Einzelhandel im Lockdown

"Click & Collect" im Oberallgäu bedeutet mehr Arbeit für weniger Umsatz

Stefanie Frank gehört zu den vielen Einzelhändlern im Oberallgäu, die während dem Lockdown ihre Waren weiterhin per „Click & Collect“ anbieten.

Stefanie Frank gehört zu den vielen Einzelhändlern im Oberallgäu, die während dem Lockdown ihre Waren weiterhin per „Click & Collect“ anbieten.

Bild: Benjamin Liss

Stefanie Frank gehört zu den vielen Einzelhändlern im Oberallgäu, die während dem Lockdown ihre Waren weiterhin per „Click & Collect“ anbieten.

Bild: Benjamin Liss

Die Oberallgäuer Einzelhändler haben mit „Click & Collect“ alle Hände voll zu tun. Sie verkaufen aber deutlich weniger als zu Zeiten der regulären Öffnung.
05.02.2021 | Stand: 05:30 Uhr

Noch mehr als zuvor ist im Lockdown das Telefon zum ständigen Begleiter der lokalen Einzelhändler geworden. Denn „Click & Collect“, also Ware online bestellen und dann vor Ort abholen, wird oft zum „Call & Collect“, anrufen und abholen. Der Service bedeutet für die Einzelhändler einen deutlich größeren Aufwand. Unterm Strich ist der Umsatz dabei geringer als zu Zeiten der regulären Öffnung.

"Click & Collect" wird oft zum "Call & Collect"

Die langen Beratungen am Telefon zehren an den Kräften von Marion Bühler und ihrem Team. Gemeinsam mit ihrem Mann Thomas leitet sie das T+M Sportgeschäft in Blaichach. „Wir sind richtig platt“, erzählt die 56-Jährige. Von ihrem Smartphone schicke sie Fotos von verschiedenen Produkten an die Kunden, sodass sie auswählen können. Das kostet Zeit. Einen Onlineshop einzurichten lohne sich für sie nicht. Allerdings sei eine Art digitales Schaufenster in Planung. Generell werde das Angebot sehr gut angenommen. „Unser Kunde ist der Einheimische, nicht der Urlauber“, sagt Bühler. Davon habe sie jetzt profitiert. Trotzdem sei der Umsatz im Januar auf circa ein Drittel des Vorjahres zusammengeschrumpft.

Mit einem starken Einbruch der Einnahmen hat auch die Firma Kern in Immenstadt zu kämpfen. Es werde „so gut wie nicht nachgefragt“, sagt Bianca Kern. Beim Kauf von Bodenbelägen oder Zimmertüren gehe es um „gucken, sehen, fühlen“, sagt die 45-Jährige. Das sei einfach nicht möglich. Da helfe auch die virtuelle Raumanimation nicht. Aktuell hätten sie ein bis zwei Kunden am Tag. Zum Vergleich: Sonst seien es 15 bis 20. Kern hat dafür Verständnis. Einen Bodenbelag für ein oder zwei Tausend Euro, kaufe man nicht im Internet. „Sowas muss man fühlen“, sagt sie.

Emotionen können nicht am Telefon verkauft werden

Um Emotionen geht es auch bei der Gärtnerei Frank in Fischen. Diese könne sie nicht am Telefon verkaufen, sagt Inhaberin Stefanie Frank. Auf die Frage, ob sich das Geschäft mit „Click & Collect“ für sie lohne, lacht sie zuerst nur. „Wir wollen vor allem mit den Kunden in Kontakt bleiben“, fügt die 40-Jährige dann hinzu, „ob es sich rentiert, wird sich zeigen.“ Als besonders ungerecht empfindet sie, dass große Supermärkte und Discounter ihre Blumenabteilungen weiterhin geöffnet haben. Außerdem fehlten die Spontankäufe. Ab dieser Woche sei sie auch auf den sozialen Medien präsent und hoffe auf ein neues, jüngeres Kundenklientel.

Bewusst gegen diesen Schritt entschieden hat sich Alice Sodeur von Bücher Greindl in Sonthofen. „Wir setzen den Fokus auf das Analoge“, sagt sie. Außerdem möchte man Sachen nicht halbherzig machen und die sozialen Medien kosteten eben viel Zeit. „Wenn man eine Stammkundschaft hat, kann man über die Runden kommen“, sagt die 43-Jährige. Bereits seit 2010 hat Bücher Greindl einen Onlineshop. Das kommt dem Unternehmen jetzt zu Gute. „Viele Kunden kannten den Shop schon“, sagt Sodeur.

Der Wunsch nach "Private Shopping"

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Auf eine Stammkundschaft zählen kann auch der Häusler Modepunkt in Immenstadt. „Wir kennen unsere Kunden zu 90 Prozent“, sagt Jana Häusler. Unter ihnen seien circa die Hälfte auswärtige Kunden, die weiterhin nachfragen. Ein Problem sei aber, „dass wir nur 10 Prozent des Sortiments zeigen können“, sagt die 28-Jährige. Retouren bekämen sie nur „relativ wenig“. Schön fände sie es außerdem, wenn ein „Private Shopping“, das Empfangen eines einzelnen Kunden im Laden, möglich wäre.

Bei "Click & Collect" geht es um den Kundenkontakt

Wie Häusler, Sodeur und Frank geht es auch Bühler beim „Click & Collect“ hauptsächlich um den Kundenkontakt. „Wir lassen unsere Kunden nicht allein“, sagt sie. In diesem Sinne sei es sozusagen eine Investition in die Zukunft. „Wir haben keine andere Möglichkeit“, sagt Häusler. Auf die Frage, was sich Sodeur denn für die Zukunft wünsche, antwortet sie: „Eine Perspektive.“

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