Bergsteigen

Bergwacht Hinterstein muss sogar im November ausrücken

Der Bergretter kurz vor dem Einsatz: Am Bergetau, das jetzt noch auf der Wiese liegt, wird der Bergwachtler am Hubschrauber hängend zum Unfallort gebracht. Auch die Patienten werden oft am Bergetau hängend ins Tal nach Hinterstein geflogen.

Der Bergretter kurz vor dem Einsatz: Am Bergetau, das jetzt noch auf der Wiese liegt, wird der Bergwachtler am Hubschrauber hängend zum Unfallort gebracht. Auch die Patienten werden oft am Bergetau hängend ins Tal nach Hinterstein geflogen.

Bild: Müller/Bergwacht Hinterstein

Der Bergretter kurz vor dem Einsatz: Am Bergetau, das jetzt noch auf der Wiese liegt, wird der Bergwachtler am Hubschrauber hängend zum Unfallort gebracht. Auch die Patienten werden oft am Bergetau hängend ins Tal nach Hinterstein geflogen.

Bild: Müller/Bergwacht Hinterstein

Hinterstein: Es wird früh dunkel, keine Zeit für ausgedehnte Touren. Dennoch ist viel los, die Bergretter im Allgäu sind gefordert. Warum das ungewöhnlich ist.
16.11.2020 | Stand: 19:11 Uhr

November ist „normalerweise eine Zeit, in der im Gebirge nichts los ist“, sagt Raphael Müller, Bereitschaftsleiter der Bergwacht Hinterstein. Dieses Jahr sei das anders. Vier aufwendige Einsätze musten die Retter am Wochenende bewältigen. Es sei ähnlich viel los gewesen, wie an einem Sommerwochenende. Auch die Parkplätze waren voll. „Überall sind Menschen und das, obwohl keine Hütten aufhaben und auch der Bus Richtung Giebelhaus derzeit nicht fährt“.

"Statt den Badeurlaub in der Türkei zu buchen, fährt man jetzt in die Berge"

Bergsteigen sei „in“, insbesondere bei jungen Leuten. Und auch die Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen treibe die Bewegungshungrigen nach draußen – ins Oberallgäu. Müller: „Statt den Badeurlaub in der Türkei zu buchen, fährt man nun in die Berge. Das ist ja ganz verständlich.“ Das sei auch jetzt, im Spätherbst noch so, was aber „ungewöhnlich ist“.

Am Wochenende führte das zu den vier besagten Einsätzen der Bergwacht Hinterstein. Aber der Reihe nach: Am Freitagnachmittag verletzte sich im Bereich Kleiner Daumen ein Bergsteiger am Knöchel. Müller: „In einer schnellen Aktion konnten er und sein Begleiter gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit mit dem Bergetau des Hubschraubers Christoph 17 nach Hinterstein und anschließend in eine Klinik geflogen werden.“ Am Samstag kam es zu einem medizinischen Notfall einer 19-jährigen Wanderin, die zum Schrecksee wollte. Sie wurde von der Bergwacht und dem Notarzt von Christoph 17 erstversorgt und anschließen ebenfalls mit dem Tau geborgen und in eine Klinik eingeliefert.

Ein weiterer Wanderer verletzte sich im Bereich der Taufersalpe am Arm. Auch er konnte rechtzeitig, als es noch hell war, mit dem Hubschrauber geborgen und in die Klinik gebracht werden. Als es schon dunkel war, gegen 18 Uhr, alarmierte die Leitstelle Allgäu die Bergwachtler erneut. Ein junges Paar hatte von der sogenannten „Madonna“, dem Mittelgipfel der Fuchskarspitzen, einen Notruf abgesetzt. Die beiden Kletterer konnten in der Dunkelheit nicht mehr absteigen. Der Bereitschaftsleiter der Bergwacht Hinterstein forderte deshalb den „nachtflugtauglichen Hubschrauber der REGA aus St. Gallen an“. Dank „erfahrener Besatzung“ sei es gelungen, an einer „extrem ausgesetzten Stelle mit den Kufen anzulanden und die beiden an Bord zu nehmen“, sagt Müller und fügt an: „Durch dieses bei Dunkelheit sehr schwierige Flugmanöver war eine schnelle Rettung der Bergsteiger möglich“ (Lesen Sie auch: Tödliche Bergunfälle im Allgäu: Zwei Menschen sterben).

Die benötigte Zeit falsch eingeschätzt

Die beiden Kletterer hätten die benötigte Zeit „für die lange und sehr anspruchsvolle Klettertour falsch eingeschätzt“. Es sei von dort nicht möglich gewesen, eine Abkürzung nach unten zu nehmen. In diesem Falle hilft die Bergwacht. Müller sagt aber auch: „Sobald es dunkel wird, ist ein Einsatz auch für uns gefährlich.“ Er rät dazu, Touren sorgfältig zu planen und unbedingt vor 17 Uhr wieder am Auto zu sein.

Dieses Jahr gab es vom 1. Mai bis zum 15. Oktober übrigens nicht mehr Bergrettungen im Allgäu als 2019. Peter Haberstock von der Bergwacht Allgäu nennt 715 Einsätze für 2019 und 671 für 2020. Aber es kommen, wie die Rettungen in Hinterstein zeigen, immer noch Hilfeleistungen dazu. Auch Haberstock hat den Eindruck, dass Bergwandern und Klettern seit einigen Jahren ein aktueller Trend ist. Er rät dazu, sich derzeit auf glitschige Wege einzustellen: Die Sonne steht tief und feuchte Wege trocknen deshalb nicht mehr.