Corona hemmt das Singen im Chor

Chorleitern im Oberallgäu fehlt die Perspektive

Ein erster Auftritt in weitem Abstand nach dem Mitte März wegen der Corona-Pandemie verhängten Lockdown: Der Singkreis Blaichach gestaltet den Abschied des Pfarrerehepaar Marlies und Ulrich Gampert in der evangelischen Erlöserkirche Immenstadt mit.

Ein erster Auftritt in weitem Abstand nach dem Mitte März wegen der Corona-Pandemie verhängten Lockdown: Der Singkreis Blaichach gestaltet den Abschied des Pfarrerehepaar Marlies und Ulrich Gampert in der evangelischen Erlöserkirche Immenstadt mit.

Bild: Günter Jansen

Ein erster Auftritt in weitem Abstand nach dem Mitte März wegen der Corona-Pandemie verhängten Lockdown: Der Singkreis Blaichach gestaltet den Abschied des Pfarrerehepaar Marlies und Ulrich Gampert in der evangelischen Erlöserkirche Immenstadt mit.

Bild: Günter Jansen

Einige Laienchöre in der Region üben schon wieder, andere lassen den Betrieb ruhen. Welche Probleme die Schutzauflagen wegen der Corona-Pandemie den Ensembleleitern bereiten.
09.08.2020 | Stand: 13:50 Uhr

Der Biberhof, die FOS-Aula, die Eissporthalle in Sonthofen, die evangelische Kirche in Blaichach: Eins ist allen gemeinsam. Sie wurden in den vergangenen Wochen zu Probenräumen für Laienchöre umfunktioniert. Und es gab sogar schon einen ersten Auftritt nach dem Mitte März verhängten Corona-Lockdown. Der Singkreis Blaichach begleitete musikalisch den Abschied vom Pfarrer-Ehepaar Gampert in Immenstadt. In voller Besetzung mit 30 Sängern vor der Kirche und mit fünf im Innenraum.

Auch die „Allgäuer Kehlspatzen“ lassen probehalber wieder gemeinsam ihre Stimmen erschallen. Ein öffentlicher Auftritt sei aber in absehbarer Zeit nicht geplant, so Dirigent Michael Dreher. Die „Soulful Voices“ unter der Leitung von Michael Hanel dagegen schweigen derzeit. Ebenso wie der Männerchor Kleinwalsertal: „Die Sänger wollen nicht“, sagt Chorleiter Christof Krippendorf. Einen regelmäßigen Probenbetrieb will auch Singkreis-Leiterin Bernadette Kreuzer-Jehle vorerst nicht aufnehmen. Weitere Auftritte sind momentan ebenfalls nicht geplant. „Wenn jetzt die Fallzahlen wieder steigen, fühle ich mich überhaupt nicht wohl.“

Die beiden Chorproben vor dem Gampert-Abschied konnte sie gut in der evangelischen Kirche in Blaichach vornehmen, obwohl das Manöver „wahnsinnig anstrengend“ gewesen sei. Sie hat die rund 30 Sänger in zwei Gruppen aufgeteilt und mit ihnen nacheinander geprobt. „Die Leute waren total heiß drauf, wieder miteinander zu singen.“ Fenster und Türen standen jeweils offen. Mit dem Gesamtchor hat Kreuzer-Jehle dann draußen geübt. „Aber das ist wesentlich schwieriger“, sagt sie. „Keiner kann sich an den anderen hängen, jeder ist auf sich gestellt.“ Jetzt will sie „von Woche zu Woche“ entscheiden, wie es weiter geht.

„Sie haben sich gefreut, endlich wieder singen zu können“, bestätigt auch Michael Dreher, nachdem er die Proben wieder aufgenommen hat. Neben den „Allgäuer Kehlspatzen“ leitet er noch den Singkreis „Cantamo“ sowie den Jugendchor der Musikschule Oberallgäu-Süd. Mit den „Kehlspatzen“ hat er die erste Probe in der letzten Juniwoche durchgeführt: auf dem Gelände des Biberhofs. „Eigentlich sinnfrei“, sagt Dreher. Denn auch draußen müssen die Abstände eingehalten werden, es gebe für die Sänger keine akustische Unterstützung: „Jeder hört nur sich selber“, hat er die gleiche Erfahrung wie Kreuzer-Jehle gemacht.

Jetzt dürfen sie in der Aula der Fachoberschule üben – der Schulleiter singt selber im Chor mit. Normalerweise sind es rund 30 Sänger, zur Zeit treffen sich maximal 24: „Ein paar haben sich abgemeldet, weil ihnen die Lage zu kritisch war.“ Während des Lockdowns hat er ihnen auch Aufnahmen per Mail geschickt, wo jeder dann zu Hause mitsingen konnte. „Aber das hat nichts mit Chorsingen zu tun.“ Als „großes Problem“ sieht Dreher, „dass die Perspektive fehlt“. Im Sommer war ein größerer Auftritt geplant, der wegfällt. Noch nicht sicher sei eine Veranstaltung am Buß- und Bettag im „Grünen Zentrum“ in Immenstadt. Möglicherweise wird es noch ein „open-air“-Konzert geben. Mit „Cantamo“ ist ein Auftritt im Advent vorgesehen: Die Sänger hatte er zur Probe auch schon in die Eissporthalle eingeladen.

Aufs Proben mit den „Soulful Voices“ verzichtet Michael Hanel derzeit ganz. „Gerade die Art von Musik, die wir machen, die Close Harmony, verlangt eigentlich einen sehr kompakten, dichten Klang.“ Das sei unter den gegebenen Umständen nicht möglich. Außerdem „kann der Chorklang nur dann wachsen, wenn sich die Sänger gut hören.“ Davon abgesehen, sei auch der Probenraum, das Pfarrheim in Sonthofen-Rieden, zu klein, wenn die gebotenen Abstände eingehalten werden sollen. Das neue Programm, das mit dem Shutdown auf Eis gelegt wurde, sei jetzt „im Werden“. Nach den Sommerferien will Hanel dann seinen Sängern Noten und Hörbeispiele schicken. Im Frühjahr, hofft er, könne dann vielleicht das traditionelle Dankeschön-Konzert in der Pfarrkirche St. Christoph starten.

Auch mit dem Kirchenchor von St. Nikolaus gibt es keine Proben. In kleinen Gruppen zu üben, sei „sehr ineffektiv“. Das gemeinschaftliche Singen könne so nicht aufrechterhalten werden, eine Probe müsse man auch als ein „soziales Event“ ansehen. Auch die lange Vorgabenliste der Diözese, die unter anderem alle 20 Minuten eine Pause verlangt und die Probendauer auf eine Stunde beschränkt, sei nicht wirklich machbar. „Bis der Letzte sein Notenblatt gefunden hat, kann ich sie schon wieder heimschicken.“ Das sei für alle unbefriedigend, „wir sind alle traurig“, fasst Hanel die Stimmung der Sänger zusammen.