Immenstädter Sommer

Die alten Gassenhauer zünden: Die Spider Murphy Gang in Oberstdorf

Verschmitzte Anmoderationen: Sänger und Gitarrist Günther Sigl beim Unplugged-Konzert der Spider Murphy Gang im Oberstdorf-Haus.

Verschmitzte Anmoderationen: Sänger und Gitarrist Günther Sigl beim Unplugged-Konzert der Spider Murphy Gang im Oberstdorf-Haus.

Bild: Christian Gögler

Verschmitzte Anmoderationen: Sänger und Gitarrist Günther Sigl beim Unplugged-Konzert der Spider Murphy Gang im Oberstdorf-Haus.

Bild: Christian Gögler

Die Spider Murphy Gang pflegt im Oberstdorf-Haus ihre musikalischen Wurzeln und lässt die Fans der Kultband in der Nostalgie der 80er Jahre schwelgen.
10.05.2022 | Stand: 11:30 Uhr

Auf die Frage, wer noch die Konzertkarten von 2020 behalten habe, hoben einige Zuschauer die Hände. Wenn eine Kultband sieben Anläufe braucht, um spielen zu dürfen, so müssen das besondere Zeiten sein. Diese Serie von Verlegungen hat die Spider Murphy Gang hinter sich. Zuerst im Immenstädter Klostergarten, dann im Hofgarten, zurück in den Klostergarten und jetzt wiederholt ins Haus Oberstdorf terminiert, konnte die siebenköpfige Gang nun endlich anreisen, um dort ihre Rock’n’Roll-Stücke aufzutischen.

Eine Münchner Institution

Längst sind die „Spiders“ eine Münchner Institution. Es gilt: Nur keine Experimente. Rosis Telefonnummer kennt jeder, und jede weiß, dass es mit Angelika einfach wunderbar war. Diese Textzeilen gehören zum Kulturgut und sind ebenso wenig taufrisch wie das Soundbild.

In Oberstdorf hegen sie die Wurzeln

Mit der Neuen Deutschen Welle feierte die Spider Murphy Gang ihre größten Erfolge, doch in Oberstdorf hegen sie die Wurzeln. Die Arrangements ihrer Unplugged-Reihe unterwarfen sich im Laufe der Zeit kaum Änderungen, aus dramaturgischen Gründen blieb auch der Konzertablauf weitgehend gleich. Amüsant, wie Sänger und Gitarrist Günther Sigl seine verschmitzten Anmoderationen seit Jahren im exakt selben Wortlaut vorträgt. Sein „Ihr seid so wuid heit“ ist legendär. Diesen Satz hören wohl alle Besucher ihrer Konzerte – eine Form der Beständigkeit, die wohl unter dem Label „Kult“ läuft.

Hommage an Elvis Presley

Hommagen an ihre Einflüsse weben sie geschickt ein: Elvis Presley („That’s allright Mama“), Bill Haley („Rock around the Clock“) und natürlich Chuck Berry („Roll over Beethoven“). Sogar das vergnügte Titellied der Woodstock-Dokumentation, Canned Heats „Going up the Country“, kommt zu Ehren. Otto Staniloi poliert es durch seine perlende Querflöte auf.

Das 75. Wiegenfest

Doch so weit reicht die Historie der Spider Murphy Gang nicht zurück. Immerhin kann die Gruppe um Günther Sigl und Barny Murphy auf rund 45 gemeinsame Schaffensjahre zurückblicken. Sigl hat kürzlich sein 75. Wiegenfest begangen. So hupft er „heit“ weitaus weniger „wuid“ wie seinerzeit mit dem Gitarristen Barny Murphy über die Bretter. Die Bandkollegen bleiben meist im Hintergrund. Ludwig Seuss wechselt zwischen Akkordeon und launigem Boogie-Woogie-Piano, nur der Bandjüngste Andreas Keller knallt den Fans ein deftiges Schlagzeug-Solo vor den Latz.

Im Oberstdorf-Haus wird getanzt

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Doch die sind gekommen, um die alten Gassenhauer zu hören. Fein lassen die Spiders „Schickeria“ und „Skandal im Sperrbezirk“ mit den englischsprachigen Rock’n’Roll-Klassikern verschmelzen. Bald kommen die ersten Tanzpaare nach vorne, und bis zum Schluss füllt sich der Tanzboden zwischen Bühne und erster Sitzreihe. Bei langsamen Stücken wie „Unterm Kastanienbaum“ schweben die Bewegungsfreudigen unter den durchweg älteren Fans übers Parkett. Wie war das doch schön, damals, in den 80ern!

Was der Immenstädter Sommer sonst noch bietet.

Die Spider Murphy Gang.

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