Bad Hindelang

Das Abenteuer Holz

Christoph Finkel

Christoph Finkel

Bild: Foto: Irmgard Rampp/Christoph Finkel

Christoph Finkel

Bild: Foto: Irmgard Rampp/Christoph Finkel

Kunst Der Bildhauer Christoph Finkel aus Bad Hindelang schafft aus massiven Blöcken Schalen und Vasen, die filigran und leicht wirken. Ein sensibler Trocknungsprozess verleiht den Gefäßen die endgültige Form
03.04.2020 | Stand: 15:25 Uhr

Es ist der Lauf der Natur: Die parallel zueinander, geometrisch exakt herausgearbeiteten feinen Relieflinien verlieren mit der Zeit an Substanz, werden wellig und dünn. Manchmal sogar hauchdünn. Wie ein feiner Kokon umspannen sie am Ende den hohlen Kern. Der gleicht einem Gefäß: einer Vase, einer Schale oder einer Kugel mit Öffnung, die den Blick freigibt auf weitere Kugeln im Innern. Den langwierigen letzten Schritt der Entstehung solcher Arbeiten verkürzt ein Film auf wenige Minuten.

Viele Fragen werfen die filigranen Holzobjekte von Christoph Finkel beim Betrachter auf. Einige beantwortet der Bad Hindelanger Holzbildhauer in kleinen Videofilmen, die auf seiner Internetseite zu finden sind. Sie skizzieren, wie die Arbeiten des 48-Jährigen entstehen.

Christoph Finkel findet das Holz für seine Werke im Ostrachtal: in von Lawinen oder wegen Altersschwäche gefällten Bäumen: Ahorn, Eiche, Apfel, Birne, ... Aus dem Stamm löst er zunächst mit Kettensäge und Sapie einen Block heraus, schneidet ihn mit der Kettensäge grob zu und bearbeitet ihn dann mit Feingefühl und Ausdauer an einer speziell angefertigten Drechselbank. Nach dieser langwierigen Handarbeit wird das Objekt ausgespannt. Es beginne dann der „sensible Trocknungsprozess“, erklärt Christoph Finkel. Der könne je nach Größe und Form mehrere Monate dauern. „In dieser Zeit verformt sich das Gefäß zu einem einzigartigen Kunstwerk.“

Jedes Stück Holz habe dabei seinen eigenen Willen und Charakter, die jedes Gefäß zu einem „einzigartigen Abenteuer“ machen, weiß Christoph Finkel. Denn verschiedene Faktoren wie Holzart, Faserstruktur und Feuchtigkeitsgehalt beeinflussen das Endergebnis.

Es gleicht organischen Gebilden, die der Tierwelt abgespäht erscheinen: den zarten, fast durchsichtigen Flossen von Sepien, die sich wie ein Kranz um den Körper legen, so wie ein Ring um einen Planeten. Nur dass hier eine Vielzahl feiner bis feinster Lamellen den Kern des Gefäßes umgeben. Maserung, Astlöcher oder Risse sorgen für zusätzliche Spannung im Erscheinungsbild.

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Die Variantenvielfalt ist verblüffend: Erinnern manche Gefäße an gefaltete oder aufgezogene Lampions, so türmen andere verschiedene kugelähnliche Formen übereinander wie Glieder eines Insekts oder einer Raupe. Die fein herausgearbeiteten, filigranen Lamellen liefern dabei gleichsam das stützende Korsett. Sie verleihen dem massiven Stoff Holz Leichtigkeit, ja fast Schwerelosigkeit. Wieder andere Schalen bestechen durch die schlichte Schönheit ihrer klassischen Form. Und sogar eine filigran aus einem Ahorn geformte Schraube findet sich in jener ausgewählten Kollektion, die der Künstler auf seiner Internetseite präsentiert.

Christoph Finkel hat an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg studiert und zahlreiche Preise erhalten, darunter den Kulturpreis des Landkreises Oberallgäu, den Johann-Georg-Grimm-Preis des Fördervereins Bildende Kunst Allgäu/Schwaben-Süd sowie den Hessischen Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk. Zunächst fiel er mit kleinformatigen, humorvollen gegenständlichen Holzfiguren auf, dann hat er sich auf skulpturale Schalen spezialisiert. Auch als Sportkletterer war er sehr erfolgreich und gewann sogar einen Weltcup.