1. FC Sonthofen

Ein Club, ein Leben lang: Sonthofens Gregor Mürkl im Portrait

Zwischen diesen Fotos liegen exakt elf Jahre: Gregor Mürkl als 15- und als 26-Jähriger – stets im Trikot des 1. FC Sonthofen. Allein die Körperhaltung hat sich über die Jahre leicht verändert. Inzwischen ist Mürkl seit 22 Jahren beim FCS.

Zwischen diesen Fotos liegen exakt elf Jahre: Gregor Mürkl als 15- und als 26-Jähriger – stets im Trikot des 1. FC Sonthofen. Allein die Körperhaltung hat sich über die Jahre leicht verändert. Inzwischen ist Mürkl seit 22 Jahren beim FCS.

Bild: Günter Jansen, Christoph Specht

Zwischen diesen Fotos liegen exakt elf Jahre: Gregor Mürkl als 15- und als 26-Jähriger – stets im Trikot des 1. FC Sonthofen. Allein die Körperhaltung hat sich über die Jahre leicht verändert. Inzwischen ist Mürkl seit 22 Jahren beim FCS.

Bild: Günter Jansen, Christoph Specht

Gregor Mürkl verkörpert Vereinstreue wie kein Zweiter: Seit über 22 Jahren trägt der 26-Jährige das FCS-Trikot. Mentor Michael Jipp über einen „außergewöhnlichen Spieler“.
16.10.2020 | Stand: 18:45 Uhr

Ein Club, ein Leben lang ein Club: Ein Grundsatz, der wie ein Leitfaden die Karriere von Gregor Mürkl vorzeichnet: Wie kaum ein zweiter Spieler beim Fußball-Landesligisten verkörpert der 26-Jährige das „Sonthofen“ im 1. FC Sonthofen. „Ich bin einer der Wenigen, die es von den Bambini bis zu den Herren geschafft haben“, sagt Mürkl. „Ich bin noch immer hier. Und ich sehe keinen Grund, je wegzugehen. Sonthofen ist mein Verein.“

Damit lebt der Offensiv-Allrounder die in den vergangenen Jahren von der Clubführung oft vermisste Vereinsidentifikation vor: Gregor Mürkl geht jenen Weg, den der FCS als Route vorgezeichnet hat – auf Gesichter aus der Region, im besten Falle aus der Stadt, im Optimalfall sogar auf Eigengewächse zu bauen.

Michael Jipp lobt: "Bodenständig, zuverlässig, immer eine Frohnatur"

„Bodenständig, zuverlässig und immer eine Frohnatur. Gregor war immer schon ein besonders feiner Junge“, lobt Michael Jipp den 26-Jährigen. Über sechs Jahre, von den E-Junioren bis zur A-Jugend, hatte Jipp Mürkl unter seinen Fittichen. Mit vier Jahren schon kickte der gebürtige Sonthofer erstmals auf dem Rasen des Illerstadions. Der frühe Start ins fußballerische Leben war auch für Mürkl Ergebnis einer familiären Prägung.

„Mein Vater war schon als Kicker in Österreich aktiv, mein Cousin als zweiter Torhüter beim VfL Wolfsburg“, erzählt Mürkl, dessen 23-jähriger Bruder Viktor ebenfalls kickt und aktuell für den FC Schwarz-Weiß Sonthofen aufläuft. „Mit vier war ich vielleicht noch etwas zu jung, habe dann eine kurze Pause gebraucht, aber ab sechs war die Sache für mich dann endgültig durch“, sagt Mürkllachend.Ab den Bambini hat Mürkl alle Jugendteams beim 1. FC Sonthofen durchlaufen, feierte mit dem Landesliga-Aufstieg mit der B-Jugend 2011 seinen größten Erfolg – eben unter Michael Jipp.

Mehr Glanz im Dribbling als in der Defensive

Spielerisch, darin sind sich Mürkl und sein Mentor einig, glänzt der quirlige Wirbelwind seit jeher mehr durch Dribbelstärke denn durch defensive Qualitäten. „Verteidigen konnte ich noch nie so recht, dafür habe ich offensiv aber schon alles und immer wieder probiert“, sagt Mürkl. „Ein Stürmer war ich aber nie, ich bin lieber Vorbereiter als Vollstrecker.“

In die gleiche Kerbe schlägt sein langjähriger Jugendtrainer. „Bei Gregor hat man schon in jungen Jahren gesehen, dass er ein außergewöhnlicher, ein feiner Techniker und mit beiden Beinen stark ist. Nicht nur deshalb hat ihn der FC Augsburg in der E-Jugend gelockt“, erinnert sich der 64-jährige Jipp: „Von der Statur her war er nie für die Defensive gemacht. Aber er hat es immer mit überragender Technik wettgemacht. Sein großes Plus war die Einstellung: Gregor gibt 100 Prozent, das war als Kleiner so – und noch heute ist er immer da, wenn man ihn braucht.

Immer mittendrin, statt nur dabei:
Immer mittendrin, statt nur dabei: "Ich habe es über die Jahre geschafft, immer mit jedem Spieler und in jedem Team zurechtzukommen", sagt Gregor Mürkl.
Bild: Günter Jansen

Schwere Jahre nach der Jugendzeit

Diese Qualität sollte dem spielstarken Techniker in den ersten Jahren im Herrenbereich zugutekommen. Denn schon im Jahr nach dem besagten Aufstieg mit der B-Jugend durfte Mürkl unter dem damaligen Trainer und heutigem Teammanager Bernd Kunze als gerade 18-Jähriger in der Bayernliga debütieren. Und das Kapitel begann wie ein Märchen: Der Dribbler wurde eingewechselt, ausgerechnet beimDerby in Kottern, und traf nur vier Minuten nach der Einwechslung auch schon das erste Mal.

„Insgesamt war es aber eine schwierige Umgewöhnung von der Bezirksliga in der A-Jugend zu den Herren. Das war ehrlich eine harte Nummer, das hatte ich so nicht erwartet“, gesteht Mürkl heute. Der Mittelfeldspieler durfte zwar immer wieder aushelfen, als Joker, später auch unter Esad Kahric, als der 1. FC Sonthofen mit der Bayernliga-Herbstmeisterschaft 2015 die erfolgreichste Saison der Clubgeschichte gefeiert hat.

Gregor Mürkl: "Ich habe keine Chance gesehen"

„Aber so richtig zum Zug gekommen bin ich leider nie“, sagt Mürkl. Im Gegenteil: Nach einer beruflichen Umstellung und der damit verbundenen Schichtarbeit, entschied sich der Industriemechaniker kürzerzutreten und für die Reserve zu spielen. „Ich habe da keine Chance gesehen, habe mich aber natürlich auch beschwert, dass ich keine Zeit bekomme. Aber es war beruflich einfach nicht mehr zu machen“, sagt der Sonthofer.

Zweieinhalb Jahre kam er über sporadische Einsätze in der Bayernliga nicht hinaus – bis zum dramatischen Abstiegsjahr, in dem Yusuf Bakircioglu als Trainer begann und Benjamin Müller übernahm. Es schlug Mürkls Stunde. „Der Verein hat mir gesagt, dass man mit mir plant. Beruflich ging es wieder und ich habe gespürt, dass ich wieder richtig Bock habe“, sagt der 26-Jährige.

Und sein Ziehvater ergänzt: „Gregor ist von Grund auf positiv, und das hat ihm bei seinem teils auch schweren Weg geholfen“, sagt Michael Jipp. „Er musste lernen, sich durchzusetzen, gegen Ältere, gegen Unwägbarkeiten. Das hat ihn geformt.“ Denn heute ist Gregor Mürkl nicht wegzudenken, absolvierte im Abstiegsjahr 30 Bayernliga-Spiele, ist in der laufenden Saison mit sieben Toren und vier Assists zweitbester Scorer und mit 1753 gespielten Minuten viertfleißigster Sonthofer.

"Er ist noch immer da. Und er wird bleiben"

Und so gehört der Offensiv-Allrounder mittlerweile auch zum unentbehrlichen Stammpersonal im Konstrukt von Coach Benjamin Müller. „Den Schritt zum Führungsspieler habe ich noch nicht ganz gemacht, das weiß ich. Aber ich weiß auch, dass ich leistungstechnisch vorausgehen und die Spiele entscheiden kann“, sagt Gregor Mürkl und fügt an: „Der Trainer fordert mich auf, mehr Verantwortung auf dem Platz zu übernehmen.“ Diese Rolle und diesen Anspruch hat sich der „Sonthofer Bub“ über zwei Jahrzehnte verdient.

„Ich bin als Talent aus der Jugend gekommen. Und ich habe meinen Platz gefunden“, sagt der 26-Jährige: „Der 1. FC Sonthofen ist mein Verein. Um das so lange zu machen, muss man die richtige Einstellung haben. Und ich habe es immer geschafft, mich in jedem Team wohl zu fühlen.“

Das zu sehen, erfüllt auch Michael Jipp Samstag für Samstag, wenn er seinen ehemaligen Vorzeigedribbler auf dem Rasen wirbeln sieht: „Ich habe viele richtig gute Spieler kommen und gehen sehen – aber für Gregor gab es nie eine Alternative zum FCS“, sagt Jipp. „So etwas gibt es heute viel zu selten. Für ihn gilt das Lebensmotto: ‘Einmal Sonthofen, immer Sonthofen.’ Denn viele aus seiner Zeit sind nicht mehr da. Er schon. Und er wird bleiben.“