Wald

Das besondere Saatgut aus dem Süden Oberstdorfs

Sieben, sieben und noch mal sieben. Diese aufwändige, aber schonende Reinigungsmethode, garantiert ein Maximum an Qualität des Saatguts.

Sieben, sieben und noch mal sieben. Diese aufwändige, aber schonende Reinigungsmethode, garantiert ein Maximum an Qualität des Saatguts.

Bild: Susanne Lorenz-Munkler

Sieben, sieben und noch mal sieben. Diese aufwändige, aber schonende Reinigungsmethode, garantiert ein Maximum an Qualität des Saatguts.

Bild: Susanne Lorenz-Munkler

Im Ortsteil Schwand wurden 2,5 Millionen Bucheckern geerntet. Warum das hintere Ende des Stillachtals ein außerordentlich guter Ort dafür ist.
Sieben, sieben und noch mal sieben. Diese aufwändige, aber schonende Reinigungsmethode, garantiert ein Maximum an Qualität des Saatguts.
Von Susanne Lorenz-Munkler
09.12.2020 | Stand: 11:30 Uhr

Im Oberstdorfer Ortsteil Schwand, am Ende des Stillachtals, findet man, was man im Allgäu selten findet: Einen weit über hundert Jahre alten, reinen Buchenbestand. „Historisch wurden verborgene Wälder in Seitentälern wie diesem nicht so stark bewirtschaftet, wie die Wälder im Talkessel“, erklärt Roman Prestele, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu. „Deshalb konnten die ursprünglichen reinen Buchenbestände hier überleben.“ Der Buchenwald ist heute ein wertvoller Samenspender. Gut 500 Kilogramm Saatgut werden dort geerntet, pro Kilo etwa 5000 Bucheckern. 2,5 Millionen Bucheckern also, die von spezialisierten Baumpflanzschulen, eingesammelt und herangezogen werden.

"Forstpflanzen sind keine Massenware"

Der Waldbestand ist nach dem „Forstvermehrungsgesetz“ anerkannt. In dem Gesetz ist genau aufgeführt, welche Pflanze oder welche Pflanzenteile als forstliches Vermehrungsgut verwendet werden dürfen. Schon seit 1911 sind, je nach Wuchsgebiet, bestimmte Herkünfte definiert und in einer Gebietsverordnung aufgelistet. Warum bieten die forstlichen Zusammenschlüsse solch eine Saatguternte an? Prestele: „Forstpflanzen sind keine Massenware, die man beliebig kaufen und pflanzen kann.“ Die Genetik spiele eine große Rolle. Regionales Pflanzmaterial sei im Oberallgäu gefragt. 2020 wurden nicht nur in Oberstdorf Bucheckern geerntet.

„2020 war fast überall ein gutes Mastjahr“, erklärt Prestele. Als Mastjahre bezeichnet man Jahre, in denen Bäume eine besonders große Samenproduktion aufweisen. Der Begriff lehnt sich an die früher übliche Schweinemast unter Eichen an. Die FBG verkauft das Saatgut an eine Forstbaumschule, mit der sie schon lange zusammenarbeitet. Deren Mitarbeiter legen die Netze aus und sammeln das Saatgut ein. Diese schonende, aber aufwändige Methode garantiert ein Maximum an Qualität. „Die Eichensaaternte erfolgt durch Handlesung. Nadelholzbestände beernten wir mit Zapfenpflückern“, erklärt ein Mitarbeiter der Forstbaumschule.

Netze nahe der Skiflugschanze ausgelegt

Zwischen den Bäumen in der Nähe der Heini-Klopfer-Skiflugschanze haben er und sein Team vor etwa zwei Monaten 80 große Nylon-Netze ausgelegt. Jedes misst etwa 150 Quadratmeter Fläche. Die Ernte wird staatlicherseits begleitet. Zum Schluss gibt es ein Zertifikat, in dem festgehalten wird, wie viel Saatgut mit welcher Qualität geerntet wurde. Zudem wird eine Genetikprobe vom „Zertifizierungsring für überprüfbare forstliche Herkunft Süddeutschland“ genommen.

Im Frühling 2021 werden die Bucheckern angesät. Dann wachsen die ersten Sämlinge zu Stecklingen heran. 2022 oder 2023 kommen sie dann auf den Markt. „Die Stecklinge können unsere Waldbesitzer dann wieder bestellen. Wir haben hier zum Beispiel Buche aus über 900 Metern im Gebirge“, sagt Prestele. Die gedeiht im Alpenraum, „nicht aber am Main“. Trotz der Freude über die üppige Ernte im Oberstdorfer Wald, beobachtet Prestele eine auffällige Entwicklung: „Man hat das Gefühl, dass die Distanzen zwischen den Mastjahren immer kürzer werden. Das kann eine Laune der Natur sein oder mit dem Klimawandel zusammenhängen.“

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