Jazz aus dem Allgäu

Da machen die Zuhörer große Ohren:: Jazz von Tiny Schmauch mi "Redbax" in Sonthofen

Zwei von „Redbax“: Tiny Schmauch und Flori Mayer.

Zwei von „Redbax“: Tiny Schmauch und Flori Mayer.

Bild: Rainer Schmid

Zwei von „Redbax“: Tiny Schmauch und Flori Mayer.

Bild: Rainer Schmid

Der Abend mit den Allgäuer „Redbax“ in der Sonthofer Kultur-Werkstatt macht den Musikern hörbar genauso viel Spaß wie dem corona-trotzenden Publikum.
16.11.2021 | Stand: 15:00 Uhr

Eigentlich sind die Allgäuer „Redbax“ – ja, die mit den roten Instrumententaschen – zu fünft: Klavier, Bass, Schlagzeug und zwei Bläser. Aber bei diesem Extraklasse-Konzertabend in der Sonthofer Kultur-Werkstatt fehlt der Trompeter. „Er ist halt nicht geimpft“, erklärt Bassist Tiny Schmauch lakonisch. Kein Problem. Der Oberstdorfer Flori Mayer an Tenor- und Sopransaxophon bläst locker für zwei.

Und wie! Schon beim ersten Schmauch-Titel „Amrain2“ machen die Zuhörer große Augen (und Ohren). Wie da der Flori sich ans Tenorsax hängt, in die Knie geht, die höchsten Töne aus dem mattgoldenen Klappenrohr zwingt …

Doch als wollte sie ebenfalls gleich ihren Teil zum Trompeter-Ersatz beitragen, greift darauf Masako Sakai voll in die Tasten des robusten Kawai-Flügels. Soliert, gespickt mit erstaunlich passenden Patterns – gerne gegenrhythmisch akzentuiert – ihren Part.

Mut zur Dissonanz

Ein ostinates Kontrabass-Solo startet das nächste Stück. Mit Mut zur Dissonanz, dabei markant synkopisch, legt das Klavier das Thema drüber. Unversehens ergeben sich schön zweistimmige Passagen von Bass und Klavier. Und Flori Mayer überrascht mit wundersam lyrischer Melodik am Sopransax, dramatisch-spannend eingebaut ins Bass-Klavier-Harmoniegeflecht. Warum nur – kann man sich verwundert fragen – macht Schmauch den Clown und nennt das vierteilige Stück „Kröten, Tröten, Flöten, Erröten“?

„Scheptrusche“ – oder so ähnlich – soll auf Österreichisch Schubkarre heißen. Ein Titel jedenfalls, bei dem Masako Sakai klug dosiert Bachsche Barock-Muster-Erfindungen in ihr farbensprühendes Solo einflicht.

„Klassiker“ eingestreut

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Als dynamischen Kontrast streut Schmauch ein paar „Klassiker“ ins Programm. „Das ist so was Ähnliches wie ‘n Blues“, kündigt er den legendären Sechzehntakter „Footprints“ von Wayne Shorter an: Schon bluesig in der Stimmung, sogar mit ursprünglich nur zwei Harmonien – aber wie differenziert, raffiniert arrangiert und soliert!

Die knallhart funkige „Cold Duck“, kalte Ente, von Eddie Harris, sowie die „Seven Steps to Heaven“ von Miles Davis im rasenden Up-Tempo sind frisch gemähte Spielwiesen sowohl für Schmauchs virtuosen Kontrabass, als auch für den gut informierten Drummer Simon Kerler. Ein waschechter Jazzabend, der offensichtlich den Vieren auf der Bühne genauso viel Spaß gemacht hat wie dem corona-trotzenden Publikum.

Der Jazzmusiker Tiny Schmauch aus Kaufbeuren.

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