Basketball-Oberliga

Ein Gipfeltreffen, das keines war: Das historische Spiel der Sonthofer Basketballer

Basketball TSV Sonthofen

Eine Nummer zu groß war die BGLS Schwaben Augsburg für die ersatzgeschwächten Basketballer des TSV Sonthofen. Spielertrainer Tim Eisenhauer lobte aber den couragierten Auftritt seines Teams in der zweiten Halbzeit.

Bild: Roman Lipp

Eine Nummer zu groß war die BGLS Schwaben Augsburg für die ersatzgeschwächten Basketballer des TSV Sonthofen. Spielertrainer Tim Eisenhauer lobte aber den couragierten Auftritt seines Teams in der zweiten Halbzeit.

Bild: Roman Lipp

Im ersten „2G-Spiel“ der Bezirksoberliga-Geschichte gerät der TSV Sonthofen gegen Schwaben Augsburg unter die Räder. Warum das Spitzenspiel keines war.
15.11.2021 | Stand: 16:37 Uhr

Es war denkwürdig, historisch – wenn auch nicht zwingend aus sportlichen Gründen. Das Gipfeltreffen in der Bezirksoberliga zwischen den Basketballern des TSV Sonthofen und der BGLS Schwaben Augsburg war das erste BOL-Spiel in der Geschichte, das unter „2G-Regeln“ stattgefunden hat. Aufgrund der dynamischen Entwicklung in der Corona-Pandemie mussten alle am Spiel Beteiligten sowie die Zuschauer in der Gymnasium-Halle einen vollständigen Impfstatus oder eine Genesung vorweisen.

Dabei waren aus diesem Grund auch die Gäste ohne zwei Spieler angetreten – beim TSV Sonthofen wiederum fehlten zwei tragende Säulen im Spiel: Fabian Ullmann (krankheitsbedingt) und Noa Hüper (beruflich). Dass die Hausherren mit 56:74 die erste Saisonniederlage – zudem eine überaus empfindliche – kassierten, ging bei den vorherrschenden Rahmenbedingungen sogar etwas unter. „Formal war es zwar ein Spitzenspiel – aber ich denke schon, dass jeder bei uns wusste, wie die Rollen verteilt sind“, sagte Sonthofens Spielertrainer Tim Eisenhauer. „Wenn zwei so wichtige Spieler fehlen, merkt man das auf allen Ebenen.“

Sonthofen erwischt rabenschwarzen Tag

Das Duell der beiden ungeschlagenen Teams der Bezirksoberliga erlebte einen äußerst zerfahrenen Beginn mit hektischen Abschlüssen auf beiden Seiten – allein die ersten neun Würfe beider Teams verfehlten den Korb. Doch nach der 4:0-Führung für die Gäste wurden die Oberallgäuer noch nervöser, leisteten sich in der Anfangsphase zudem leichtsinnige Ballverluste durch schlampige Zuspiele. Der erst 18-jährige Julian Hoffmann stellte sich im ersten Viertel mit mutigen Zügen zum Korb gegen die überlegenen Augsburger und erzielte die ersten vier Punkte für den TSV (4:10 nach sieben Minuten). Doch auch nach Eisenhauers Auszeit fanden die Sonthofer im Auftaktviertel nicht mehr recht in die Spur – immerhin hielten der unter dem Korb agile Milan Lipp und der besser werdende Eisenhauer den Rückstand bis zum 11:14 noch moderat.

Auch das zweite Viertel startete auf spielerisch überschaubarem Niveau: Sonthofen vergab erneut etliche Würfe – doch diesmal nutzten die Gäste die Schwächephase. Augsburg zog mit einem 12:0-Lauf beinahe vorentscheidend auf 26:11 davon. Zwar setzte der nimmermüde Milan Lipp unter dem Korb einige Lichtblicke – doch den Gästen gelang in dieser Phase nahezu alles: Die BGLS setzte sich durch variable Abschlüsse in der Zone und aus der Distanz nach 17 Minuten auf 34:13 ab. Eisenhauer versuchte der körperlichen Überlegenheit der Augsburger durch die zuletzt erfolgreiche Zonenverteidigung Herr zu werden – die Gäste aber stellten ihre Offensive um und waren vermehrt aus der Mitteldistanz erfolgreich. Da die Sonthofer wiederum kein Rezept im Angriff fanden, schloss der TSV das Viertel mit mickrigen zwei Zählern ab und ging mit ernüchterndem Rückstand von 13:39 in die Kabine.

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„Wir waren nervös und verunsichert, haben überhaupt nicht in Spiel gefunden“, sagte Eisenhauer. „Ich habe den Jungs gesagt, dass wir nicht mehr auf die Ergebnistafel schauen müssen. Und das hat vor allem den Jungen offenbar die nötige Lockerheit gegeben.“ Denn die zwei Punkte aus dem gesamten zweiten Abschnitt hatte Neuzugang Patrik Kristofic schon nach 15 Sekunden im dritten egalisiert, als er einen beherzten Sololauf erfolgreich abschloss. Offenbar ein Knotenlöser für die Sonthofer – zumindest offensiv. Denn in den Folgeminuten fielen die Dreier plötzlich – auch die Aktionen in der Zone gelangen. Sonthofen legte zwar einen unverhofften 8:2-Lauf hin, gegen die stabilen Augsburger war das allerdings zu wenig. Die BGLS ließ sich weder davon noch von zwei Dreiern in Serie durch Eisenhauer beirren und baute den Vorsprung über 55:29 (25.) bis zum Schlussviertel bei 35:64 sogar aus.

Eisenhauer trägt sein Team durch die Schwächephase

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In diesem präsentierte sich der Coach vorbildlich: Flink auf den Beinen in der Verteidigung und mit Übersicht im Offensivspiel trug Eisenhauer sein Team als leiser Antreiber durch diese schwerste Phase der Saison. Seine Kollegen zogen mit: Allen voran Milan Lipp stemmte sich mit 17 Rebounds gegen die körperliche Überlegenheit und punktete noch einige Male. Die Gäste aber ließen sich das Spiel aber trotz des leicht schrumpfenden Vorsprungs bei 42:66 (34.) bis zum Endstand nicht mehr nehmen.

„Wir haben die große Hoffnung, dass die Saison irgendwie durchlaufen kann. Eine erneute Pause wäre noch zu verkraften“, sagte Eisenhauer mit Blick auf die Entwicklung in der Pandemie. „Aber wenn nun auch die dritte Saison in Folge massiv leidet, wäre das extrem bitter. Man spürt schon jetzt, dass die Teams ausdünnen und das Niveau leidet. Ein erneutes Aus würde sehr viele Standorte in Gefahr bringen.“