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Cellist Danjulo Ishizaka setzt zu einem "Befreiungsschlag" in Fischen an

Freunde der Musik

Gern gesehener Gast bei den „Freunden der Musik“: Cellist Danjulo Ishizaka, hier als Solist bei einem Sinfoniekonzert im Oktober 2020 in Fischen.

Bild: Günter Jansen

Gern gesehener Gast bei den „Freunden der Musik“: Cellist Danjulo Ishizaka, hier als Solist bei einem Sinfoniekonzert im Oktober 2020 in Fischen.

Bild: Günter Jansen

Der deutsch-japanische Cellist Danjulo Ishizaka tritt mit der Pianistin Naoko Sonoda bei den „Freunden der Musik“ in Fischen auf. Was die Virtuosen spielen.
16.10.2021 | Stand: 18:30 Uhr

Mit der Sonate für Klavier und Violoncello op. 102, Nr. 1, C-Dur, ehrt die Sonthofer Gesellschaft „Freunde der Musik“ Ludwig van Beethoven anlässlich seines 250. Geburtstags. Ausführende sind der deutsch-japanische Cellist Danjulo Ishizaka und die japanische Pianistin Naoko Sonoda. Sie ist kurzfristig für den chinesischen Künstler Niu Niu eingesprungen, der wegen Corona keine Ausreisegenehmigung erhalten hat. Ishizaka konzertiert weltweit mit renommierten Orchestern und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, ebenso wie Naoko Sonoda. Auf dem Programm stehen außerdem die Sonate für Violoncello und Klavier in g-Moll von Frédéric Chopin sowie die „Suite für Cello solo“ des spanischen Komponisten Gaspar Cassadó. Mit dem Cellisten Danjulo Ishizaka sprach Veronika Krull.

Zu der Zeit, als Beethoven die Cello-Sonate schrieb, hat er sich viel mit Bach beschäftigt. Schlägt sich das auch in seiner Komposition nieder?

Danjulo Ishizaka: Genauso wie alle anderen konnte sich auch Beethoven nicht dem Einfluss von Bach entziehen – eine Art von Einfluss, den Beethoven auch später auf die folgenden Generationen haben sollte. Es ist ein Einfluss, wo die Grenzen zwischen Vorbild einerseits und einem unüberwindbaren Hindernis verschwimmen. Gerade das op. 102 von Beethoven gilt als das Tor zu einer späten Schaffensphase, und man kann es gleichzeitig als Befreiungsschlag vom Alten sehen. Es ist ein beeindruckendes Dokument dafür, wie Beethoven sich musikalisch immer wieder neu erfinden konnte. Das Streben nach dem Absoluten und dem Göttlichen in der Musik ist hierbei sicherlich einer der Einflüsse von Bach.

Sie spielen auch eine Suite für Cello solo des spanischen Komponisten Gaspar Cassadó. Was zeichnet dieses Stück aus?

Ishizaka: Die Suite von Gaspar Cassadó fügt sich in mehrerer Hinsicht in die Reihe von Folklore geprägter Werke für Violoncello solo ein – insbesondere ist in diesem Zusammenhang die wenige Jahre zuvor entstandene Solosonate von Zoltan Kodály zu nennen. Cassadós Suite stellt technisch dabei vergleichbar hohe Anforderungen an den Cellisten wie die Sonate von Kodály und lotet nicht nur die instrumentalen Möglichkeiten aus, sondern auch das Spektrum der emotionalen Dimensionen. Auch wie die Sonate von Kodály vermag die Suite von Cassadó klanglich ein überraschend großes Spektrum auszufüllen, welches man von einem Solo-Streichinstrument nicht erwarten würde. Dabei hält sie durch ihren sehr folkloristischen Charakter die spanische Urkultur sehr hoch, indem sie mit großer Klarheit Charakteristika und Gesten auf assoziative Weise wiedergibt. Es ist eine Sonate, die sich kompositorisch und instrumental auf höchstem Niveau ansiedelt, vor allem, wenn man bedenkt, dass sie von dem Virtuosen selbst geschrieben wurde.

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Chopin schrieb nur eine einzige Cello-Sonate. Er selber war nicht recht zufrieden damit. Hatte er Recht?

Ishizaka: In der Tat wird die Sonate von Chopin nach wie vor kontrovers betrachtet. Interessanterweise war Chopin neben Rachmaninow nicht der einzige romantische Klaviervirtuose, der mit seiner Sonate mit einem Streichinstrument nicht so glücklich war. Meiner Meinung nach aber völlig zu Unrecht – nicht nur die Tatsache, dass beide Werke zu den wichtigsten Werken ihrer Gattung gehören, bezeugen dies. Ich würde die Qualität der Sonate nicht einmal nur an der Besonderheit festmachen wollen, dass sie von Chopin die einzige Sonate für Klavier und ein Streichinstrument ist. Sie wird oftmals in ihrem charakterlichen Wesen einfach nicht richtig verstanden. Meiner Meinung nach mag sie zwar von der Instrumentierung, zumindest das Cello betreffend, nicht die stärkste Komposition sein, die melodischen Qualitäten und das poetische Moment wiegen das jedoch um ein vielfaches wieder auf.

Naoko Sonoda begleitet Sie am Klavier. Es ist nicht das erste Mal, dass Sie zusammen auftreten?

Ishizaka: Wir haben schon bei vielen Projekten zusammen musiziert und gearbeitet. Uns verbindet eine lange Freundschaft. Ich schätze an Naoko Sonoda ihre impulsive Art zu musizieren und ihren klaren musikalischen Willen. Mit ihr funktioniert das gemeinsame Musizieren so, wie man es sich in der Kammermusik vorstellt – es ist ein Geben und Nehmen, ein gegenseitiges Zuhören und Führen.

Sie sind in großen Konzertsälen zu Hause. Was reizt Sie an einem Auftritt im ländlichen Raum?

Ishizaka: Ich trete besonders gerne im ländlichen Raum auf. Es hat oft etwas Persönliches, und den Kontakt zum Publikum empfinde ich da oft als lebendiger und direkter. Das ist für mich ein ganz wichtiger Faktor beim Konzertieren. Ein gutes Bühnenerlebnis ist nicht unbedingt abhängig von einem großen Saal. Insofern freue ich mich sehr darüber, wieder in Fischen zu musizieren.

Meisterkonzert: Cellist Danjulo Ishizaka und Pianistin Naoko Sonoda spielen am Sonntag, 17. Oktober, um 17 und um 19.30 Uhr in der Fiskina in Fischen. Die Spieldauer beträgt jeweils etwa eine Stunde. Es gibt keine Pause. Für den Besuch gilt die 3G-Regel. Es gibt noch Restkarten für beide Konzerte an der Abendkasse.

Die Sonthofer Gesellschaft "Freunde der Musik".

Der Cellist Danjulo Ishizaka.

Die Pianistin Naoko Sonoda.

Der Cellist und Komponist Gaspar Cassadó.

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