"Karawane der Menschlichkeit"

Ein Oberallgäuer Fotograf begleitet Clowns in Flüchtlingslager

Karawane der Menschlichkeit

Momentaufnahmen aus Flüchtlingslagern im Libanon: Der Fotograf Bruno Maul aus Altstädten hat die „Karawane der Menschlichkeit“ begleitet.

Bild: Bruno Maul

Momentaufnahmen aus Flüchtlingslagern im Libanon: Der Fotograf Bruno Maul aus Altstädten hat die „Karawane der Menschlichkeit“ begleitet.

Bild: Bruno Maul

Der Fotograf Bruno Maul hat mit der „Karawane der Menschlichkeit“ Flüchlingslager im Libanon besucht. Dort brachten Clowns nicht nur Kinderaugen zum Strahlen.
26.12.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Ob in den syrischen Flüchtlingscamps im Süden der Türkei oder im Libanon: Der Sonthofener Fotograf Bruno Maul war an diesen Brennpunkten des Leids. Mit der „Karawane der Menschlichkeit“, initiiert von seinem österreichischen Kollegen Pascal Violo, sah er dort aber auch in lachende, strahlende Kinderaugen – vor allem als die Task Force der Karawane ihre Arbeit aufnahm: Seifenblasen-Künstler, Clowns, Musiker ... dass selbst Kinder, die Schrecklichstes erlebt haben, wieder Freude und Glück empfinden können, wenn man sich ihnen zuwendet, diese Erfahrung berührte Bruno Maul zutiefst.

Normalerweise unterwegs mit Vorträgen

Normalerweise ist der 46-Jährige unterwegs mit seinen Vorträgen über Reiseziele auf dem Globus: Kuba, Balkan ... Weil das aber aktuell nicht möglich ist, überlegte er nicht lang, als Violo auf ihn zukam. Dieser verwendete das Geld, das er eigentlich angespart hatte, um in Kanada Eisbären zu fotografieren, um seine „Karawane der Menschlichkeit“ in Bewegung zu setzen. Mit der war er schon bei Flüchtlingen aus Afrika im Süden Italiens oder in den Wäldern Bosniens (wo sie vor der EU-Grenze festsitzen), oder bei afghanischen Familien in Moria auf Lesbos. Erstmals mit dabei war Bruno Maul dieses Jahr im Juni bei syrischen Flüchtlingen im Süden der Türkei und nun noch einmal im Oktober im Libanon.

Das wichtigste Mitbringsel: Heizöl

Diese Menschen seien fast nur Frauen und Kinder, berichtet Maul. Die Männer seien tot oder eingezogen vom Militär. Mit zwei Millionen Flüchtlingen bei 6,9 Millionen Einwohnern muss der Libanon im Verhältnis zur Einwohnerzahl sechzehn Mal so viel Geflüchtete verkraften wie die Bundesrepublik Deutschland. Und das in einem Land, das von einer korrupten Elite ausgezehrt werde, sagt Maul. Das wichtigste Mitbringsel für die Camps: Heizöl für diesen Winter, für die Öfen in den Zelten. 2500 Menschen brauchen nun nicht arg frieren oder gar erfrieren. Außerdem wurde in Beirut eine Schule eingerichtet für 300 Kinder. Bisher wurde – seit 30 Jahren im Palästinenser-Ghetto – in einem einzigen Zimmer ohne Fenster dicht an dicht unterrichtet.

Kinder suchen Körperkontakt

Berührend auch, wie sich nicht nur Kleinkinder, sondern auch 16-jährige Teenager auf die mitgebrachten Kuscheltiere stürzten. Schon bald suchten die Kinder den Körperkontakt zu den Helfern, wurden Umarmungen ausgetauscht, nach denen die kleinen Seelen offenbar dürsteten, ja lechzten. Wie die Situation dort ist, war selbst Bruno Maul am Anfang nicht klar, als er ein Mädchen nach seiner Mutter fragte, der er etwas aushändigen wollte. Die verstörte Reaktion des Kindes auf seine Frage konnte er zunächst nicht einordnen, bis ein anderer einheimischer Helfer ihm zwei Worte sagte: „Keine Eltern.“

Die Schattenseiten der Welt

Maul, der sich in seinen Vorträgen und Büchern der Schönheit der Welt zuwendet und diese kunstvoll ablichtet, mit hochwertigen Druckern davon große, farbechte Abzüge erstellt, lernte einmal mehr auch die Schattenseite dieser Welt kennen. Er selbst hat die Hoffnung, dass die nächste Generation, zu der auch seine Töchter gehören, acht und elf Jahre alt, es schafft, Unterdrückung und Ausbeutung abzubauen und aufmerksamer zu werden, um nicht zu Missständen beitragen, etwa durch gedankenlosen Einkauf.

Luxusprobleme

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Und was haben ihm selbst diese Reisen gebracht? „Das ich meine und unsere Luxusprobleme entspannter sehe und cool bleibe, wenn mein Drucker das Bild nicht gleich korrekt rauslässt.“

Am Ende soll Bruno Maul selbst das Wort haben über Sonnenstrahlen im Libanon:

„Auf keiner meiner Reisen wurde ich je von einem Land so herzlich empfangen wie an der Passkontrolle im Flughafen Beirut! Die BeamtInnen fragten nach unseren Berufen:

1. Sonja (die Musikerin): „Tree carer (Baumpflegerin)“

Zöllner: „But, that’s not a job!?“

2. Markus: „Clown“

Zöllner: „What?!“

3. Aramis: „Soap-bubble-artist (Seifenblasenkünstler)“

Zöllner: ...sprachlos…grinst...

Aramis: „I make soap-bubbles professionally!“

Zöllner: ruft amüsiert auf arabisch seinen KollegInnen im Saal etwas zu.

Aramis holt seine Mini-Permanent-Seifenblasen heraus und zaubert kleine stabile Bläschen in die Luft. Alle Zöllner blicken auf, stehen auf in ihren kleinen Kabuffs, zücken ihre Smartphones und alle wollen Seifenblasen bei sich haben. Ihre Gesichter strahlen mit Kinderaugen und im Nu herrscht eine unglaublich entspannte Stimmung. Für jeden unserer Pässe fangen die BeamtInnen eine kleine Seifenblase ein, setzen diese behutsam auf den Pass und geben uns diesen so dekoriert zurück. „Ahilan wasahlan – welcome to Lebanon!“

In den folgenden Tagen durften wir immer wieder feststellen, dass von unserer Truppe eine ganz spezielle Magie auszugehen schien.

So wichtig wie Clownerie und Seifenblasenkunst war für die Kinder die Zeit nach den Shows. ... Die Kinder standen in Reihen an, um von Anita, Sonja, Elke, Pascal, Aramis… umarmt und gehalten zu werden. Viele hatten dabei fest die Augen geschlossen, ein seliges Lächeln auf den Lippen und hätten am liebsten nie mehr los gelassen.“

Der Fotograf Bruno Maul aus Altstädten.

Die Vortragsreihe "Gesichter der Erde" in Immenstadt.

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