechsfacher Weltmeister der Nordischen Kombination, startete um 7.30 Uhr gemeinsam mit Janosch Kowalczyk und fungierte sogar als Zugpferd, wie dieser verrät: „Frühmorgens hatten wir horizontalen Schneeregen, wir wussten, dass am Gipfel auch Schnee liegt. Also hat Johannes so gesagt: „Hey, ich kenn’ das hier. Lass mich vorlaufen“, erzählt Kowalczyk. „Immerhin war das ein Olympiasieger – auf einmal war ich der Fan. Es war unglaublich cool, dass so viele Sportler mitgemacht haben.“ Und die Weltklasse-Athleten hatten nicht nur die Gelegenheit, in die „harte Trainingsarbeit der Trailrunner“ zu schnuppern – sie haben Janosch Kowalczyk den persönlichen Hochgrat-Marathon etwas weniger unerträglich gemacht.

13:30 Stunden, 8800 Höhenmeter, zehn Gipfelstürme. Janosch Kowalczyk hat das „Everesting“ am Hochgrat gemeistert. Auf dem Weg dahin begleiteten den 30-Jährigen unter anderem Johannes Rydzek und Andreas Sander, auf dem Gipfel empfing ihn Landrätin Indra Baier-Müller.
13:30 Stunden, 8800 Höhenmeter, zehn Gipfelstürme. Janosch Kowalczyk hat das „Everesting“ am Hochgrat gemeistert. Auf dem Weg dahin begleiteten den 30-Jährigen unter anderem Johannes Rydzek und Andreas Sander, auf dem Gipfel empfing ihn Landrätin Indra Baier-Müller.
Bild: Raphael Weber

"Es war das Verrückteste, was ich jemals gemacht habe"

Der besagte erste Sturm auf den Hochgrat mit Rydzek – der im Laufe des Tages übrigens dreimal mitlief – habe noch Spaß gemacht. „Die zweite und dritte Wiederholung waren schon kühler, spätestens ab der fünften wurde es aber zäh“, gesteht Kowalczyk, der die Bergab-Passagen mit der Hochgrat-Bergbahn Oberstaufen absolvierte. „Aber ich wollte und musste das durchziehen. Das Event wurde so groß aufgezogen, dass es für mich das beste Training in meiner Karriere war. Auch wenn klar war, dass der zehnte Lauf nichts mehr von Friede-Freude-Eierkuchen hat.“ Doch das Leiden hat sich gelohnt.

Nach 13:30 Stunden empfing Landrätin Indra Baier-Müller als Schirmherrin des Projekts Janosch Kowalczyk am Gipfel des Hochgrats – bei der Scheckübergabe schimmerten die schneebedeckten Gipfel im Sonnenuntergang sogar erstmals tieforange. „Das war das Verrückteste, was ich jemals gemacht habe. Im Rennen herrscht grundsätzlich immer schon eine andere Emotion – aber so eine Aktion habe ich noch nie gehabt“, gesteht Janosch Kowalczyk. „Für mich als Sportler war es ein linear kontrolliertes Aussaugen der eigenen Energie. Aber wenn die Kids nun etwas davon haben, dann hat sich jeder Meter gelohnt.“

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