Jubiläum

Die Musikkapelle Akams gibt es seit 175 Jahren

IS Musikkapelle

Das älteste Bild der Musikkapelle Akams zeigt zehn stolze, ernst schauende Männer mit Blechblasinstrumenten.

Bild: Musikkapelle Akams

Das älteste Bild der Musikkapelle Akams zeigt zehn stolze, ernst schauende Männer mit Blechblasinstrumenten.

Bild: Musikkapelle Akams

1946 taten sich die ersten Männer zusammen, um die Blechmusik einzuführen. Heute spielen in Akams 31 Musikanten - die meisten sind Frauen samt Dirigentin.

23.09.2021 | Stand: 17:58 Uhr

Zehn gestandene Herren mit zum Teil üppiger Gesichtsbehaarung und in schwarzen Anzügen blicken der Kamera ernst ins Auge. Jeder hält ein blitzendes Blechblasinstrument in der Hand. Das ist das älteste Bild einer „Musikgruppe“ in Akams, die erstmals in der Schulchronik aus dem Jahr 1847 erwähnt wird. Rückblickend heißt es, dass sich ein Jahr zuvor eine „Gesellschaft bildete, deren Absicht es war, eine Blechmusik einzuführen“. Das war vor 175 Jahren die „Geburt“ der Musikkapelle Akams.

Eigentlich wollten die 31 Musiker und Musikerinnen heuer das Jubiläum mit einem groß angelegten Bezirksmusikfest feiern. Doch Corona durchkreuzte die Pläne – zuletzt hatten die Akamser 1996 zum 150. Bestehen das Fest ausgerichtet. Jetzt hat die Kapelle das Jahr 2026 ins Auge gefasst: „Wir würden dann gerne die 180 Jahre feiern“, sagt Verwaltungsfachwirtin Sabrina Martin, seit 2018 Vorsitzende der Musikkapelle.

Als erster Dirigent bot sich seinerzeit der Schullehrer von Akams, Fidel Hindelang, an. 30 Jahre lang probte er mit den ausschließlich männlichen Musikern für Ständchen und die musikalische Begleitung kirchlicher Feste. Und die Musiker nahmen die Übungsstunden ernst: „Geprobt wurde regelmäßig einmal wöchentlich von 21 Uhr bis spät in die Nacht“, heißt es in der Chronik.

In den 175 Jahren hat sich einiges getan. Heute sind mit 20 Musikerinnen sogar mehr Frauen als Männer in der Kapelle vertreten. Und den Dirigentenstab schwingt seit 1988 mit Pamela Rothauscher ebenfalls eine Frau. Das galt damals als eine kleine Sensation: Denn die 22-jährige Klarinettistin war im Bezirk Sonthofen des Allgäu-Schwäbischen-Musikbundes die erste Frau am Dirigentenpult. Für Aufsehen hatte aber auch schon ihr Eintritt in die Kapelle zehn Jahre zuvor gesorgt. Denn sie und ihre Instrumentenkollegin Renate Uhlemayr waren die ersten weiblichen Mitglieder.

In den sozialen Medien aktiv

Heute sind die Musikanten auch in den sozialen Medien aktiv: „Es ist einfach eine neue Art der Werbung und Kommunikation“, sagt Martin (29), seit 16 Jahren als Trompeterin dabei. Die Musiknoten gebe es aber noch „ganz klassisch auf Papier“. Da hat sich dann gar nicht so viel geändert. Nur dass der Nachfolger von Hindelang, Johann Nepomuk Lerchenmüller aus Luitharz, am Ende der Proben die Notenbücher immer wieder eingesammelt und allen Musikern ihre Stimme mit Tinte in ihr Buch geschrieben hat.

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Ab 1893 blieb der Dirigentenstab über drei Generationen im Haus Rehle in Akams Nr. 7. Auf Johann Nepomuk Rehle folgten Sohn Max und schließlich Enkel Johann. Neben den handgeschriebenen gab es jetzt auch gedruckte Noten, allen voran die bekannten „Lausitzer Balltänze“. Der Flügelhornist Sebastian Hölzle übernahm 1945 das Zepter auf Geheiß des damaligen Bürgermeisters Anton Weber. Mit vier Musikern wurde wieder gestartet – viele Kameraden waren im Krieg gefallen. 1957 ließ man sich blaue Uniformen schneidern, aber einige paar Jahre später wollten die Musiker eine bodenständige Tracht. So trugen die Männer ab 1964 grüne Lodenjacken, ein rotes Leible und einen Hut.

Von der Wirtschaft in die Schule

Mit dem neuen Vorsitzenden und Zimmerermeister Engelbert Schmid begann 1978 eine rege Bautätigkeit. Der Probenraum wurde von der Wirtschaft in die alte leere Schule verlegt. 1992 entstand neben der alten Schule ein Pavillon für die Standkonzerte und Dorfabende. 2001 wurde dann der neue Proben- und Veranstaltungssaal bezogen.

Die Kapelle verließ auch immer öfter die Heimat und musizierte zum Beispiel an der Mosel und sogar in Portugal. „Der jährliche Höhepunkt ist aber das Jahreskonzert im Frühjahr“, sagt Sabrina Martin. Sie hofft nun auf das große Ereignis im nächsten Jahr.

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