Kulturgemeinschaft Oberallgäu

Berliner Company hebt Shakespeare-Schatz in Oberstaufen

1_wintermaerchen_lauer

Tragische Verwicklungen mit Happy End? Die Shakespeare Company Berlin präsentiert im Oberstaufner Kurhaus ihre Produktion des „Wintermärchens“ von William Shakespeare.

Bild: Axel Lauer

Tragische Verwicklungen mit Happy End? Die Shakespeare Company Berlin präsentiert im Oberstaufner Kurhaus ihre Produktion des „Wintermärchens“ von William Shakespeare.

Bild: Axel Lauer

Die Shakespeare Company Berlin spielt „Das Wintermärchen“ in Oberstaufen. Schauspielerin Katharina Kwaschik verrät, warum diese Romanze eine „Perle“ ist.
##alternative##
Von Veronika Krull
08.01.2022 | Stand: 18:30 Uhr

König Leontes ist extrem eifersüchtig: Er glaubt, dass seine neugeborene Tochter von seinem Freund stammt, und lässt das Mädchen aussetzen, das jedoch von Schäfern aufgenommen wird. Das ist in aller Kürze der wichtigste Handlungsstrang in dem Stück „Das Wintermärchen“ von William Shakespeare.

Die Kulturgemeinschaft Oberallgäu zeigt diese komödiantische Romanze am Donnerstag, 13. Januar, im Kurhaus von Oberstaufen. Die Inszenierung lag bei der Shakespeare Company Berlin. Mehrere Rollen werden von vier Darstellerinnen und Darstellern verkörpert. Darunter ist auch die Schauspielerin und Komponistin Katharina Kwaschik (45), seit neun Jahren Ensemblemitglied. Mit ihr sprach Veronika Krull.

Warum hat sich das Ensemble für dieses Stück entschieden? Es ist ja nicht eines der bekanntesten Werke ...

Katharina Kwaschik: Ja, das ist einer der Gründe, dass wir das Stück inszeniert haben. Es ist eine Perle in Shakespeares Werk, die es selten ins Repertoire schafft. Wir haben den Reiz gespürt, den Schatz zu heben. Das Besondere an dem Projekt ist, dass wir erstmals ein Crowdfunding durchgeführt haben, also mit dem Publikum eine Inszenierung ermöglicht haben. Das war das erste Mal, dass das Publikum an der Entstehung eines künstlerischen Prozesses beteiligt war. Und das hat super gut funktioniert. Es ist ein vom Publikum gewolltes und unterstütztes Projekt. Wir haben unglaublich viele Vorstellungen und Gastspiele gegeben, die immer gut besucht waren. Dieses Stück ist zum Publikumsliebling geworden.

Auf was legen Sie Wert bei der Übersetzung?

Lesen Sie auch
##alternative##
Hehre Ziele und schlichte Lüste

Moderne Shakespeare-Inszenierung im Stadttheater Kaufbeuren

Kwaschik: Die Übersetzungen sind bei uns alle sprachlich sehr direkt. Wir legen großen Wert auf das Verständnis, weil wir ein breites Publikum erreichen wollen. Gleichzeitig ist es uns sehr wichtig, die Komplexität der Sprache zu erhalten, viel Raum für Fantasie und Poesie zu lassen. Es gibt also den Holzhammer und die intellektuelle Tiefe. Und wir legen großen Wert auf die direkte Ansprache ans Publikum, das heißt, wir schauen von der Bühne aus nicht in die Ferne, sondern blicken direkt auf die Leute, die da sitzen. Wir vermeiden die „vierte Wand“, also den Schleier zwischen Bühne und Zuschauerraum. Wenn ich direkt mit jemandem rede, klingt das nicht nach Papier. Das erreichen wir auch über die Sprache.

Auf der Bühne treten auch Puppen auf. Als Marionetten? Wen stellen sie dar?

Kwaschik: Ja, wir haben in jeder unserer Inszenierungen eine Sache, die wir uns künstlerisch neu aneignen. In diesem Fall sind es die Puppen. Wir sind ja nur vier Leute auf der Bühne. Die Puppen sind die Kinder, die eine ist eine etwas größere Handpuppe, die von zwei Personen bewegt wird, und dann gibt es zwei kleinere Handpuppen, die jeweils von einer Person geführt werden. Das Interessante ist, dass sich die Puppenbauerin an dem Gesicht der jeweiligen Darsteller orientiert hat, die Puppen haben also eine leichte Ähnlichkeit mit uns.

Sie gestalten das Stück mit Musik nach William Shakespeare. Wie klingt diese Musik?

Kwaschik: Ich habe mit meinem Kollegen Nico Seelbach die Musik komponiert. Musik nach Shakespeare bezieht sich auf die Texte, die Musik ist von uns, es gibt keine tonale Vorlagen. Ich habe zwei Texte vertont, einmal den Klagegesang des Leontes, zum anderen die Sturmflut. Nico hat Lieder für die verschiedenen Figuren geschrieben. Gemeinsam haben wir einen klanglichen Rahmen geschaffen mit ganz besonderen Musikinstrumenten, die so ein wenig märchenhaft klingen, dass man in diese Fantasiewelt reisen kann. Das ist zum Beispiel ein Waterphone: Das Instrument kann man streichen, aber auch schlagen. Es ist mit Wasser gefüllt, wodurch sich die Frequenz verändert: Mal klingt es wie Walgesang, mal wie eine Geistermelodie. Dann gibt es perkussive Elemente und Live-Gesang.

Das Ganze beginnt wie ein Drama – wie wird das zur Komödie?

Kwaschik: Also, Shakespeare ist ja ein Meister der Dramaturgie, was er nicht nur im „Wintermärchen“ gezeigt hat: Er vermischt verschiedene Gattungen. Zu Shakespeares Zeiten gab es noch nicht die Trennung zwischen Tragödie und Komödie. Er mixt die verschiedenen Genres. Ja, es beginnt wie eine typische griechische Tragödie. Es gibt auch das Orakel von Delphi, das aber hier nicht in Rätseln spricht, sondern eine völlig klare Aussage macht. Shakespeare parodiert auch bestimmte Elemente. Dann haben wir, was zu Shakespeares Zeiten absolut innovativ war, einen Zeitsprung über 16 Jahre am Anfang des zweiten Teils. In dem zweiten Teil bringt Shakespeare dann auch komödiantische Elemente, das ist was ganz, ganz Spannendes. Er mischt also die tragischen und leichten Aspekte des Lebens. Dadurch entsteht die Komplexität, die wir von Shakespeare kennen. „Das Wintermärchen“ gehört übrigens zu Shakespeares Spätwerk, in dem er die Aspekte, die Figuren weiterentwickelt. Was in anderen Stücken unversöhnlich endet, führt hier nicht in die Zerstörung.

Die Aufführung: Die romantische Komödie „Das Wintermärchen“ wird am Donnerstag, 13. Januar, um 20 Uhr im Kurhaus in Oberstaufen aufgeführt. Es wird ein Bus eingesetzt, Abfahrt um 19.30 Uhr am Hofgarten in Immenstadt. Alle Besucher müssen sich vorher anmelden: E-Mail: karten100@web.de oder Telefon 08323/9980078.

Was die Kulturgemeinschaft Oberallgäu sonst noch bietet.

Die Shakespeare Company Berlin.

Lesen Sie auch: "Was die neuen Corona-Regeln für die Kulturgemeinschaft Oberallgäu bedeuten".

Lesen Sie auch: "Asbestgefahr im Hofgarten: Droht der Stadthalle in Immenstadt der Abriss?"