Brauchtum in Immenstadt

Ein Blick zurück: Auch bei den Sternsingern menschelt’s

Dreikönigs-Sternsinger der Pfarrei St. Nikolaus Immenstadt um 1958: Früher waren die Sternsinger noch mit großem Gefolge unterwegs.

Dreikönigs-Sternsinger der Pfarrei St. Nikolaus Immenstadt um 1958: Früher waren die Sternsinger noch mit großem Gefolge unterwegs.

Bild: Sammlung Eckel

Dreikönigs-Sternsinger der Pfarrei St. Nikolaus Immenstadt um 1958: Früher waren die Sternsinger noch mit großem Gefolge unterwegs.

Bild: Sammlung Eckel

Erinnerungen an den Rundgang der Heiligen Drei Könige in Immenstadt
04.01.2021 | Stand: 16:26 Uhr

Nach dem Jahreswechsel beginnt die Zeit der Sternsinger. Normalerweise gehen dann junge Mitglieder der katholischen Pfarreien – verkleidet als die Heiligen Drei Könige – von Haus zu Haus und schreiben den Segensspruch über die Türe. Doch zur Corona-Zeit ist alles anders. Siegbert Eckel vom Immenstädter Stadtarchiv erinnert sich an das Brauchtum in früherer Zeit.

Wenn nicht gerade eine Pandemie den Kontakt unter den Menschen beschränkt kommen die Sternsinger an die Haustüren und schreiben die Buchstaben C+M+B mit der Jahreszahl über die Türstöcke. Das hat nichts mit den Namen der drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar zu tun, sondern heißt in lateinischer Sprache „Christus Mansionem Bendicat“, also „Christus segne dieses Haus“.

Früher schrieben auch nicht die Drei Könige auf den Türbalken, sondern es war der Hausvater, der es meist schon am Vorabend zum Dreikönigstag mit geweihter Kreide über wichtige Einlässe, wie zum Stall, dem Wohnraum oder der Haustür malte. Die Dreikönigstagskreide war in der Regel schon im Vorjahr geweiht worden. In manchen Orten wurde solche Kreide während des Jahres sogar in pulverisierter Form kleinen Kindern und Kälbchen in die Getränke gegeben.

Ursprünglich kam das Brauchtum der Sternsinger von Norden her nach Bayern, in Holland und Belgien gehörten sie schon im 16. Jahrhundert dazu. Nach Süddeutschland und Österreich kamen die Sternsinger vor allem im Zuge der Gegenreformation. In jener Zeit wurden sie meist von Mönchen und Klerikern dargestellt, die um Spenden baten. Die Reformation hatte dieses Brauchtum schon vorher als Geldbeschaffungsmaßnahme kritisiert und daher abgelehnt. Daraus lässt sich auch das hohe Alter für das Brauchtum der Sternsinger ablesen.

Auch Mädchen dürfen heute dabeisein

Gegen Ende des 18. Jahrhundert wurde der mittlerweile verweltlichte Brauch abgeschafft. 1958 führte die katholische Kirche das Sternsingen zur Unterstützung von Hilfsprojekten wieder ein und auch die Pfarrei St. Nikolaus in Immenstadt schloss sich dem Vorhaben an. Damals waren es meist Ministranten und Buben aus dem Immenstädter Waisenhaus, die den Brauch ausführten und als Könige mit Gefolge und Sternträger fungierten. Mangels genügend männlicher Beteiligung dürfen heute auch Mädchen mitziehen, den Reim singen und die Spenden einsammeln.

In den Jahren zwischen 1958 und 1960 soll es unter den Heiligen Königen und ihren Dienern hie und da zu menschlichen Meinungsverschiedenheiten und Streitereien gekommen sein. So mancher „Heilige“ sei damals mit lädierter Krone und zerrupfter Robe in die Sakristei von St. Nikolaus zurückgekehrt heißt es. Und noch heute erzählt man sich die Geschichte von einer solchen Auseinandersetzung, bei der einer des heiligen Gefolges sein Weihrauchschiffchen erzürnt in den Schnee am Bahndamm nach Sonthofen warf. Dort kam es im Frühjahr nach der Schneeschmelze wieder unbeschädigt hervor.