Kunst aus dem Allgäu

Die Stadt Sonthofen zeigt Kunstschätze aus ihrem Fundus

Stadthausgalerie

Ein Meister aus Sonthofen: „Sonne am Bauernhof“ von Robert Schraudolph, zu sehen in der Ausstellung „Hommage an das Allgäu“ in der Sonthofer Stadthausgalerie.

Bild: Klaus Schmidt

Ein Meister aus Sonthofen: „Sonne am Bauernhof“ von Robert Schraudolph, zu sehen in der Ausstellung „Hommage an das Allgäu“ in der Sonthofer Stadthausgalerie.

Bild: Klaus Schmidt

Eine „Hommage an das Allgäu“ in der Sonthofer Stadthausgalerie erinnert an bedeutende Meister der Region. Welche Künstler in der Ausstellung gewürdigt werden.
11.07.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Die Stadt liegt zwar nicht im Allgäu, aber ein Allgäuer fängt ihren morbiden Charme auf eindrucksvolle Weise ein: dunkle Wasser, schwarze Gondeln, weiße Paläste, von denen der Putz bröckelt. Maximilian Rueß hat so treffend die Stadt Venedig in einem Gemälde charakterisiert.

Es ist eines von über 100 Kunstwerken, mit denen die Stadt Sonthofen in ihrer Stadthausgalerie jetzt mit Werken aus ihrem Fundus eine „Hommage an das Allgäu“ gestaltet. Die Würdigung gilt dabei vor allem Künstlern, die der Stadt verbunden waren. Die Würdigung weitet sich aber auch zu einer Erinnerung an große Meister der Region, wie etwa den 1925 in Oberstdorf geborenen und 1990 in München verstorbenen Bildhauer und Maler Maximilian Rueß.

Arche auf Rädern

Von ihm sind zum Beispiel auch zwei außerordentliche Plastiken aus Kupfer zu bewundern: ein Pferdekopf und die „Arche des Herrn Noah“, die wie ein Kinderspielzeug als Schiffchen auf Rädern gezeigt wird. Aus dem aufgesetzten Häuschen blickt ein Mann mit Rauschebart, während ein Vogel auf dem Dach sitzt. Stimmungsvoll wirkt das farb- und formreduzierte Landschaftsbild in Brauntönen, das bereits die Tendenz zur Abstraktion erkennen lässt und eine Ebene mit wenigen markanten Details skizziert.

Muntere Volksfeststimmung

Großer Raum wird in dieser Ausstellung dem Sonthofer Maler Robert Schraudolph (1887 - 1978) gewährt, der sich von verschiedenen Seiten zeigen darf: zum Beispiel mit sensiblen Portraits von Allgäuer Originalen oder mit Landschaftsbildern, die eine künstlerische Entwicklung offenbaren – vom detailfreudigen Weitblick übers Illertal bis hin zur sonnendurchglühten Studie aus einem Bauerngehöft. Auch eine historische Szene vom Sonthofner Tag oder eine muntere Volksfeststimmung mit Karussells und bunt gewandeten Menschen finden sich.

Viele Künstler geprägt

Ein sonnenbeschienenes, schneebedecktes Bergpanorama tritt dabei in Konkurrenz zu der Darstellung des Ifen, den ein anderer Künstler verewigt hat: der Maler Arnulf Heimhofer. Der 1930 in Burgberg geborene und kurz vor seinem 90. Geburtstag dort verstorbene Meister hat viele Künstler der Region geprägt, unter anderem Elisabeth Geduld (1935 - 2019), die nach ihrer Vertreibung aus Mähren in Sonthofen eine zweite Heimat gefunden hat.

Düster-dramatische Inszenierung

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Ein ganzer Saal widmet sich dem Werk der beiden, deckt Ähnlichkeiten und Kontraste auf. So gleichen sich zum Beispiel Aquarelle, die Elisabeth Geduld von einer Kapelle und Arnulf Heimhofer von einer Burg geschaffen haben. Eine Studie von einem Stauwerk in Petersthal korrespondiert stimmungsvoll mit einer der düster-dramatischen Landschaftsinszenierungen von Arnulf Heimhofer. Doch die Schülerin zeigt sich auch von bislang ungewohnter Seite mit Stillleben: sei es ein Stillleben mit Maske als Linolschnitt oder ein Stillleben mit Scherben in Mischtechnik.

Zivilisationsspuren am Himmel

Ein weiterer Raum widmet sich dem vielgestaltigen Werk Franz Meiers (1933 - 2020). Der Sonthofer Maler, der auch als Kunsterzieher viele Menschen prägte, ist zum Beispiel mit einem seiner Himmelsbilder vertreten, auf dem Flugzeuge ihre Zivilisationsspuren mit weißen Kondensstreifen im tiefen Blau des Kosmos hinterlassen: „Zum gleichen Ziel“. Grasende Rinder an der Horizontkante bei Agathazell, schneebedeckte Bergpanoramen, ein vervierfachter Skifahrer beim Kehrschwung oder ein schraffierter Hunnenkopf skizzieren die thematische und stilistische Vielseitigkeit dieses Künstlers.

Raffinierter "Lichtfänger"

Vielgestaltig sind auch die keramischen Arbeiten von Gundela Enzensberger. Die 1947 in Sonthofen geborene Bildhauerin präsentiert sich zum Beispiel zunächst mit einem wuchtigen Objekt überkreuzter, gekrümmter Formen als kernige Gestalterin, verbindet dann Kraft und Feinheit in ihrer Skulptur „Entfaltung“, die mit floralen Motiven spielt, und findet schließlich im „Lichtfänger“ zu einer raffiniert filigranen Skulptur, scheinbar geschaffen für einen rätselhaften Ritus.

Der erledigte Ehrenkodex

Maximilian Gehring, 1966 in Sonthofen geboren, erinnert zum Beispiel mit einem skelettartigen Ausgrabungsfund – aus Steinzeugkacheln zusammengesetzt – an Vorfahren, lässt Soldaten in Rollstühlen zum Treffpunkt Morgenland fahren oder erklärt den Ehrenkodex des Jägers, den Schöpfer in jedem seiner Geschöpfe zu ehren, als „Erledigt“.

Der geweitete Blick

Neben solchen umfangreicheren Würdigungen lenkt die Ausstellung mit wenigen Werken oder Einzelstücken den Blick auf viele wichtige Künstler der Region wie Waltraud Funk aus Immenstadt oder Hans Friedrich aus Waltenhofen und erinnert an verstorbene Größen wie Manfred Maussner aus Immenstadt, Walter Kalot aus Oberstdorf, Fidelis Bentele aus Oberstaufen oder Richard Mahn aus Bad Hindelang. Die Motive weiten dabei den Blick über die Region hinaus – nicht nur nach Venedig, sondern sogar bis zum Mond.

Öffnungszeiten: bis 15. August, dienstags bis donnerstags sowie samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die Sonthofer Stadthausgalerie im Internet.

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