Kleinwalsertal

Ein Oberstdorfer ist jetzt Chef von „Walser für Walser“

kw Walser

Dr. Haiko Kinzel (rechts) ist der neue Obmann des Fördervereins. Gemeinsam mit dem Wachleiter Thomas Fritz präsentiert er die Notfallrucksäcke im Wert von rund 1500 Euro, die mit den Spendengeldern der Walser Bevölkerung angeschafft werden konnten.

Bild: Walser Rettung

Dr. Haiko Kinzel (rechts) ist der neue Obmann des Fördervereins. Gemeinsam mit dem Wachleiter Thomas Fritz präsentiert er die Notfallrucksäcke im Wert von rund 1500 Euro, die mit den Spendengeldern der Walser Bevölkerung angeschafft werden konnten.

Bild: Walser Rettung

Dr. Heiko Kinzel ist neuer Obmann des Fördervereins der Rettungsorganisation im Kleinwalsertal in Österreich. Im Interview erläutert er den Vereinszweck.
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Von Veronika Krull
22.09.2021 | Stand: 11:26 Uhr

Neuer Obmann des Fördervereins „Walser für Walser“ ist Dr. Haiko Kinzel. Der Verein wurde 2011 durch die Allgemeinärzte Dr. Elmar Lingg und Dr. Erich Gantner gegründet. Kinzel, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin und Intensivmedizin, befindet sich derzeit in der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in einer Praxis im Oberallgäu. Er ist verheiratet, Vater eines Kindes und wohnt in seinem Geburtsort Oberstdorf. Veronika Krull sprach mit ihm über Zweck und Ziele des Fördervereins.

Was war der Anlass für die Vereinsgründung?

  • Dr. Haiko Kinzel: Die Walser Rettung sollte in den Bereichen unterstützt werden, in denen die eigenen finanziellen Mittel nicht ausreichen. Dies betraf vor allem die Beschaffung von Material, aber auch Fortbildungen und gemeinschaftliche Aktivitäten. Die Grenzstaatlichkeit hat hier jeher eine schwierige Situation seitens der Zuständigkeit vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) und dem Österreichischen Roten Kreuz (ÖRK) mit sich gebracht. Das gilt auch für die finanzielle Ausstattung des Rettungswagens. Wir wollten unabhängig sein.

Wie viele Mitglieder zählt der Verein? Kommen alle aus dem Tal?

  • Kinzel: Bis auf die beiden Rechnungsprüfer sind alle vier Mitglieder Ärzte aus dem Kleinwalsertal.

Mit welchen Aktionen sammeln sie Geld?

  • Kinzel: Das läuft rein auf Spendenbasis, gelegentlich verteilen wir bei einem besonderen Anlass ein Flugblatt.

Können Sie sagen, welche Summe Sie in den vergangenen zehn Jahren erreicht haben?

  • Kinzel: Darüber haben wir Stillschweigen vereinbart, aber es reicht aus, um die Rettung in allen Belangen tatkräftig zu entlasten.

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Was wurde von dem Geld angeschafft?

  • Kinzel: Wir konnten davon viele Gegenstände für die Notfallmedizin, insbesondere für den aktuellen Rettungswagen anschaffen, wie zum Beispiel aktuell die Notfallrucksäcke zur Patientenbehandlung. Wir konnten auch Zuschüsse zahlen, etwa für ein EKG-Gerät, ein Pulsoxy zur Sauerstoffmessung, für ein Spineboard, das zur Rettung für Personen mit einer Wirbelsäulenverletzung benutzt wird. Von den Geldern werden auch Fortbildungen finanziert.

Was war das größte Projekt bisher?

  • Kinzel: Wir versuchen, lediglich im Hintergrund zu agieren und gewähren eine finanzielle Unterstützung nur bei dringender Notwendigkeit. Große Summen haben wir bisher bewusst nicht ausgegeben. Die letzte Großausgabe war der Zuschuss für den Winter-Krankentransportwagen mit 5000 Euro.

Was steht als Nächstes an?

  • Kinzel: Wir warten auf eine anfallende Notfallausrüstung sowie auf Fortbildungen. Außerdem soll die gesamte notfallmedizinische Infrastruktur im Kleinwalsertal verbessert werden, zum Beispiel durch die Anschaffung eines Notfallrucksacks für die Polizei, die zu Hilfe eilt, wenn der Rettungswagen unabkömmlich ist. Die Polizisten werden auch explizit geschult. Wir übernehmen die Kosten für das Equipment.

Was treibt Sie persönlich an, den Vorsitz zu übernehmen?

  • Kinzel: Zehn Jahre hat Dr. Elmar Lingg den Vorsitz im Verein eingenommen. Ein Nachfolger war gefragt. Mir ist die finanzielle Unabhängigkeit der Walser Rettung wichtig, weil wir nur dadurch den hohen notfallmedizinischen Standard erhalten können, den wir den Einheimischen und auch unseren Gästen anbieten. Die Gelder durch das ÖRK beziehungsweise BRK reichen da bei Weitem nicht aus. Wir freuen uns über jegliche Spende, die zu hundert Prozent der Walser Rettung und somit dem Tal zugutekommt.

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