Alpwirtschaft

Die harte Bergbauern-Welt

In dem großformatigen Band „Milch“ dokumentiert Autor und Fotograf Christian Heumader die harte Arbeit der Bergbauern und ihren Nutzen. Bei der Präsentation kommen auch die Bauern selbst zu Wort und üben Kritik an der Politik.

In dem großformatigen Band „Milch“ dokumentiert Autor und Fotograf Christian Heumader die harte Arbeit der Bergbauern und ihren Nutzen. Bei der Präsentation kommen auch die Bauern selbst zu Wort und üben Kritik an der Politik.

Bild: Günter Jansen

In dem großformatigen Band „Milch“ dokumentiert Autor und Fotograf Christian Heumader die harte Arbeit der Bergbauern und ihren Nutzen. Bei der Präsentation kommen auch die Bauern selbst zu Wort und üben Kritik an der Politik.

Bild: Günter Jansen

Autor und Fotograf Christian Heumader veranschaulicht in seinem Buch „Milch“ Arbeit und Nutzen einer Landwirtschaft, die immer mehr verdrängt wird
In dem großformatigen Band „Milch“ dokumentiert Autor und Fotograf Christian Heumader die harte Arbeit der Bergbauern und ihren Nutzen. Bei der Präsentation kommen auch die Bauern selbst zu Wort und üben Kritik an der Politik.
Von Günter Jansen
07.10.2020 | Stand: 17:00 Uhr

„Es gibt noch eine Landwirtschaft, die hochwertige Lebensmittel produziert und zugleich Natur, Umwelt und die dazugehörigen Tiere pfleglich behandelt“. Diesem Credo folgend hat Christian Heumader aus Bad Hindelang ein Buch veröffentlicht mit dem Titel „Milch – Allgäuer Bergbauern und Bergbäuerinnen erzählen“. Es ist ein weiteres eindrucksvolles Werk in einer ganzen Reihe, darunter „Holz – Die Waldarbeit in den Allgäuer Bergen“, „Stadel und Schinde“ (mit Alfred Wittwer) und „Hoibat – Die Geschichte der Bergwiesen im Ostrachtal“ (mit Josef Schmid).

Für die Präsentation hat sich der Autor und Fotograf Heumader etwas Besonderes ausgedacht. Im Hotel Prinz-Luitpold-Bad in Bad Oberdorf sitzt er an einem langen Tisch. Links und rechts neben ihm haben Protagonisten aus „Milch“ Platz genommen. Sie kommen im Verlauf der fast zweistündigen Präsentation ausführlich zu Wort – ebenso wie im Buch. Auf einer Leinwand sind mittels Beamer eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Fotos aus dem Buch zu sehen.

Der großformatige Band verdeutlicht die harte Arbeit der Bergbauern im Oberallgäu. Das Überleben dieses Berufsstandes sei gefährdet. „Wenn man die Bergbauern jetzt nicht mehr unterstützt, dann wird es die in zehn, 20 Jahren nicht mehr geben“, beginnt Heumader den Abend, nachdem wunderbare Kulturlandschaftsaufnahmen zu sehen waren. Noch gebe es im Ostrachtal und in den Tälern bei Oberstdorf einen unglaublichen Artenreichtum, der andernorts bereits nicht mehr vorhanden sei, so der Autor.

Milchleistung prüfen und kranke Tiere heilen

Diese Kulturlandschaft halten die Bergbauern am Leben. Darauf verweist Alfred Füß. Er hat seine Jugend auf der Alpe verbracht, war später Zuchtwart bei der Herdebuchgesellschaft und besucht jetzt die Bauern in ihren Ställen, um die Milchleistung zu prüfen oder um kranke Tiere zu heilen. Wie alle am Tisch ist auch er ein glühender Befürworter der Anbindeställe und hält von den Laufställen nicht viel. Auch die „Enthornerei“ verurteilt er scharf. Mit einer Mischung aus Wut und Trauer berichtet er von Missständen in Kuhställen: „Das Problem heute ist, dass eine Kuh kein Lebewesen mehr darstellt, sondern nur noch ein Produkt, eine Nummer.“ Man müsse schnellstens umdenken, meint er und kritisiert die Politik der beiden Landwirtschaftsministerinnen.

Mathias Martin aus Kierwang hat die Landwirtschaft seiner Schwiegereltern übernommen und sich als gelernter Senn dazu entschlossen, seine Milcherträge selbst zu verarbeiten und zu vermarkten. Dazu hat die Familie in der alten Sennerei in Bolsterlang einen Verkaufsraum eingerichtet. Zudem erläutert er die lange Verarbeitungskette von Großmolkereien. „Die Realität ist doch die, dass Bauern mit 500 oder 1000 Kühen billige Milch produzieren. Wie sie zustande kommt, ist der Molkerei egal. Hauptsache billig, und es schmeckt einigermaßen. Und wenn man noch ‚ Bio‘ drauf schreiben kann, dann sind alle zufrieden.“

Jeden Tag Streicheleinheiten

Schließlich erzählen Resi und Fritz Müller aus ihrem täglichen Leben am Hof an der Staig bei Sonthofen und von der Unterstützung der ganzen Familie. „Die Tiere bekommen von uns jeden Tag Streicheleinheiten. Wenn man im Winter mit den Kühen und Kälbern gut umgegangen ist, dann sollten Sie mal sehen, wie sie sich im Sommer auf der Wiese verhalten. Da reicht ein Zuruf und alle kommen angetrabt“, freut sich Resi Müller.

„In unserer heutigen Gesellschaft wird dieser Aufwand gar nicht honoriert, den die Bauern auf sich nehmen“, mahnt Heumader: „Bergbauern sind vollkommen unterbezahlt. Das ganze Subventionswesen stimmt hinten und vorne nicht. Es wird höchste Zeit, dass man da etwas korrigiert. Wenn das so weitergeht, wird der Tag kommen, wo diese Bichl nicht mehr bewirtschaftet werden.“