Wirtshaus in Blaichach

Blaichach: Veranstaltungshalle statt Schießstätte?

Schießstadt Blaichach

Die Schießstätte heute, ein stillgelegtes Areal unter alten Laubbäumen. Ab 6. August ist dort der Grillstadel mit Biergarten an der Iller geöffnet.

Bild: Silvia Reich-Recla

Die Schießstätte heute, ein stillgelegtes Areal unter alten Laubbäumen. Ab 6. August ist dort der Grillstadel mit Biergarten an der Iller geöffnet.

Bild: Silvia Reich-Recla

Familie Ritzinger übernimmt Traditionshaus, das nun der Gemeinde Blaichach gehört. 2023 soll entschieden sein, ob dort eine neue Veranstaltungshalle gebaut wird

17.07.2020 | Stand: 18:11 Uhr

Die Gemeinde Blaichach hat ein Grundstück gekauft – manche würden sagen „ein Filetstück“. 3500 Quadratmeter ist es groß, liegt neben dem Schützenhaus und dem Feuerwehrhaus – und es ist ein Gasthof drauf (Schießstätte). Über den Kaufpreis schweigt Bürgermeister Christof Endreß – und auch der Verantwortliche des Vorbesitzers Königlich privilegierte Schützengesellschaft Blaichach, gibt keine Antwort auf diese Frage. Aber es gibt viele Verwendungsmöglichkeiten für dieses „Filetstück“, vielleicht wird eine neue Mehrzweckhalle darauf gebaut? Schließlich ist die alte Halle in der Jahnstraße marode. Seit Frühjahr 2019 heißt es dort „Betreten verboten“.

Bei einer Überprüfung des Gebäudes aus den 1960-er Jahren waren gravierende Sicherheitsmängel erkannt worden. Die Gemeinde handelte sofort. Jetzt steht ein Abriss zur Debatte. Falls der Abriss beschlossen wird, „stehen wir bei Null, was mit der Fläche passieren soll“. Grundsätzlich würde sich auf dem Areal ein Mehrfamilienhaus anbieten, sagt Endreß. Aber auch eine Kindertagesstätte wäre denkbar, denn die Tagesstätte St. Martin ist ein Sanierungsfall, ein Neubau im Gespräch. Eignet sich dafür die Fläche der maroden Mehrzweckhalle? Die Gemeinderäte werden demnächst darüber diskutieren. Die nahe Zukunft des Wirtshauses Schießstätte haben sie schon in nicht öffentlicher Sitzung beschlossen.

Ritzinger: "Sehr schöne Wirtschaft mit Biergarten"

Die Gemeinde als neuer Eigentümer, hat Pächter gesucht und gefunden. Sie betreiben schräg gegenüber ein gut gehendes Gasthaus zum Dorfwirt: Doris und Guido Ritzinger. „Vor drei Wochen sind wir vom Bürgermeister angesprochen worden, ob wir die Schießstätte übernehmen wollen.“ Guido Ritzingers Einschätzung: „Eine sehr schöne Wirtschaft mit Biergarten.“ Bis Ende 2023 läuft der Pachtvertrag. Dann soll entschieden sein, ob dort eine neue Mehrzweckhalle gebaut wird. Die über 100 Jahre alte Schießstätte wird dann wahrscheinlich abgerissen.

Die Mehrzweckhalle könnte als interkommunales Projekt realisiert werden, ist die Idee des Blaichacher Bürgermeisters. Denn auch im nahe gelegenen Burgberg gibt es derzeit keinen größeren Saal für Feierlichkeiten. Burgbergs Rathauschef André Eckardt weist auf die bisherige gute Zusammenarbeit mit Blaichach hin. „Die Überlegungen machen Sinn und müssen mit den Vereinen und dem Gemeinderat besprochen werden.“

Aber zunächst öffnet der neue „Grillstadel zum Dorfwirt mit Biergarten an der Iller“, wie die ehemalige Schießstätte dann heißt. Die Wirtsleute investieren 45 000 Euro. Die Fläche unter den alten Laubbäumen wird gekiest, eine Grillküche in einem Stadel im Freien eingerichtet. Am Donnerstag, 6. August, soll es losgehen. Dass es dort öfter mal laut knallt, wissen Ritzingers.

Im Keller ist der Pistolenstand

Die Schützengesellschaft mit ihren 120 Mitgliedern bietet im Schützenhaus zweimal in der Woche Schießtraining. Im Keller ist der Stand für Pistolenschützen (Klein- und Großkaliber). Der muss für 180 000 Euro saniert werden, um auf dem aktuellen Stand zu sein. Das ist schon seit Jahren klar. Aber der Schützengesellschaft fehlte dafür das Geld.

In das marode Dach der Schießstätte (bis vor Kurzem in Besitz der Schützengesellschaft) hätten darüber hinaus 80 000 Euro gesteckt werden müssen, sagt Schützenmeister Ludwig Högerl. Und auch der frühere Pächter der Schießstätte hatte bereits im Herbst angekündigt, den Vertrag nicht verlängern zu wollen. Der Verein entschied sich deshalb für den Verkauf des Gasthofs und des Geländes drumherum (3500 Quadratmeter). „Uns war klar, wir müssen verkaufen, sonst stirbt die Schützengesellschaft“, sagt Högerl. Das Schützenhaus (in den 1980er Jahren gebaut) mit den Sportanlagen bleibt aber in Besitz der Schützengesellschaft, die dieses Jahr 150 Jahre besteht.

Und was sagt der Schützenmeister zur Idee, in einigen Jahren neben das Schützenhaus eine Mehrzweckhalle zu bauen und die über 100 Jahre alte, ehemalige Schießstätte abzureißen? „Eine Mehrzweckhalle nebenan wäre in Ordnung.“ Für die Schützen sei es wichtig, einen Nachbarn zu haben, der die Geräusche durchs Schießtraining akzeptiert. Das sei bei einer Wohnbebauung kritisch. Bürgermeister Endreß denkt ähnlich.