Energie- und Umweltzentrum Allgäu

„Check dein Dach“: Was die kostenlose Aktion Hausbesitzern bringt

EZa haus von haug

Neubauten sind oft mit einer PV-Anlage bedeckt. So kann Strom im Haus genutzt werden, die überschüssige Energie landet im Stromnetz. Aber wie sieht es bei Altbauten aus?

Bild: Reich-Recla

Neubauten sind oft mit einer PV-Anlage bedeckt. So kann Strom im Haus genutzt werden, die überschüssige Energie landet im Stromnetz. Aber wie sieht es bei Altbauten aus?

Bild: Reich-Recla

Das Energie- und Umweltzentrum Allgäu (Eza) bietet im Rahmen von „Check Dein Dach“ eine Beratung. Um was es dabei geht und was es bringt.
27.04.2021 | Stand: 12:27 Uhr

„Check Dein Dach“ heißt eine Beratung vom Energie- und Umweltzentrum Allgäu (Eza) zusammen mit Oberallgäuer Gemeinden. Derzeit werden für Bad Hindelang 30 kostenfreie Termine für Dachchecks vergeben. „24 sind noch zu haben“, sagt René Roldao, Klimaschutzmanager der Gemeinde. Ziel sei es, „die passende Lösung zur Nutzung von Sonnenenergie zu finden“. Auftaktveranstaltung für „Check Dein Dach“ in Bad Hindelang war im Ortsteil Gailenberg beim stellvertretenden Landrat Roman Haug. Wir checken, um was es dabei geht:

"Check dein Dach": Einspeisevergütung läuft nach 20 Jahren aus

Die Einspeisevergütung von Roman Haugs Photovoltaik-Anlage (PV) läuft nach 20 Jahren aus. Damals gab es noch 50 Cent pro erzeugter Kilowattstunde (kWh) Strom. „Bei heute montierten Anlagen sind es knapp acht Cent/kWh und die Haupteinsparung beruht auf dem Verbrauch des selber erzeugten PV-Stroms“, sagt Stefan Schleszies, Energieberater bei Eza. Die Investitionskosten seien zudem enorm gesunken.

Für die weitere Nutzung der Altanlage gebe es die Möglichkeit, nach wie vor voll einzuspeisen oder aber einen Teil der Energie im eigenen Haushalt zu nutzen. Dazu müsste aber in der Regel der Zähler umgerüstet werden. „Im Zweifel abwarten und neutral informieren, anstatt 500 bis 1000 Euro in den Umbau zu stecken.“ (Lesen Sie auch: Car-Sharing auf dem Land: In Wiggensbach testen Bürger nun kostenlos E-Autos)

Kann man Strom bald regional speichern?

Warum aber abwarten? Schleszies: „Zukünftig werden sich durch Öffnung des Strommarktes weitere Möglichkeiten der Vermarktung ergeben.“ Es wäre vielleicht möglich, sich mit seinem Strom produzierenden Nachbarn zusammen zu tun, meint Schleszies und er nennt andere Ideen, die möglich werden könnten: „Wenn viel Strom zur Verfügung steht, könne man diesen vielleicht regional speichern – in großen Batterien oder sogar umgewandelt in Wasserstoff. Da wird sich in den kommenden Jahren einiges entwickeln.“

Roman Haug möchte sich eventuell ein Elektroauto kaufen und auch eine „Wallbox“, also eine eigene Starkstrom-Ladestation fürs Auto zulegen. Deshalb denkt er über die Installation einer weiteren PV-Anlage auf seinem Dach nach. Die jetzige ist 20 Jahre alt und liefert maximal 2500 kWh im Jahr. „Es sind immer noch 2200 kWh im Jahr“, sagt Schleszies. Solarmodule würden über viele Jahre gut wirken. Auch über 20 Jahre hinaus. Der Wechselrichter sei einmal ausgetauscht worden. Er gehört zu jeder PV-Anlage, wandelt Gleichstrom der Module um in Wechselstrom, wie er im Haushalt genutzt wird. (Lesen Sie auch: So soll das Allgäu bis 2030 klimafreundlicher werden)

Über 800 Energieberatungen jährlich beim Energie- und Umweltzentrum Allgäu

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Über 800 Energieberatungen führten die Eza-Fachleute übrigens 2020 durch. Bei einer Beratung komme ein gewisser Aha-Effekt. Schleszies: „Die Anlagen sind heute nicht mehr so teuer, wie noch vor 20 Jahren.“ Meist reiche pro vierköpfiger Familie eine Investition von 5000 bis 6000 Euro aus. Und das interessiere dann doch viele Leute. „Ich habe mit diesem Invest einen größeren Vorteil, als wenn ich das Geld auf der Bank liegenlasse – und ich kann beitragen, CO2-freien Strom zu produzieren.“

Hindelangs Klimaschutzmanager Roldao sagt zur Aktion: „Der Energieberater analysiert vor Ort Dachtyp, Dachzustand, Schräge, Verschattungsgrad, den Strombedarf sowie vorhandene Heizungsanlagen und Anschlussmöglichkeiten.“ Das passiere alles „produktneutral und ohne Verkaufsabsicht“. Die Eza-Beratung vor Ort kostet in der Regel 30 Euro. Für 30 Häuslebesitzer in Bad Hindelang ist die Beratung derzeit kostenfrei. „Check Dein Dach“ wird finanziert von Eza und der jeweiligen Gemeinde.

Und wer sich für PV-Module fürs Dach entscheidet, findet der denn auch Fachfirmen vor Ort, die die Anlage bald montieren können? Schleszies geht davon aus, dass innerhalb von drei bis sechs Monaten eine PV-Anlage mit allen Anschlüssen und einem neuen Zähler (wie viel ist Eigenverbrauch, wie viel fließt ins Netz) eingebaut sein kann. Dazu gibt es übrigens eine Partnerliste bei Eza.

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