Wald

Der Pilzexperte, der Schweinsohren liebt

Vor einigen Jahren lagen die „Schweinsohren“ noch im Sammelkorb von Pilzberater Neubert. Heute lässt er sie stehen. Sie sind selten geworden.

Vor einigen Jahren lagen die „Schweinsohren“ noch im Sammelkorb von Pilzberater Neubert. Heute lässt er sie stehen. Sie sind selten geworden.

Bild: Matthias Wörz

Vor einigen Jahren lagen die „Schweinsohren“ noch im Sammelkorb von Pilzberater Neubert. Heute lässt er sie stehen. Sie sind selten geworden.

Bild: Matthias Wörz

Jetzt ist die beste Zeit, um nach Schwammerln Ausschau zu halten, sagt Berater Joachim Neubert aus Sonthofen. Warum der Fachmann selbst seinen Lieblingspilz nicht mehr verzehrt

Vor einigen Jahren lagen die „Schweinsohren“ noch im Sammelkorb von Pilzberater Neubert. Heute lässt er sie stehen. Sie sind selten geworden.
Von Ida Pfister
31.08.2020 | Stand: 14:17 Uhr

Nicht viele können heute von sich behaupten, seit 75 Jahren eine Leidenschaft zu haben, mit der sie andere Menschen inspirieren und ihnen weiterhelfen. Der Sonthofer Joachim Neubert ist Pilzexperte und begeistert von Pilzen, seit er zehn Jahre alt ist. Der 84-jährige hat sich in Jahrzehnten ein beeindruckendes Wissen in seinem Fachgebiet angeeignet.

Heute ist er zwar nicht mehr so gut zu Fuß, was aber grundsätzlich nichts an seiner Einstellung ändert. Inspiriert haben ihn damals eindeutig die Wälder. „Ich mache keine Jagd auf Tiere, sondern auf Pilze“, sagt Neubert. Bereits als Bub war er ein großer Bewunderer der Natur. Durch seinen Beruf als Forstwirt kam dann auch automatisch sein Interesse für Pilzkunde.

 

Was ihm nach all den Jahren am meisten Freude an seinem Hobby bereitet, ist, das Wachstum des Waldes und der Pilze zu beobachten. Besonders interessieren ihn die Bergregionen. „Diese bieten durch die Mischwälder eine sehr große Vielfalt an Pilzen“. Er findet es schade, wenn Menschen sich nicht Zeit lassen, um das Schlendern durch den Wald zu genießen, sondern starr nach den klassischen Steinpilzen suchen. „Das ist der falsche Ansatz“ , sagt Neubert. Er möchte Pilzsucher von dieser Einstellung abbringen. Ein häufiges Problem sei fehlendes Wissen über Pilze. Deshalb empfiehlt er, ein Fachbuch mit auf die Suche zu nehmen. Auch vor einem Besuch beim Pilzberater müsse man sich nicht scheuen. Er hat das Ehrenamt in Sonthofen seit Jahrzehnten inne. „Aber ich lerne nie aus“, sagt Neubert.

Das sind die Pilz-Favoriten des Allgäuer Experten

Natürlich hat der Pilzfreund auch seine Vorlieben, wenn es um den Verzehr geht. Er liebt sämtliche Herbstpilze, darunter den Rötelritterling. Zudem seien Schweinsohren (eine Art der Pfifferlinge) sehr gut. Jedoch hat sich Neubert mittlerweile gegen den Verzehr entschieden, denn dieser Pilz sei selten geworden. Deshalb gebe es auch diverse Sammelbeschränkungen in Europa.

Der Schutz des Waldes hat für Neubert ebenfalls hohe Priorität. Es sei wichtig, bei der Pilzsuche den Naturschutz zu berücksichtigen. Für Bereiche in geschlossenen Wäldern gebe es teilweise Sammelverbote. Es sei also besser, am Waldrand zu suchen. Wer Pilze finden möchte, sollte bald aufbrechen: „Jetzt ist die beste Zeit,“ sagt Neubert.