Orgelmusik in Immenstadt

"Da klingt alles gut": Orgelexperte spielt in St. Nikolaus in Immenstadt

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„Die Immenstädter Orgel ist ein großes Instrument. Da klingt alles gut“: Der slowakische Organist Stanislav Šurin gestaltet ein buntes Programm.

Bild: Šurin

„Die Immenstädter Orgel ist ein großes Instrument. Da klingt alles gut“: Der slowakische Organist Stanislav Šurin gestaltet ein buntes Programm.

Bild: Šurin

Nach der Corona-Zwangspause beginnen die Konzerte in der Immenstädter Kirche St. Nikolaus wieder. Was der Slowake Stanislav Šurin zum Neustart spielt.
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Von Veronika Krull
21.07.2021 | Stand: 15:00 Uhr

Werke von Bach und Mendelssohn Bartholdy, aber auch von slowakischen Komponisten stehen auf dem Programm des Orgelkonzerts am kommenden Sonntag in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Immenstadt. Im Rahmen des „Bayerischen Orgelsommers“ spielt Stanislav Šurin. Er studierte Orgel unter anderem am Staatlichen Konservatorium in Bratislava und am Diözesankonservatorium in Wien. Šurin gab Orgelkonzerte in vielen europäischen Staaten, in den USA, Mexiko, Kanada, Japan, Hongkong, Russland, Usbekistan und Kasachstan. Er ist Gründer und Organisator internationaler Orgelfestivals. Seit 2002 unterrichtet er Orgel an der Katholischen Universität in Ruomberok. Er ist außerdem Orgelsachverständiger für die Restaurierung historischer Orgeln und für den Bau neuer Instrumente. Mit dem slowakischen Organisten und Komponisten sprach Veronika Krull.

Nach welchen Gesichtspunkten haben Sie das Programm zusammengestellt?

Stanislav Šurin: Es ist ein buntes Programm. Die Orgel in Immenstadt ist eine große Orgel: Da klingt alles gut. Ich versuche aber auch immer, etwas aus meinem Heimatland vorzutragen. Am Anfang spiele ich barocke Musik aus „Der Bunte Sammelband“ aus Leutschau. In Leutschau stand in der Pfarrkirche die älteste Orgel der Slowakei, eine barocke Orgel. Die Orgel gibt es heute nicht mehr. In dem Sammelband finden sich über 200 kleine Kompositionen in freiem barocken Stil. Der slowakische Komponist Jan Valach hat einige Stücke ausgewählt und für Orgel bearbeitet.

Sie spielen Werke von Bach und Mendelssohn, aber auch von eher weniger bekannten Komponisten wie Bossi und Duruflé. Welche Stellung haben sie in der Musikliteratur?

Šurin: Marco Enrico Bossi war Italiener, in seiner Zeit haben viele italienische Komponisten Stücke für Orgel geschrieben. Diese waren stark beeinflusst von der romantischen Oper. Das heißt, bei Bossi hören Sie Oper auf der Orgel. Bossi hat einen eigenen Stil, er hat 120 Kompositionen geschrieben, nicht nur für die Orgel. Das Stück „Chant du soir“ beginnt mit Streichern, und zum Schluss hört man die Glocken im Turm. Maurice Duruflé war ein sehr bedeutender französischer Komponist, in der Tradition von César Franck. Von „Veni creator“ spiele ich den „Choral Varié“, den er als erstes geschrieben hat. Später kamen noch das Präludium und das Adagio hinzu. Es ist eine feine, moderne Musik. Man spürt schon, dass es ein bisschen anders ist. Es sind Variationen über gregorianische Hymnen.

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Mit Petr Eben ist auch ein Landsmann von Ihnen vertreten. Wie klingt seine Musik?

Šurin: Petr Eben habe ich persönlich gekannt, wir hatten eine enge Beziehung. Ich habe ihn mal eingeladen, in meiner Heimatstadt zu spielen. Er hat auf der Orgel improvisiert und mir später das Manuskript geschenkt. Das ist sehr wertvoll. Eben hat drei große Orgelzyklen komponiert. Als 16-Jähriger hat er das Konzentrationslager überlebt. Das hat Spuren in seinem Werk hinterlassen. Ich spiele aus dem dritten Zyklus „Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens“ das Stück „Die süßen Ketten der Liebe“. Die Texte stammen von Jan Comenius, einem tschechischen Bischof und großen Dichter. Eben hat zwei Teile ausgewählt: Im ersten geht es um die Liebe zwischen zwei Menschen, im zweiten um die Liebe zwischen Mensch und Gott. Eben improvisiert hier ganz locker, er beginnt sehr angenehm mit einem wunderbaren mährischen Lied. Das zweite Thema ist ein Choral.

Auch von Ihnen sind drei Stücke zu hören. Wie würden Sie Ihre Kompositionen beschreiben?

Šurin: Die Stücke sind angenehm zu hören. Sie sind nicht im Dur-Moll-System geschrieben, sondern in verschiedenen modalen Tonarten, aber trotzdem hörbar. Das Präludium ist ein früheres Stück, das hat mein Sohn in der Musikschule auf dem Klavier gespielt. „Nostalgie für Alenka“ habe ich für meine Tochter geschrieben. Und „Fanfare“ ist die Eröffnung einer Messe, die ich komponiert habe, ursprünglich für Pauke und Orgel.

Orgelkonzert: Stanislav Surin spielt am Sonntag, 25. Juli, um 19.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Immenstadt. Der Eintritt ist frei, Spenden zugunsten des Vereins „Freunde der Kirchenmusik St. Nikolaus Immenstadt“ sind erbeten.

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