Festkonzert in Fischen

Die Sonthofer „Freunde der Musik“ feiern mit Beethoven

Heuer ist Abstand geboten: Karl Gogl leitet beim Festkonzert das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim. Corona-bedingt müssen die Musiker diesmal auseinanderrücken.

Heuer ist Abstand geboten: Karl Gogl leitet beim Festkonzert das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim. Corona-bedingt müssen die Musiker diesmal auseinanderrücken.

Bild:  Günter Jansen

Heuer ist Abstand geboten: Karl Gogl leitet beim Festkonzert das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim. Corona-bedingt müssen die Musiker diesmal auseinanderrücken.

Bild:  Günter Jansen

Die Gesellschaft „Freunde der Musik“ besteht seit 70 Jahren. Zum runden Geburtstag tritt Vorsitzender Karl Gogl ans Dirigentenpult.
13.10.2020 | Stand: 19:03 Uhr

Ludwig van Beethovens Geburtstag jährt sich zum 250. Mal, die Sonthofer Gesellschaft „Freunde der Musik“ feiert ihr 70-jähriges Bestehen. Anlässe genug für ein Festkonzert am 18. Oktober mit zwei Werken von Beethoven. Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim unter der Leitung von Dr. Karl Gogl spielt das „Tripelkonzert“ in C-Dur und die Sinfonie Nr. 2 in D-Dur.

Solisten sind Benjamin Schmid (Violine), Danjulo Ishizaka (Violoncello) und Markus Schirmer (Klavier). Mit dem Vorsitzenden der Gesellschaft und dem Dirigenten des Festkonzertes, Karl Gogl, sprach Veronika Krull. (Lesen Sie auch: Zuhörer erleben Weltklasse-Beethoven-Konzert in Eggisried)

Das „Tripelkonzert“ von Ludwig van Beethoven gilt in den Augen vieler Musiker als „zweitklassig“. Worauf gründet die Kritik?

Dr. Karl Gogl: Wenn wir das „Tripelkonzert“ an so bekenntnishaften Werken wie der „Eroica“, der „Fünften“ oder der „Neunten“ messen wollen, dann mag der Ausdruck „zweitklassig“ eine gewisse Berechtigung haben. Ich halte diese Wertung trotzdem für unzutreffend und unpassend. Beethoven benötigte für seine Konzerte, die sogenannten Akademien, auch Kompositionen, die eingängiger waren, bei denen das Publikum beim ersten Hören „mitkam“. Ein Werk von Beethoven muss nicht gleich als „zweitklassig“ eingestuft werden, nur weil es eingängiger ist und das „Schicksal“ in dieser Komposition nicht „anklopft“. Entsprechend der Regeln des klassischen Sonatensatzes muss jedes der drei Soloinstrumente das Thema einmal vortragen. Es bedurfte schon eines Beethoven und seiner formenden Kraft, einen 531 Takte langen Satz nicht auseinanderbrechen zu lassen. Dieses Konzert wird auch nicht seltener gespielt, weil es „zweitklassig“ wäre, sondern, weil man nicht nur einen Solisten, sondern drei benötigt. Es ist in den Ecksätzen sehr musikantisch, während der langsame Satz wunderbar gesanglich und poetisch ist.

Das Cello spielt eine große Rolle, sein Part gilt als sehr anspruchsvoll. Der Cellist Mstislaw Rostropowitsch hat das Konzert mal als schwierigstes Stück der gesamten Celloliteratur bezeichnet. Wo liegen die Stolpersteine?

Gogl: Ja, es sind einfach die technischen Anforderungen, und dann soll das Ganze halt nicht nur diesbezüglich, sondern auch musikalisch souverän dargeboten werden. Ein überspitzendes Bonmot sagt: „Das ‚ Tripelkonzert‘ sei für das Klavier leicht, für den Geiger eher langweilig, für den Cellisten aber unspielbar.“ Ich glaube, es ist für jeden der Solisten eine Herausforderung, aber für den Cellisten eine ganz besondere. Ich erlaube mir anzufügen, dass es auch nicht leicht zu dirigieren ist.

Die zweite Sinfonie wurde von den Werken Haydns und Mozart beeinflusst. Wie viel Beethoven steckt drin?

Gogl: Natürlich steht Beethoven in der Tradition der beiden großen Vorgänger, aber von der „Ersten“ zur „Zweiten“ vollzieht sich ein gewaltiger Schritt. Schon in der langsamen Einleitung höre ich immer Anklänge an die „Neunte“. Neu sind des weiteren die ungeheure Steigerung in der Coda des ersten Satzes, die Ausdehnung des zweiten Satzes mit den sich langsam entwickelnden dynamischen Steigerungen, die Überraschungseffekte im dritten Satz, ganz zu schweigen vom vierten Satz. Das ist alles ureigenster Beethoven. Beethoven verstörte sein Publikum mit dieser Sinfonie durch die ungewohnten Steigerungen, durch ungewohnt schnelle Tempi, scheinbar unkontrollierte Klangeruptionen, durch die unzähligen für ihn so typischen Akzente, Triller und Sforzati. Ein Rezensent schrieb nach der ersten Aufführung über den letzten Satz, er sei „bizarr, wild und grell“. Ein anderer urteilte: „Sie ist ein merkwürdiges, kolossales Werk, von einer Tiefe, Kraft und Kunstgelehrsamkeit, wie sehr wenige.“ Wir müssen endlich die immer noch nachwirkende, heroisierende Sicht des 19. Jahrhunderts über Bord werfen, die Beethoven bezüglich seiner sinfonischen Werke auf die Sinfonien 3, 5, 7 und 9 reduzieren wollte.

Wie sieht die Orchesterbesetzung in Coronazeiten aus? Verzichten Sie auf die Bläser? Wie verändert sich dadurch das Klangbild?

Gogl: Bei all den Werken, ob Mozart oder Haydn, wo sich das Gesamtwerk aus der motivischen Verzahnung aller Instrumente ergibt, bei Beethoven im Besonderen, kann man nichts, überhaupt nichts weglassen. Wir können nur weiter auseinanderrücken und hoffen, dass darunter das Zusammenspiel und der Gesamtklang nicht leiden. Die Bläser müssen das Kondenswasser mit mitgebrachten Einmaltüchern und in Plastiktüten entsorgen, entsprechend der Hygienevorschriften für Bläser.

Wie gestalten sich die Proben unter den besonderen Umständen?

Gogl: Die Proben beginnen am 16. Oktober um 9.30 Uhr in Pforzheim, allerdings nicht in dem gewohnten eigenen Probensaal des Orchesters, sondern wegen der Abstandsbestimmungen während der Corona-Pandemie in einem größeren Saal des Kongresszentrums. Die Solisten stoßen am 17. Oktober dazu. Dies entspricht den üblichen Bedingungen bei einem Profiorchester.

Festkonzert Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim spielt unter der Leitung von Karl Gogl am Sonntag, 18. Oktober, um 17 und um 19.30 Uhr in der Fiskina in Fischen. Die Spieldauer beträgt jeweils etwa eine Stunde. Es gibt keine Pause. Das Konzert ist nur für die Mitglieder der Gesellschaft „Freunde der Musik“.