Konzert in Fischen

Ein Allgäu-Vorarlberger Duo weitet in Fischen das Jodel-Universum

Jodula Bär

Immer für eine Überraschung gut: Jodula Hedwig Roth und Musik-Tausendsassa Johannes Bär beim Konzert im Fischinger Kurhaus Fiskina.

Bild: Markus Noichl

Immer für eine Überraschung gut: Jodula Hedwig Roth und Musik-Tausendsassa Johannes Bär beim Konzert im Fischinger Kurhaus Fiskina.

Bild: Markus Noichl

Jodula Hedwig Roth aus Vorderburg und der Tausendsassa Johannes Bär rocken die Fiskina in Fischen. Dabei stoßen sie mit ihren Stimmen in ungewohnte Lagen vor.
02.10.2021 | Stand: 19:00 Uhr

Erst vor einem Jahr hatte dieses Duo Premiere. Und nun rocken sie die Fiskina in Fischen: „Jodula“ Hedwig Roth und Johannes Bär begeisterten den gut gefüllten Saal.

Ein Mann für alle Fälle

Mit dem bläserischen Tausendsassa holte sich Jodula einen Mann für alle Fälle. Egal ob mit Trompete, Posaune, Bariton, Tuba oder Alphorn: Bär findet immer die richtigen Töne, um Jodulas Stimme zu veredeln. Und jodeln kann er auch. Zum Einstieg sogar höher als Jodula. Was tollen Effekt macht, da sie beide mit ihren Stimmen in ungewohnte Lagen vorstoßen.

Satte Effekte

Außerdem hat der Vorarlberger (er kommt aus Andelsbuch) eine Loop-Maschine, auf der er Passagen einspielen und wiedergeben kann. So schichtet er manchmal satte Effekte, auf denen sich Jodula ausbreiten kann, die sich selbst begleitet auf der Gitarre (Nylon- oder Stahlsaiten).

Verliebt in den Groove

Das Jodel-Universum wird an diesem Abend beträchtlich ausgeweitet. Der Jodelvalse kommt charmant französisch daher. Auf einer Zigeunermoll-Skala geht es in den Orient. Es entwickelt sich Bauchtanz-Rhythmik. „Beim Johannes kann man alles bestellen“, lacht Jodula, ehe der vor dem „Jodelmar“ mit Windgeräuschen am Mikro für eine steife Küstenbrise sorgt – und anschließend beatboxend den Groove erledigt. Dass es ihm Spaß macht, merkt man daran, dass er prompt sein eingeplantes Trompetensolo verpasst. Und von Jodula humorvoll darauf hingewiesen wird: „Der Johannes ist so in seinen Groove verliebt ...“

Tuba-Grenzen gesprengt

Die Blasinstrumente werden von Bär neu definiert. Mit einem Solo über den Barockhit „La Folia – die Verrückte“ sprengt Bär auf der Tuba alle Grenzen. Und nicht nur dort. Immer wieder bläst und singt er gleichzeitig in eine seiner Tröten. Außerdem kann er Ober- und Unterlippe unabhängig schwingen lassen. So entstehen als „Spaltklang“ nicht nur zwei Töne gleichzeitig, sondern manchmal noch ein Dritter als Interferenz. „Multiphonics“ nennt man solche Musik-Magie.

Immer für eine Überraschung gut

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Bär ist immer für eine Überraschung gut. Zwischendurch schnappt er sich ein Didgeridoo und echot Jodulas Jodeltext, indem er ihn dort (über den Grundton) hineinspricht, in diesem Fall ein Motiv aus der Steiermark. „DreihoeüberdieAlm“ hat man so noch nie gehört. Da muss sogar Jodula lachen. „Des hotta no nie gmacht“, entfährt es der Vorderburgerin.

Die schwierigste Aufgabe

Entwicklungspotenzial gäbe es für dieses Duo, wenn Jodula als Kontrast zu ihrem Hochgebirgs-Gletscher-Sound, den reinen und klaren Jodeltönen, noch beherzter und mutiger das von Soul und Blues auspackt, die „dreckigen“ Töne aus der Tiefe. Natürlich ist es für Sänger die schwierigste Aufgabe überhaupt, mit der Stimme zwischen solchen Registern zu wechseln, eine andere Aura auszupacken.

Kontraste und Farbenspiel

Alles hat seine Grenzen. Man kann nicht taufrisch edel klingen und im nächsten Moment nach von Alkohol und Zigaretten gegerbten Stimmbändern. Aber dass sie Kontraste und Farbenspiel drauf hat, deutet Jodula an in Nummern wie dem Rock’n’Johl. Davon noch mehr, dann bleibt die Reise spannend.

Die Jodlerin Hedwig Roth aus Vorderburg.

Der Jazzmusiker Johannes Bär aus Andelsbuch.

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