Oberallgäu

Bewohner von Bräunlings wehren sich gegen Ausbau der Kreisstraße

Vor vier Jahren wurde die Ortsdurchfahrt von Bräunlings umfassend saniert. Folgt jetzt auch die Kreisstraße Richtung Akams?

Vor vier Jahren wurde die Ortsdurchfahrt von Bräunlings umfassend saniert. Folgt jetzt auch die Kreisstraße Richtung Akams?

Bild: Benjamin Liss (Archivfoto)

Vor vier Jahren wurde die Ortsdurchfahrt von Bräunlings umfassend saniert. Folgt jetzt auch die Kreisstraße Richtung Akams?

Bild: Benjamin Liss (Archivfoto)

Straße war erst als Wirtschaftsweg gedacht, wurde dann zur Kreisstraße und soll jetzt auf sechs Metern verbreitert werden. Bürger befürchten viel mehr Verkehr.
16.01.2021 | Stand: 17:43 Uhr

Die Bürger von Bräunlings wehren sich: Sie sind dagegen, dass die Kreisstraße OA 31 auf sechs Meter ausgebaut wird. Das hat der Landkreis Oberallgäu für das Jahr 2023 eingeplant. „Damit zieht man den Verkehr samt Schwerverkehr von der Staatsstraße 2006 auf eine Kreisstraße“, befürchtet der frühere Stadtrat Peter Schmid. Wie er glauben viele Bräunlingser, dass die Strecke zum Schleichweg für Autofahrer aus dem Raum Missen Richtung Kempten oder Sonthofen wird, und weit mehr Verkehr durch ihr Dorf rollt. Das wollen sie verhindern. Mitstreiter sind die Oberallgäuer Grünen.

Es begann mit einem Wirtschaftsweg: Vor 1972 war der Ort Bräunlings in Sachen Verkehr eine Sackgasse. Nach der Eingemeindung zu Immenstadt wollte die Stadt eine Verbindung nach Akams schaffen. „Als Wirtschaftsweg“, erinnert sich Schmid. Die Landwirte hätten damals ihre Wiesen für die 4,50 Meter breite Straße kostenlos hergegeben. Weinige Wochen noch der Einweihung des Wirtschaftswegs habe die Stadt unter Bürgermeister Hubert Rabini die Straße zur Ortsverbindung hochgestuft. Mittlerweile ist sie Kreisstraße.

Bräunlings: Verkehr nimmt zu, seit es Navis gibt

Zugenommen hat der Verkehr durch den Ort bereits, seit es Navigationsgeräte in den Autos gibt. Denn die versprechen eine kürzere Fahrtzeit für Autofahrer aus Missen. Wenn die Straße auf sechs Meter ausgebaut ist, werde die Strecke noch mehr zur Umfahrung von Immenstadt, befürchten die Bräunlingser. Außerdem wäre sie dann auch für 40-Tonner geeignet, die bisher wegen der schmalen Straße noch ausgeschlossen sind. Und die Geschwindigkeiten der Fahrzeuge dürften auf der Strecke noch einmal kräftig steigen.

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2016 kam der Ausbau der OA 31 bei der Verkehrsplanung des Landkreises das erste Mal auf den Tisch. Die Erweiterung auf sechs Meter zwischen Bräunlings und Luitharz war damals für 3,8 Millionen Euro veranschlagt und sollte 2019 erfolgen. Durch den Ausbau sollten höhere Zuschüsse fließen als nur bei einer Sanierung. Doch nachdem die Bürger des Orts auf die Barrikaden gingen, wurde das Projekt auf Eis gelegt. Schmid und seine Mitstreiter sammelten damals 70 Unterschriften im Dorf gegen den Ausbau.

Aber das Projekt hält sich hartnäckig. Bei den Kreis-Verkehrsplänen Ende 2018, 2019 und 2020 stand der Ausbau weiterhin auf der Liste der kommenden Jahre. Zunächst für 2021 und jetzt für 2023. Als Grund werden die steigenden Verkehrszahlen genannt.

2800 Fahrzeuge oder nur 743?

Die Straßenbauer im Landratsamt geben sie für das Jahr 2010 laut Schmid mit knapp 2800 Fahrzeugen pro Tag an. „Die Zahlen sind viel zu hoch“, sagt dagegen der Bräunlingser und weiß auch warum: Die Messstelle der Kreisbehörde sei am östlichen Ortsrand gestanden. Damit würden auch die Ein- und Ausfahrten aller Bräunlingser samt des Lieferverkehrs einer Firma in Gnadenberg mitgezählt. Hingegen habe eine Radarmessung der Stadt 2010 am westlichen Ortsrand nur durchschnittlich 743 Fahrzeuge pro Tag ergeben. Schmid: „Das rechtfertigt keinen Vollausbau der Straße.“

Dem schließen sich der Kreis- und Ortsverband der Grünen an. Werde die Straße verbreitert, befürchten sie „eine neue Verkehrsachse Isny-B19, die faktisch einer Ortsumfahrung von Immenstadt gleichkommt“, wie es in einer Mitteilung heißt. Das führe zu noch mehr Berufsverkehr morgens und abends durch das „Nadelöhr Bräunlings“. Eine Straße mit sechs Metern sei in einem beschaulichen Erholungsgebiet völlig überdimensioniert. Die Grünen plädieren stattdessen für eine moderate Sanierung der Straße mit einer Breite von nur fünf Metern.

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