Glauben

Bischof Bertram Meier fordert in Oberstaufen: „Wir brauchen einen Gottes-Ruck“

Bischof in Oberstaufen

Bischof Bertram Meier trug sich bei seinem Besuch in das „Goldene Buch“ des Marktes Oberstaufen ein. Links Bürgermeister Martin Beckel, rechts Dekan Karl-Bert Matthias.

Bild: Sabine Verspohl-Nitsche

Bischof Bertram Meier trug sich bei seinem Besuch in das „Goldene Buch“ des Marktes Oberstaufen ein. Links Bürgermeister Martin Beckel, rechts Dekan Karl-Bert Matthias.

Bild: Sabine Verspohl-Nitsche

Der Augsburger Bischof spricht bei der Dekanatskonferenz in Oberstaufen davon, Neues auszuprobieren. Frauen könnten zum Beispiel bei Messen mitwirken.
21.07.2021 | Stand: 17:17 Uhr

Hohen Besuch erhielten die Teilnehmer der Konferenz des Dekanats Sonthofen in der Pfarrkirche St. Peter und Paul: Bischof Dr. Bertram Meier war nach dem Abschluss der Renovierungsarbeiten der Einladung von Dekan Karl-Bert Matthias nach Oberstaufen gefolgt. „Das ist etwas wirklich Schönes, seinen Geburtstag inmitten von Seelsorgern zu feiern“, sagte der Oberhirte, der am 20. Juli 61 Jahre alt wurde. Er trug sich auf Wunsch von Bürgermeister Martin Beckel ins „Goldene Buch“ des Schrothkurorts ein und betonte, „Neues auszuprobieren“.

Augsburgs Bischof Bertram Meier in Oberstaufen: "Wir sollten hinschauen"

Nach einer gemeinsamen Vesper hatten die Mitglieder der Dekanatskonferenz Gelegenheit, mit Meier ins Gespräch zu kommen. Mit aktuellem Bezug zur Aussage von Ministerpräsident Markus Söder zur Hochwasserkatastrophe – „Wir brauchen einen Klima-Ruck“ – bemerkte Bischof Meier zur Situation der Kirche: „Wir brauchen einen Gottes-Ruck“.

In Anlehnung an die beiden Papst-Enzykliken „Laudato Si“ und „Fratelli Tutti“ stellte Meier fest: „Wir sollten uns als kirchliche Mitarbeiter fragen, was ist zu tun? Wir sollten hinschauen“, richtete er sich an die Anwesenden und nahm Bezug auf den Synodalen Weg, der im Herbst fortgesetzt wird. Der Bischof ging weiter auf den Film über Papst Franziskus „Ein Mann seines Wortes“ ein, in welchem der Papst feststellt, dass die Kirche taub sei für die Nöte der Menschen. „Wir sollten Aposteln und Apostelinnen des Ohres sein und hinhören“, forderte Meier auf. (Lesen Sie auch: Papst ernennt früheren Marktoberdorfer Kaplan Alois Zeller zum Monsignore)

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Bertram Meier - Das ist der neue Augsburger Bischof

Neue Kanäle erschlossen

Neue Kanäle seien während des Corona-Lockdowns erschlossen worden. Der Bischof dankte für das Zustandekommen neuer Angebote wie zum Beispiel Livestreams von Gottesdiensten. „Wir müssen versuchen, möglichst viel Jesus unter die Menschen zu bringen“, betonte er. Dabei seien für ihn sowohl Heilige Messen als auch Wortgottesfeiern mit Kommunionausteilung durch qualifizierte Frauen und Männer möglich, wo Eucharistiefeiern nicht möglich seien.

Mit Weiterbildungsmodulen solle die Trauerpastoral in die Bestattungskultur mit eingebunden werden. Hier sei Empathie vonnöten und nicht etwa „Konserven“-Predigten, betonte Meier. „Mein Ziel ist es, etwas Neues aufzumachen und auszuprobieren. Das heißt jedoch nicht, dass alles erlaubt ist“. Die Dekane sollten nicht nur Lautsprecher des Bischofs sein, sondern in ihren Führungspositionen Verantwortung übernehmen. (Lesen Sie auch: Missbrauchsvorwürfe: Verfahren gegen Memminger Dekan eingestellt)

Priester sollen entlastet werden

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Im anschließenden Austausch betonte der „Oberhirte“, dass die Aufgabenübernahme durch qualifizierte Frauen und Männer als Entlastung für die Priester gedacht sei. Die Menschen sollten aber keinesfalls die Frage stellen: „Brauchen wir die sakramentalen Gemeindepriester überhaupt noch?“ Bischof Bertram: „Der geweihte Priester macht nur Sinn im Dienst am Volk.“

Als weitere Themen sprach er die Ökumene an, die Jesus uns ins Stammbuch geschrieben habe, und ging auf das offene Miteinander in der Diözese ein. Er wünsche mehr kontemplative als konspirative Arbeit im Bistum. Wenn es etwas zu sagen gebe, dann sei er dafür, dies mit offenem Visier und nicht im Geheimen zu tun. (Lesen Sie auch: Weil "Gott kein Mann ist" - Priester Wohlgschaft über Zölibat und Gleichberechtigung in der Kirche)

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