Mittelschule Sonthofen

Die Fahrradwerkstatt in Sonthofen sucht wieder Drahtesel

Günther Klee (Zweiter von links), ehrenamtlicher Leiter der Fahrradwerkstatt an der Mittelschule Sonthofen und seine Helfer (von links) Chamran, Alis, Marco, Phillip und Toni bereiten Fahrräder auf und geben sie gegen eine geringe Summe an Flüchtlinge ab.

Günther Klee (Zweiter von links), ehrenamtlicher Leiter der Fahrradwerkstatt an der Mittelschule Sonthofen und seine Helfer (von links) Chamran, Alis, Marco, Phillip und Toni bereiten Fahrräder auf und geben sie gegen eine geringe Summe an Flüchtlinge ab.

Bild: Benjamin Liss

Günther Klee (Zweiter von links), ehrenamtlicher Leiter der Fahrradwerkstatt an der Mittelschule Sonthofen und seine Helfer (von links) Chamran, Alis, Marco, Phillip und Toni bereiten Fahrräder auf und geben sie gegen eine geringe Summe an Flüchtlinge ab.

Bild: Benjamin Liss

Die Fahrradwerkstatt an der Mittelschule Sonthofen braucht wieder „Material“. Schüler bereiten mit Rentnern die Räder auf und geben sie günstig weiter.
25.01.2023 | Stand: 11:30 Uhr

„24 Zoll“. Dieser Begriff fällt öfters in dem Gespräch. Nicht ohne Grund. Denn Günther Klee, ehrenamtlicher Leiter der Fahrradwerkstatt an der Mittelschule Sonthofen, sucht händeringend Zweiräder für Kinder mit 24-Zoll-Reifen. Im Moment stehen in der Werkstatt nur ein gebrauchtes und zwei neue. Die Drahtesel, neu oder repariert, geben Klee und sein Helferteam gegen eine geringe Summe an Flüchtlinge ab, aber auch an Bürger aus Sonthofen und Umgebung mit schlaffem Geldbeutel. Oder auch mal an besser betuchte Pedalritter, die dann jedoch mehr Geld in die Hand nehmen müssen.

Jetzt zum Frühjahr werden Kinderräder wieder stärker gefragt sein, weiß Klee aus Erfahrung. Der gebürtige Sonthofer, Jahrgang 1949, sagt: „Ich möchte doch den Flüchtlingen einen Gefallen tun. Mir tut’s immer leid, wenn ich nichts anbieten kann.“

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Günther Klee war vor seinem Ruhestand 40 Jahre Lehrer für Sport und Technik an der Mittelschule. Und als 2015, im Jahr der ersten großen Flüchtlingswelle, sein Kollege Matthias Tholl und die Pädagogin Katrin Stierle die Idee einer Fahrradwerkstatt hatten, war der passionierte Mountainbiker gleich mit dabei.

Fahrradwerkstatt Sonthofen: Fahrräder werden gespendet, aufbereitet und verkauft

Die Idee trägt bis heute Früchte: Fahrräder, gebraucht und teilweise reparaturbedürftig, werden von Bürgern gespendet und im Werkraum der Mittelschule aufbereitet und dann verkauft. Flüchtlinge oder finanziell nicht so gut gestellte Bürger bezahlen im Schnitt 20 bis 30 Euro. Wer über einen prallen Geldbeutel verfügt und ein Stahlross für den Winter oder die Stadt sucht, muss 50 bis 60 Euro berappen. Nachdem Günther Klee die Werkstatt mit einer Handvoll Schüler eine Zeit lang allein geführt hatte, musste er feststellen: Allein ist das nicht zu stemmen. Inzwischen hat er vier Experten an seiner Seite: technisch versierte Rentner aus Sonthofen, die sich mit Rädern bestens auskennen.

„Integrad“ nennt sich die Werkstatt. Vier bis fünf Schüler seien im Rahmen der Ganztagsbetreuung immer dabei. Früher, so Klee, seien Fahrradreparatur und -pflege sogar Teil des Lehrplans gewesen. Von daher war in dem Werkraum immer ein kleines Equipment vorhanden, um einen „Platten“ zu beheben oder das Stahlgestell wieder strahlen zu lassen. Der Werkstattchef ist froh, dass Reinhard Gogl, Leiter der Mittelschule, einmal pro Woche den Werkraum im Untergeschoss zur Verfügung stellt.

Stadträder, Dreigang-Räder, Mountainbikes oder E-Bikes

Repariert werden fast alle Arten von Drahteseln: Stadträder, Dreigang-Räder, Mountainbikes, sogar E-Bikes – „aber nur, wenn mit den Bremsen oder der Schaltung etwas nicht in Ordnung ist“. Schäden am Getriebe oder an der Batterie könnten nicht behoben werden. „Sehr glücklich“ sind Klee und seine Helfer, wenn voll funktionsfähige Räder geliefert werden. Manchmal bekommen sie auch Räder, die schlicht schrottreif sind. „Aber wir brauchen ja auch Ersatzteile.“ Manchmal kauft Klee Räder auf und gibt sie dann günstig weiter. Oder aber er bekommt sogar mal ein Rad zurück, wie kürzlich von einem Mädchen aus der Ukraine, das mit der Mutter wieder in sein Heimatland zurückkehrte.

Rund 600 Räder, schätzt Klee, sind seit 2015 bislang aufbereitet worden. Noch immer seien die Mitarbeiter sehr motiviert. Aber die notwendigen Ersatzteile kosteten Geld, ebenso wie der Ankauf von gebrauchten Rädern. Deswegen freut sich das Team von „Integrad“, wenn nicht nur Räder gespendet werden, sondern auch der eine oder andere Euro als Spende liegen bleibt. Über Interessierte, die mal vorbeikommen und den Service anschauen, freuen sich Klee und sein Team immer.

Die Werkstatt „Integrad“ ist jeden Dienstag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Günther Klee ist unter der Telefonnummer 08321/65676 zu erreichen.

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