Festival im Oberallgäu

Der mühsame Weg zum Oberstdorfer Musiksommer

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Die Geigerin Maria-Elisabeth Lott gibt einen Meisterkurs beim Oberstdorfer Musiksommer und tritt als Solistin beim Eröffnungskonzert auf.

Bild: Kirsten Bohlig

Die Geigerin Maria-Elisabeth Lott gibt einen Meisterkurs beim Oberstdorfer Musiksommer und tritt als Solistin beim Eröffnungskonzert auf.

Bild: Kirsten Bohlig

Die Oberstdorfer Konzert- und Meisterkurs-Reihe soll Ende Juli beginnen. Die Pandemie sorgt für zusätzlichen Aufwand. Welchen, erklärt Leiter Eckhard Fischer.
24.06.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Sehr gut angelaufen ist der Kartenvorverkauf für den Oberstdorfer Musiksommer. Das sagt der musikalische Leiter des Festivals, Eckhard Fischer. Das Festival ist vom 29. Juli bis zum 15. August geplant. Es verbindet sieben Meisterkurse mit 18 Konzerten. Bei diesen treten sowohl renommierte Künstler der Klassik-Szene als auch hoffnungsvolle Talente auf.

Vorab spielt das Trio Opus 8

Schon vorab will Eckhard Fischer, Professor für Violine an der Musikhochschule Detmold, zusammen mit seinem Ensemble Trio Opus 8 ein Konzert in Oberstdorf gestalten. Und zwar am Sonntag, 18. Juli, um 19 Uhr im Oberstdorf-Haus. Erklingen sollen dann zwei Meisterwerke der Kammermusik, das Klaviertrio in B-Dur (D 898) von Franz Schubert und das Klaviertrio in d-Moll, op. 49, von Felix Mendelssohn Bartholdy. Der Auftritt war eigentlich – wie schon Tradition – als Konzert zum neuen Jahr geplant, musste dann aber wegen der Corona-Pandemie bis in den Sommer verschoben werden.

Beim Festival selbst möchte der künstlerische Leiter nicht als Musiker oder Dozent in Erscheinung treten. Er versteht sich dort als Gastgeber und Organisator, der Künstlern und Besuchern, Dozenten und Studenten ein möglichst optimales Umfeld bereiten möchte. Zwar mache die Corona-Pandemie alles „mühsam“, erklärt Eckhard Fischer, „aber wir kommen voran“.

Je Konzert ein eigener Sitzplan

So sei es bei den Konzerten zum Beispiel nötig, nicht nur jede Karte zu personalisieren, sondern es müsse auch wegen der geltenden Abstandsregeln für jedes Konzert ein eigener Sitzplan erstellt werden, je nachdem wie viele Zuhörer zusammengesetzt werden können. Die Konzerte finden überwiegend im Oberstdorf-Haus statt. Im kleinen Saal könne man 100 Zuhörer, im großen etwa 250 unterbringen. Man habe sich bei den meisten Konzerten die Option offen gehalten, bei höherer Nachfrage in den größeren Raum umzuziehen. Doch bei Konzerten, die der Bayerische Rundfunk aufzeichne, sei das nicht möglich. Er benötige den kleinen Saal wegen der besseren Akustik.

Ein vergrößertes Podium

Orchesterkonzerte seien sowieso nur im großen Saal möglich. Dort werde dann auch das Podium für die Musiker vergrößert, um alle vorgeschriebenen Abstandsregeln einhalten zu können. Allerdings werde das Podium niedriger aufgebaut, um den Besuchern eine bessere Sicht auf die Musiker zu ermöglichen.

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Risiko und Angstfreiheit spielten eine große Rolle

Manche Konzerte werden ohne Pause stattfinden, bei anderen hoffe man auf günstiges Wetter, um eine Bewirtung im Freien anbieten zu können. Auf einen Empfang zur Eröffnung – wie er seit der Gründung des Festivals üblich ist – werde verzichtet. Stattdessen werde es eine kurze Begrüßung beim ersten Konzert geben, erklärt Eckhard Fischer. Und natürlich sollen wieder die Oberstdorfer Jodler den musikalischen Auftakt setzen, bevor dann die Münchner Symphoniker das Eröffnungskonzert gestalten.

Noch gibt es Karten

Noch gebe es für alle Konzerte Karten, wenn auch manche Auftritte schon fast ausverkauft seien, wie etwa jener von Cellist Maximilian Hornung und Freunden auf der Mittelstation des Fellhorns. Dort sind heuer zwei Konzerte geplant, da die Serenade auf dem Nebelhorn entfällt. Die neue Bahn fahre noch nicht nachts.

Etwa ein Viertel weniger Studenten

Zu den Meisterkursen haben sich etwa 20 bis 25 Prozent weniger Studenten als bisher angemeldet. Über 70 werden bislang heuer erwartet. Doch man nehme noch Teilnehmer auf – sofern der Kurs nicht schon jetzt überbucht sei, wie der Meisterkurs für Gesang von Thilo Dahlmann. Gut angenommen worden sei auch der erstmals angebotene Meisterkurs für Harfe von Godelieve Schrama. Auch Zuhörer seien bei den Meisterkursen möglich, wenn wohl auch nicht im gewohnten Umfang wie bisher, erklärt Eckhard Fischer.

Eine Programmänderung bei den Meisterkonzerten machten die Reise- und Quarantäne-Vorschriften in der Corona-Pandemie notwendig: Anstelle des Trios Gaon soll am 6. August das Trio Adorno auftreten.

Das Programm des Festivals in der Übersicht:

  • Die Münchner Symphoniker eröffnen das Festival – nach dem traditionellen Auftakt durch die Jodlergruppe Oberstdorf – mit dem Violinkonzert in e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy und der siebten Sinfonie in d-Moll von Antonín Dvo(r)ák. Solistin ist die Geigendozentin des Festivals, Maria-Elisabeth Lott, Dirigent Kevin John Edusei (29. Juli).
  • Das große Polymnia-Salonorchester mit seinem Vokalisten Michael Hanel führt musikalisch zurück in die Schlagerwelt der Goldenen 20er Jahre (30. Juli).
  • Lewin Kneisel (Klarinette) und Daniel Streicher (Klavier) spielen französische Kammermusik von Devienne bis Messiaen (31. Juli).
  • Michael Hanel singt schwarzhumorige Lieder von Georg Kreisler, am Klavier begleitet von Walter Dolak (1. August).
  • Das Aris-Quartett spielt Streichquartette von Joseph Haydn (D-Dur, op. 20/4), Ludwig van Beethoven (Es-Dur, op. 127) und dem tschechischen Komponisten Pavel Haas (op. 15), der im nationalsozialistischen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet wurde (2. August).
  • Die Munich Brass Connection präsentiert ihre Version von Leonard Bernsteins „West Side Story“ und mehr (3. August).
  • Jazzmusiker Magnus Dauner aus Obergünzburg im Ostallgäu gestaltet ein „Portrait in Rhythm“ auf der Kanzelwand im Kleinwalsertal (5. August).
  • Das Trio Adorno interpretiert Klaviertrios von Ludwig van Beethoven (Es-Dur, op. 1/1), Felix Mendelssohn Bartholdy (c-Moll, op. 66) und Dmitri Schostakowitsch (c-Moll, op. 8) (6. August).
  • Dozenten der Meisterkurse und Gäste gestalten eine Beethoven-Nacht in Form eines Wandelkonzertes. Dabei erklingen unter anderem die Mondschein-, die Waldstein-, die Kreutzersonate sowie das Geistertrio (7. August).
  • Das Bayerische Landesjugendorchester zeigt sein Können unter der Leitung von Radoslav Szulc bei Mozarts Fagottkonzert in B-Dur und Brahms’ vierter Sinfonie in e-Moll. Den Auftakt bildet Mendelssohn Bartholdys „Hebriden-Ouvertüre“. Solist ist Mathus Stier (8. August).
  • Lionel Martin (Violoncello) und sein älterer Bruder Demian (Klavier) stellen sich als Duo mit Sonaten von Beethoven (A-Dur, op. 69), Debussy und Rachmaninow vor. Musik von Bach eröffnet das Programm (10. August).
  • Das Gitarrenduo Olaf van Gonnissen und Johannes Monno widmen sich auf dem Fellhorn vor allem spanischer Musik von Fernando Sor bis Manuel de Falla (12. August).
  • Pianistin Mona Asuka präsentiert ein abwechslungsreiches Programm, das von Mozart bis Liszt führt (13. August).
  • Der gefragte Cellist Maximilian Hornung und Freunde führen Streichsextette von Johannes Brahms (G-Dur, op. 36) und Peter Tschaikowski („Souvenir de Florence“) auf (14. August).
  • Mit einer „Hommage an musikalische Heroen“ beschließt die Band „Spark“ das Festival mit ihrem Programm „Bach, Berio, Beatles“ (15. August).

Die Veranstaltungen finden – wenn nicht anders vermerkt – im Oberstdorf-Haus statt.

Außerdem sind sieben Meisterkurse geplant für Klavier, Violine, Viola, Flöte, Klarinette, Gesang und Harfe. Es gibt einen Treffpunkt Meisterkurse und Konzerte mit Teilnehmern der Meisterkurse. (kls)

Karten gibt es im Festivalbüro in Oberstdorf, Telefon 08322/959 2005, oder in Internet.

Der Oberstdorfer Musiksommer im Internet

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