Kunst im Allgäu

„Die Liebe ist stark wie der Tod“

Annedore Dorn

„Das Geheimnis der Liebe“: Variation aus der Serie „Das Hohelied der Liebe“ von Annedore Dorn, zu sehen im der Kreuzkirche Hirschegg.

Bild: Irmgard Rampp

„Das Geheimnis der Liebe“: Variation aus der Serie „Das Hohelied der Liebe“ von Annedore Dorn, zu sehen im der Kreuzkirche Hirschegg.

Bild: Irmgard Rampp

Annedore Dorn aus Augsburg zeigt in der Hirschegger Kreuzkirche abstrakte Werke. Sie erinnern an das Hohelied Salomos und auch an die Würde des Menschen.
09.05.2021 | Stand: 11:30 Uhr

Nur ein Fünkchen Leidenschaft bringt die Glut zum Lodern, um auf der Basis von Wahrhaftigkeit und Urvertrauen starke Gefühle und tiefste Zuneigung zu entfalten. Ob als innige Verbundenheit in der Partnerschaft. Oder als enge Familienbande. Die Liebe ist geheimnisvoll und unergründlich, unbeschreiblich und unwiderstehlich. Keiner weiß, wo sie auf einmal herkommt. Keiner weiß, wo sie plötzlich hingeht.

„Denn Liebe ist stark wie der Tod, und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. Ihre Glut ist feurig.“ Zitate wie dieses aus dem „Hohelied Salomos“ im Alten Testament bilden die Grundlage für Annedore Dorns Werke aus der Serie „Das Hohelied der Liebe“, die in der evangelischen Kreuzkirche in Hirschegg zu sehen sind.

Künstlerin aus Augsburg schafft abstrakte Bildsprache

Auf raffinierte Art und Weise hat die freischaffende Künstlerin aus Augsburg die Texte in eine kontrastreiche, abstrakte Bildsprache verwandelt. Das mittels grober Bambusfeder und Acrylbinder-Tusche geschriebene Wort erscheint als ausdrucksstarkes, dynamisches Fragment einer leidenschaftlichen Aussage. So entfalten sich im Bildraum aus den untrennbar miteinander verbundenen Einzelteilen lebhafte Dialoge voll beschwingter Harmonie.

Doch wehe, wenn sie fehlt, die Liebe, die Seelennahrung. Dann übernimmt egoistisches Machtstreben und empathielose Gleichgültigkeit die Oberhand. Dann leidet die Menschenwürde.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“, heißt es in Artikel eins, Absatz eins, des deutschen Grundgesetzes.

Annedore Dorn: "Dieser Satz ist Philosophie"

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„Dieser Satz ist Philosophie, Religion, soziales und gesellschaftliches Kulturgut“, sagt Annedore Dorn. Dieser Satz beschäftigt sie seit Jahren. Die künstlerische Ausdrucksweise hierzu bildet den zweiten Themenkreis der Ausstellung. Da herrschen Licht und Finsternis, Hoffnung und Schicksalsergebenheit. Zwischen Freiheit und Zwang, Einsamkeit und Zerfall. Da ist die Würde des Menschen. Sie läuft immer wieder Gefahr, verloren, lädiert, geschunden, verletzt und zerbrochen zu werden.

Annedore Dorn:

  • wurde 1944 in Breslau (heute Wroclaw, Polen) geboren,
  • arbeitete von 1965 bis 1995 als Fachlehrerin,
  • absolvierte von 1997 bis 2001 eine Ausbildung in Gestalt-Kunst-Therapie,
  • arbeitet seit 1997 als freischaffende Künstlerin,
  • ist seit 2003 Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler (BBK),
  • zeigte ihre Werke unter anderem in der Großen Schwäbischen Kunstausstellung in Augsburg und in der Ausstellung Schwäbischer Künstler in der Schwabenakademie Irsee,
  • erhielt im Jahr 2010 den Grafikpreis Senden.