Bürgerentscheid

Rettenberg stimmt für die Ortsumfahrung: 59 Prozent sind dafür

Nach dem Bürgerentscheid wartet noch viel Arbeit auf die Gemeinde. Der Vorentwurf zur geplanten Ortsumfahrung steht, muss aber noch genehmigt werden. Anschließend beginnt das Planfeststellungsverfahren, bei dem alle öffentlichen und privaten Belange nochmals geprüft werden.

Nach dem Bürgerentscheid wartet noch viel Arbeit auf die Gemeinde. Der Vorentwurf zur geplanten Ortsumfahrung steht, muss aber noch genehmigt werden. Anschließend beginnt das Planfeststellungsverfahren, bei dem alle öffentlichen und privaten Belange nochmals geprüft werden.

Bild: Benjamin Liss

Nach dem Bürgerentscheid wartet noch viel Arbeit auf die Gemeinde. Der Vorentwurf zur geplanten Ortsumfahrung steht, muss aber noch genehmigt werden. Anschließend beginnt das Planfeststellungsverfahren, bei dem alle öffentlichen und privaten Belange nochmals geprüft werden.

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59 Prozent stimmen für die neue Straße. Bürgermeister Weißinger freut sich über das Ergebnis und will Lösungen für die betroffenen Grundstücksbesitzer suchen.
20.02.2022 | Stand: 22:01 Uhr

Es war am Ende doch nicht so knapp, wie erwartet: 59 Prozent der Rettenberger stimmten am Sonntag für die Ortsumfahrung, 38 Prozent waren dagegen – 3 Prozent der Stimmen waren ungültig. „Ich bin sehr erleichtert über das deutliche Ergebnis“, sagte Bürgermeister Nikolaus Weißinger nach der Wahl. Und er freute sich über die hohe Wahlbeteiligung von 75,28 Prozent: „Das ist ein starkes Signal unserer Bürgerinnen und Bürger.“

Bürgerentscheid Rettenberg: 59 Prozent stimmen für Ortsumfahrung

Von 3621 Wahlberechtigten stimmten 1611 für die Pläne, 1046 waren dagegen. Für den Rathauschef steht damit fest: „Jetzt werden wir die Planungen konkretisieren.“ Außerdem müsse die Gemeinde Ausgleichsflächen für die betroffenen Grundstücksbesitzer finden, die für die Umgehungsstraße ihr Land abgeben müssten. „Da müssen wir gemeinsam und mit Nachdruck dran arbeiten“, sagt Weißinger. Doch erst müssten die Emotionen runterkühlen. Dann – da ist sich der Bürgermeister sicher – könne eine Lösung für alle gefunden werden.

Ernüchterung trat derweil bei der Bürgerinitiative (BI) „Rettenberg für alle“ ein. „Wir sind natürlich enttäuscht über das Ergebnis, müssen es aber akzeptieren“, sagte Mitinitiator Klaus Seestaller. Ihn verwundere es aber trotzdem, „dass jeder Nachhaltigkeit fordert, aber selber macht man es dann nicht“. Zudem zeigte sich Seestaller enttäuscht vom Bürgermeister und den Gemeinderäten: „Im Vorfeld öffentlich für eine Seite Stimmung zu machen, gehört sich nicht.“

Bürgerinitiative: Nicht auf Wahlsieg ausruhen

Bei der BI „Zukunft Rettenberg“ herrschte am Sonntagabend große Freude über das Ergebnis. Bernhard Bader, einer der Sprecher, ist „sehr stolz, weil wir etwas geschafft haben, was über 50 Jahre nicht erreicht wurde“. Doch auf den Wahlsieg ausruhen, will sich die BI nicht. „Wir müssen die Ärmel hochkrempeln und weiter am Ball bleiben“, sagte Bader. Jetzt heiße es, auf die „vermeintlichen Verlierer“ zuzugehen. . „Wir wollen mit ihnen in einer Bürgerwerkstatt zusammenarbeiten und eine gemeinsame Lösung für alle finden.“ Austauschflächen für die Grundstückseigentümer gebe es bereits, bestätigte Bader auf Nachfrage unserer Redaktion.

Nach der Auszählung im Rettenberger Rathaus war klar: Die Mehrheit der Bürger will die Ortsumfahrung. 59 Prozent stimmten für die neue Trasse.

Nach der Auszählung im Rettenberger Rathaus war klar: Die Mehrheit der Bürger will die Ortsumfahrung. 59 Prozent stimmten für die neue Trasse.

Bild: Benjamin Liss

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Die Planungen gehen nun weiter, erläuterte Weißinger: Dabei werde die Gemeinde mit dem Staatlichen Bauamt Kempten die weiteren Schritte einleiten. Sollte der Vorentwurf zur Ortsumfahrung (siehe Infokasten) genehmigt werden, würde zunächst ein Planfeststellungsverfahren starten. Dabei handelt es sich um ein besonders geregeltes Verfahren, in dem umfassend alle von dem Bauvorhaben betroffenen öffentlichen und privaten Belange geprüft und abgewogen werden. Erst nach dem positiven Abschluss des Planfeststellungsverfahrens bestehe Baurecht.

Das sind die Planungen zur Rettenberger Ortsumfahrung:

  • Die Ortsumfahrung soll 1,66 Kilometer lang werden und im Süden der Gemeinde verlaufen.
  • Der Flächenverbrauch beträgt ohne Ausgleichsflächen etwa 5 Hektar – ebenso werden rund 1,84 Hektar Fläche dauerhaft versiegelt.
  • Die Einschnittstiefen werden maximal 9,5 Meter, die Dammhöhen maximal 8 Meter betragen.
  • Die Kosten belaufen sich auf etwa 6,9 Millionen Euro.
  • Vorhabensträger der Ortsumfahrung und Träger der Baulast ist der Freistaat Bayern, vertreten durch das Staatliche Bauamt Kempten.
  • Der Freistaat Bayern übernimmt sämtliche Kosten des Baus.
  • Die Fahrbahn soll 8 Meter breit sein sowie beidseitig 1,50 Meter breite Bankette haben.
  • Autofahrer sollen mit 90 Stundenkilometern auf der neuen Trasse fahren dürfen.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Nach dem Bürgerentscheid: Die Verlierer nicht vergessen